Bücher: „Crank“ von Ellen Hopkins

Freier Fall: Ellen Hopkins neuer Roman „Crank“ spiegelt das Innenleben einer drogenabhängigen Schülerin in den USA. Mit Leseprobe!
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"Crank"
Fazit

"Crank"

Crank, Crystal, Yaba, Glass, Ice... Die Droge Methylamphetamin trägt viele Beinamen. Und nur selten ist ihr Klang so abschreckend, wie er sollte. Geraucht, geschluckt, geschnupft oder gespritzt hat die Zahl der Crank-Abhängigen in den USA seit 1995 um 40 Prozent zugenommen.

Nicht ohne Grund wird die Partydroge auch „das Monster“ genannt. Einen Hinweis darauf, was ihr Konsum aus gesunden Menschen machen kann, gibt die Drogen-Kampagne „Faces of Meth“: Bilder von hohlwangigen Junkies mit verwirrtem Blick, verfaulten Zähnen und einem von Wundmalen übersäten Körper.

Die amerikanische Autorin Ellen Hopkins unternimmt in ihrem neuen Roman „Crank“ den Versuch die psychischen Auswirkungen der Droge aufzuzeigen. Dabei weist die Abhängigkeitsgeschichte der 16-jährigen Kristina traurige Parallelen zum realen Leben der Autorin auf: So hat Ellen Hopkins erfahren, wie ihre Tochter „mit Haut und Haar einem Stoff verfällt, der sie in einen fremden Menschen verwandelt. In eine Person, die man am liebsten gar nicht kennen möchte“.

Trotz der harschen Worte im Vorwort zeichnet die Autorin auf den folgenden 534 Seiten ihres Romans „Crank“ ein verständnisvolles Bild der jungen Protagonistin. Dieses Bemühen zeigt schon der außergewöhnliche Aufbau des Romans: In Versform verdichtete Sätze, die direkt Kristinas Innenleben entsprungen sind.

„Das Leben war gut,

bevor ich es

traf,

das Monster.

Das Leben

danach

war großartig.

Auf jeden

Fall

für kurze Zeit.“

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Fazit

„Crank ist mehr als eine Droge. Es ist eine Lebensweise.“ Wer die Schlussworte in Ellen Hopkins Roman liest, weiß wovon Kristina spricht. Das wohl behütet aufgewachsene Mädchen hat sein vergangenes Leben – alte Freunde, Familienausflüge, romantische Mädchenphantasien – weit hinter sich gelassen. Von der ersten Line „Crank“ bis zum Abstieg in die Illegalität als Drogendealerin liegt ein weiter Weg hinter ihr. Die Weichen dafür haben unglückliche Erfahrungen und Schicksalsschläge gestellt, aber auch die prüde Erziehung der Eltern wird von der Autorin an vielen Stellen des Buches selbstkritisch reflektiert.

Ellen Hopkins zeichnet in ihrem neuen Roman ein Bild von der Härte und Unerbittlichkeit der Sucht – jedoch nicht ohne einen Schimmer von Hoffnung für die jugendliche Protagonistin. Denn die Kraft, sich aus den Klauen des „Monsters“ zu befreien, liegt schlussendlich in der Bejahung des eigenen Lebens. In Kristinas Fall hervorgerufen durch eine ungewollte Schwangerschaft.

Ellen Hopkins Roman „Crank“ lässt die Sogkraft dieser Droge spürbar werden. Die in Versform gehaltenen Gedanken der jungen Protagonistin entwickeln sich zu einem emotionalen Strudel, an dessen Boden die soziale und körperliche Zerstörung droht. Weit darüber hinaus ist „Crank“ der bewundernswerte Brückenschlag einer Autorin und Mutter zu der Lebenswirklichkeit ihrer drogensüchtigen Tochter.

Ellen Hopkins: „Crank“, Carlsen Verlag, ab 14 Jahren, 14 Euro

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Die Schriftstellerin Ellen Hopkins

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