Buchtipp:Such dir was aus, aber beeil dich Kindheit im Plattenbau

Der deutsche Jugendliteraturpreis 2010 geht an eine Grafic Novel: Nadia Buddes Buch "Such dir was aus, aber beeil dich" erfasst ihre eigene Kindheit in zehn Kapiteln
Kindheit im Plattenbau

Auch die schönste Kindheit geht irgendwann zu Ende. In der Pubertät denkt man kaum noch an die ersten Jahre. Erst als Erwachsener, blickt man auf die Zeit mit Plüschtieren und Legobausteinen zurück. Genau das hat auch die Autorin und Illustratorin Nadia Budde gemacht. Sie hat im Alter von 37 Jahren mit ihrem Buch "Such dir was aus, aber beeil dich" ihre Kindheitserinnerungen in Bildern eingefangen.

Wie der Titel schon verrät, geht es in Nadia Buddes Rückblick nicht um kitschige Erinnerungen oder Gefühlsduseleien. Ganz im Gegenteil! In zehn Kapiteln wird die Kindheit der Autorin in einer gelungenen Mischung aus Detailtreue und Sarkasmus lebendig: "Kindheit war: hinfallen, im Tunnel schreien, ins Badewasser pinkeln, Läuse haben, (...) Puppe operieren, Kloppe kriegen, (...) schaukeln und kotzen, nicht den Boden berühren!, (...) aus der Zahnlücke Blut saugen".

Die Welt der Erwachsenen dagegen erschien der Autorin damals sehr befremdlich und widersprüchlich. Nadia Budde wuchs in der ehemaligen DDR auf. Dort gehörten karierte Schürzen, Eierlikör und Kopftücher genauso zum Bild, wie Lippenstift oder Zigarettenspitzen. Mit kindlich wachem Auge beschreibt sie zum Beispiel ihre Plattenbausiedlung, in der nicht nur jedes Haus genau gleich aussah, sondern auch die Einrichtung der Wohnungen, "so dass man sich überall zu Hause fühlte". Außer natürlich beim Hauswart, der eine strenge Miene zur Schau trug und jeden Westbesuch in seinem Kalender festhielt.

Fazit:

Passend zum Thema "Kindheit" ist Nadia Buddes Zeichenstil geprägt von freien Kritzeleien, unförmigen Figuren und krakeligen Druckbuchstaben. Dennoch ist die Graphic Novel "Such dir was aus, aber beeil dich" keine leichte Lektüre: Aus den Kindheitserinnerungen der Autorin entspringen nicht nur niedliche Versprecher wie zum Beispiel der Begriff "friedliche Chorexistenz" sondern auch recht derbe Beschreibungen von Blut, Rotz und unangenehmen Gerüchen. Um den kindlichen Erzähler zu verstehen, gehört etwas Vorwissen über die ehemalige DDR dazu. Ein erfrischendes Buch, das euch zum Schmunzeln, wie auch zum Staunen bringen wird!

Nadia Budde: "Such dir was aus, aber beeil dich. Kindsein in zehn Kapiteln", ab 12 Jahren, Fischer, 19,95 Euro

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