Buchtipp Jungs auf Skype

In Bärbel Körzdörfers neuem Roman zeichnet die Autorin ein Bild digitaler Freundschaft in launigen Dreizeilern. Mit Leseprobe!

Unterschiedlicher könnten zwei Teenager in Hamburg nicht aufwachsen: Victor in einer Villa an der Alster und Jens in einer sogenannten Schuhkartonwohnung in den Grindel-Hochhäusern. Victors Vater ist Unternehmer. Jens’ Vater ist gerade arbeitslos geworden. Victor ist Mitglied in einem Hockey-Club und sammelt ansonsten leidenschaftlich Apple-Technologien. Jens dagegen geht gern bolzen und hegt und pflegt seit Jahren einen alten Aldi-Computer.

Die Liste der Gegensätze ließe sich ewig fortführen. Trotzdem sind Jens und Victor, was sich in Chats und Internetforen neudeutsch "abfel" nennt: allerbeste Freunde fürs ewige Leben.

Zwei abfel im Chat

Jungs auf Skype

In kurzen launigen Wortwechseln halten sich die beiden 14-jährigen Jungen auf Skype über ihre alltäglichen Erlebnisse zwischen Schulbank und Elternhaus auf dem Laufenden. Auch über größere Themen, wie Zukunftsträume, Versagensängste in der Schule und die erste Liebe tauschen sich Jens und Victor in eilig getippten Dreizeilern über das Internet aus. Und selbstverständlich treten die beiden Freunde auch außerhalb des Chats in Aktion, um einander zu helfen:

"Jens: hey victor, wie geht’s? kann nicht schlafen. du auch nicht?

Victor: gucke gerade einen witzigen film auf kino.to. was gibt’s?

Jens: stress mit meiner mutter (...) die is total ausgerastet! fernsehverbot! und morgen spielt bayern gegen schalke. kann ich bei dir gucken?

Victor: logo!"

Fazit:

In Bärbel Körzdörfers Roman "Jungs auf Skype" setzt sich aus dem Chat der Teenager Jens und Victor Stück für Stück ein Bild ihrer unterschiedlichen Lebenswirklichkeit zusammen. Dabei sind ihre Online-Gespräche im stenografischen Jugendslang gehalten. Durchzogen von Gedankensprüngen und plötzlichen Gefühlsschwankungen kann ihre Konversation im besten Fall als kurzweilig, im schlechtesten Fall jedoch als stereotyp aufgefasst werden. Auch ist die Idee, moderne Kommunikationsmittel wie das Internet oder das Handy in Romanform zu bringen nicht neu. Wie schon die Vorläuferromane anderer Autoren zielt Bärbel Körzdörfer gewissermaßen auf den Voyeurismus der Leser ab - sind doch Chats, SMS und E-Mails normalerweise nicht für eine breite Öffentlichkeit bestimmt. Dennoch kein Grund für ein schlechtes Gewissen: Schließlich sind die Figuren von Jens und Victor frei erfunden. Und wenn euch das der Roman "Jungs auf Skype" an einigen Stellen vergessen lässt, ist Bärbel Körzdörfers Konzept aufgegangen.

Bärbel Körzdörfer: "Jungs auf Skype", ab 12 Jahren, Baumhaus, 9,99 Euro

Leseprobe: Jungs auf Skype

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