Bücher: „Felix Wonder“ von Peter van Gestel

Frühe Nachkriegszeit in Amsterdam: In Peter van Gestels neuem Jugendbuch „Felix Wonder“ nimmt ein Heimkind seine Zukunft selbst in die Hand. Mit Leseprobe
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„Felix Wonder“
Fazit

„Felix Wonder“

Ein düsteres Kinderheim mit dem Namen „Freudenvoll“ ist immer noch ein düsteres Kinderheim. Aber ein trauriges Heimkind mit dem Namen „Felix Wonder“ ist beinahe schon kein trauriges Heimkind mehr!

Amsterdam in den 50er Jahren. Der Zweite Weltkrieg ist endlich zu Ende. Doch noch hängt der Nachhall der Bombenflieger in der Luft: Wie so viele Familien lebt Felix Wonder mit seinen Eltern in einem halbzerstörten Haus mit spärlichem Mobiliar. Es fehlt an allen Ecken und Kanten. Kaum Jemand scheint in der Stimmung zu sein, die Not durch ein bisschen Heiterkeit vergessen zu machen. Sogar im Kino laufen wie gewohnt alte Kriegsfilme.

Bücher: „Felix Wonder“ von Peter van Gestel

Eigentlich ist es kein Wunder, dass die Erwachsenen davon träumen, das kriegsverwundete Europa weit hinter sich zu lassen. Doch Felix Wonder gefällt sein Leben in der Kerkestraat: mit seinem Vater, dem Varietékünstler, seiner Mutter, die ihn mit dem Fahrrad von der Schule abholt und vor allem seiner Kusine Veertje, die mit ihm Dame spielt und dabei ein Buch liest, so als gäbe es Felix Wonder gar nicht.

Mit Felix Wonders zehntem Geburtstag soll sich all das auf einen Schlag ändern: Veertje zieht mit ihrer Familie nach Australien. Und Felix Wonders Vater erhält eine Anstellung auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Mutter wird ihn begleiten. Nur Felix Wonder soll für die erste Zeit allein zurückbleiben – im Kinderheim Freudenvoll.

„Ich muss mit, weil ich zu ihnen gehöre, verstehst du es jetzt?“ erklärt Veertje. Und Felix Wonder – gehört der vielleicht nirgendwo dazu!? Die Wut und Enttäuschung des Zehnjährigen sind jedoch rasch verflogen: Gemeinsam mit der älteren Gerda ergreift er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht aus dem Kinderheim. Auch wenn es alles andere als leicht ist, sich auf der Straße durchzuschlagen: Von nun an nimmt Felix Wonder sein Glück selbst in die Hand...

Fazit

Peter van Gestel zeichnet in seinem Jugendbuch „Felix Wonder“ einen wunderbar eigensinnigen kleinen Helden mit viel Herz und einem losen Mundwerk. Dabei sind es aber oft die Gedanken, die Felix Wonder zurückhält, die dieses Buch so vergnüglich gestalten:

„Er betrachtete Veertje. Sie bemerkte es nicht. Fünf Monate jünger, dachte er, und noch dazu ein Mädchen, zu blöd, dass sie ein bisschen größer ist. (...) Er sah, dass Tante Oofje zu ihnen herüberschaute. Sie hatte immer Angst, ihre Veertje könnte vom vielen Lesen einen krummen Rücken bekommen. (...) Felix grinste. Wenn Veertje auf der Straße neben ihm herlief und mit gebeugtem Rücken auf das Pflaster schaute, war er schon genauso groß wie sie“.

Schnodderig und geistreich zugleich besitzt Felix Wonder eine beneidenswerte Eigenschaft: In jeder noch so widrigen Lebenslage erhält er sich seine unerschütterliche Zuversicht in die Zukunft. „Du weißt nie, wie sich die Dinge entwickeln werden!“

Peter van Gestel: „Felix Wonder“, ab 10 Jahren, Beltz, 12,95 Euro

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