Das Ende ist erst der Anfang

In Gabrielle Zevins Roman "Anderswo" verliert ein junges Mädchen ihr Leben – und gewinnt dafür ein Neues. Ein Buchtipp

Was lässt sich von einem Buch erwarten, dessen erstes Kapitel "Das Ende" lautet? Und tatsächlich tritt in Gabrielle Zevins Roman "Anderswo" die junge Hauptfigur Liz schon auf den ersten Seiten ihre „letzte Reise“ an: Die 16-jährige Schülerin steigt auf ein Fahrrad und wird bereits an der nächsten Straßenbiegung von einem unachtsamen Taxifahrer aus dem Leben gerissen... Doch von ewiger Ruhe und Dunkelheit ist im Jenseits keine Spur!

""Ich bin tot", denkt Liz. Dann wiederholt sie die Worte laut, um den Klang zu hören. "Ich bin tot. Tot."" Als würde ein Traum zur Wirklichkeit befindet sich Liz mit zahlreichen anderen Menschen auf dem Schiff MS Nil, das die Verunglückten übersetzt in das Totenreich "Anderswo".

Traum oder Wirklichkeit?

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Im Anderswo ist die Welt eigentlich nur ein Spiegelbild dessen, was Liz bereits kennt. Es gibt Einkaufsstraßen, Häuser, Bäume und sogar Ämter. Viele Menschen machen im Anderswo deshalb auch genau da weiter, wo sie aufgehört haben – doch es gibt Ausnahmen. John Lennon zum Beispiel scheint eine Leidenschaft für das Gärtnern entdeckt zu haben. Und Marilyn Monroe betätigt sich als Psychotherapeutin.

Zu ihrem Trost erwartet Liz im Anderswo auch ein bekanntes Gesicht: Das Mädchen wird von ihrer Großmutter Betty in Empfang genommen. – Die macht jedoch einen merkwürdig verjüngten Eindruck!

Das Ende ist erst der Anfang

Von Betty erfährt Liz, dass im Anderswo die Zeit rückwärts läuft. Tag für Tag werden die Menschen jünger, bis sie im Säuglingsalter wieder zu den Lebenden auf der anderen Seite des großen Flusses stoßen. - Ein Umstand über den sich Liz nicht besonders zu freuen vermag: Ihr Leben hatte schließlich gerade erst begonnen! Und was nützt es ihr in 16 Jahren wieder neu auf die Welt zu kommen, wenn sie dort ihrer Familie und ihren Freunden nicht mehr begegnen wird!? Durch eine Art Fernrohr auf einer Aussichtsplattform beobachtet Liz sehnsüchtig ihr zurückliegendes Leben. – Bis sie in dem viel älteren Owen einen Seelenverwandten trifft und sich verliebt...

Fazit

"Ich bin tot – und was jetzt?" In ihrem preisgekrönten Jugendroman "Anderswo" entwirft Gabrielle Zevin ein sehr berührendes Bild davon, was es für ein junges Mädchen bedeutet, sich auf ein komplett neues Leben einstellen zu müssen. Das skurrile an der Sache: Die junge Liz lernt erst im Jenseits, wie wichtig es ist, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt. – Und zum Glück ist es dafür noch lange nicht zu spät! Geschickt vermischt Gabrielle Zevin Elemente klassischer Märchen, antiker Mythen und moderner Entwicklungsromane zu einem phantastischen Leseerlebnis. Ein Buch, das Trauer und Glück miteinander versöhnt und euch in humorvoller Sprache Mut macht, im Leben etwas zu wagen!

Gabrielle Zevin: "Anderswo", ab 14 Jahren, Bloomsbury, 15,90 Euro

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