Buchtipp Rassenwahn

Manfred Theisens Roman "Ohne Fehl und Makel" beschäftigt sich mit einem menschenverachtenden Aspekt der NS-Zeit: dem Versuch "eine arische Elite" heranzuzüchten. Mit Leseprobe!

"Dem Führer ein Kind schenken". So lautete das Motto der Geburtshäuser und Kinderheime des nationalsozialistischen Vereins Lebensborn. 1935 eingerichtet von SS-Reichsführer Heinrich Himmler, dienten sie dem Zweck "eine arische Elite" heranzuzüchten.

Doch wie auch der 14-jährige Fritz in Manfred Theisens Roman "Ohne Fehl und Makel" erfahren muss, waren viele der Lebensborn-Kinder alles andere als freiwillige "Geschenke" an Adolf Hitler. Denn in den Einrichtungen der Nazis kamen nicht nur Kinder deutscher Frauen zur Welt. Unter ihnen wuchsen auch blonde, blauäugige Kinder auf, die Himmler aus den besetzten Gebieten wie zum Beispiel Polen und Norwegen verschleppen lies.

Ein Junge im Lebensborn-Heim

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Der Verein Lebensborn operierte unter strenger Geheimhaltung. So begreift Manfred Theisens Romanfigur Fritz lange Zeit nicht, was dort in Wahrheit vor sich geht - obwohl er als Sohn des leitenden Arztes eines Lebensborn-Heims selbst unter dem Dach des Vereins lebt. Erst als die Schwester seiner Freundin Marie dort ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringt, erkennt Fritz die Praktiken seines Vaters: Dieser gibt das Kind als Totgeburt aus und hätte es wohl ermorden lassen, wäre Fritz nicht eingeschritten. Er verhilft Mutter und Kind zur Flucht und muss dafür harte Konsequenzen tragen.

Fazit:

Manfred Theisens Roman "Ohne Fehl und Makel" ein Thema, um das sich noch immer viele Spekulationen ranken. Der Autor hat jedoch im Bemühen, der Wahrheit möglichst nah zu kommen, seinem Werk eine aufwändige Recherche zu Grunde gelegt. So umfasst das Buch ein ausführliches Glossar, dem ihr Begriffserklärungen und vertiefende Informationen entnehmen könnt. Als Schwäche lässt sich dagegen auslegen, dass das eigentliche Thema des Romans an vielen Stellen hinter actiongeladenen Szenen zurücktritt. Ein stärkerer Fokus auf die Glaubwürdigkeit der Figuren hätte sich bestimmt gelohnt. Dennoch ist Theisen ein sehr lesenswertes Buch zu einem Thema, das vielen jungen Lesern noch unbekannt sein dürfte, gelungen.

Manfred Theisen: "Ohne Fehl und Makel. Ein Junge im Lebensborn-Heim", ab 13 Jahren, cbj, 7,99 Euro

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