Buchtipp Mitternacht

Die Zeit steht still: Mit wunderschönen Schwarz-Weiß Zeichnungen unserer modernen Städte untermalt Hannes Binder das Gedicht "Mitternacht" des Romantikers Eduard Mörike

"Gelassen stieg die Nacht an Land,

lehnt träumend an der Berge Wand;

ihr Auge sieht die goldne Waage nun

der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn.

Und kecker rauschen die Quellen hervor,

sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr

vom Tage,

vom heute gewesenen Tage."

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Berühmte Zeilen aus dem 200 Jahre alten Gedicht "Um Mitternacht" von Eduard Mörike. Der Redeschwall ihrer aufgeregten Töchter ergießt sich zur Stunde der Dämmerung in das Ohr der Nacht. Doch welche Eindrücke des Tages sind es, vor denen die "kecker rauschenden Quellen" keine Ruhe finden?

Der Schweizer Illustrator Hannes Binder hat seiner Phantasie freien Lauf gelassen und Mörikes Gedicht mit Bildern pulsierender Städte des 21. Jahrhunderts unterlegt. Seine schwarz-weißen Feinzeichnungen lassen dicht befahrene Autostraßen, Rollschuhläufer im Park, Containerschiffe im Hafen und verlassene Fußballplätze wie kurze Erinnerungen hell in der Dunkelheit aufblitzen.

Fazit:

Trotz der modernen Urbanität, die Binders Illustrationen einfangen, lassen sich in der Weite des Himmels und des bewegten Meeres noch Anklänge der Romantik finden. Sie schlagen eine Brücke zu der Zeit, in der das Gedicht entstand und weisen auf das Unvergängliche zwischen beiden Welten. Ein gelungener Versuch, ein altes Gedicht für junge Leser zu neuem Leben zu erwecken.

Eduard Mörike, Hannes Binder: "Um Mitternacht", Bajazzo Verlag, ab 12 Jahren, 14,90 Euro

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