Ein Leben für die Orang-Utans

Tausende Orang-Utans haben in den letzten Jahrzehnten ihre Heimat im indonesischen Dschungel verloren. Gründe dafür sind die Abholzung des Regenwaldes zur Palmölgewinnung, der Kohleabbau und Brände. Nun sind die Orang-Utans vom Aussterben bedroht. Ein Bruchteil der Menschenaffen kann dennoch gerettet werden - Dank einer Waisenschule für junge Orang-Utans.

Die Verhaltensforscherin Dr. Gesine Preuschoft nimmt sich in der "Waldschule" der Borneo Orangutan Survival Foundation den geretteten Menschenaffenkindern an. Das Ziel: Die Kleinen sollen lernen, alleine im Dschungel überleben zu können, um später wieder ausgewildert werden zu können.

Der Lebensraum der Orang-Utans schrumpft

Die meisten Menschenaffenkinder, die in Auffangstationen aufgenommen werden, sind bereits Waisen. Der Grund dafür ist eine traurige Geschichte: Ihre Mütter verhungern entweder, weil sie durch die Abholzung des Regenwaldes keine Nahrung mehr finden. Oder die Affenmütter werden bei dem Versuch getötet, Nahrung in den Obstplantagen zu suchen, weil sie im immer weiter schrumpfenden Dschungel nichts mehr finden können.
 

Was aus einem Menschaffenkind wird, das seine Mutter verliert, ist klar: Wenn es nicht schnell eine Ersatzmutter findet, stirbt es selbst. Seit zehn Jahren arbeitet Dr. Gesine Preuschoft darum bereits mit den Menschenaffenwaisen zusammen und begleitet die Orang-Utan-Babies acht bis neun Jahre lang bis zur ihrer Auswilderung. Genauso lange bleiben die Orang-Utan-Kinder auch in der freien Natur bei ihren Müttern.

Ersatzmutter für die Affen-Waisen

Gesine Preuschoft und ihr Team bieten sich in der Waldschule daher als menschliche Ersatzmütter an. Denn wenn die echte Mutter fehlt, brauchen auch Affenkinder eine Bezugsperson, also eine Ersatzmutter, auf die sie sich verlassen können.
 

In der Waldschule der Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) bringt ihnen Dr. Signe Preuschoft alles bei, was die jungen Affen für ihr Überleben im Dschungel wissen müssen. Und das ist eine ganze Menge! Vom Klettern über die Nahrungssuche und das Nester bauen bis hin zum Sozialverhalten müssen die kleinen Menschenaffen alles erlernen.

Die Dayak Wehea und die Orang-Utans

Die junge Orang-Utan Dame Sri hat einen Mitarbeiter besonders gern: Pfleger Agus (hier im Bild zu sehen). Tierpfleger wie Agus begleiten die Orang-Utans den ganzen Tag über im Wald und geben darauf acht, dass die jungen Affen alle Fähigkeiten perfektionieren, die sich für das Überleben in der freien Wildbahn benötigen. Die Nacht verbringen die Tiere ab einem bestimmten Alter alleine in selbstgebauten Schlafnestern - so auch Sri.
 

Viele der Orang-Utan-Pfleger gehören zu den Dayak Wehea, den Ureinwohnern von Borneo. Die Älteren der Ureinwohner Borneos von ihnen kennen sich gut im Regenwald aus und wissen auch um dessen Bedrohung. Darum setzen sie sich dafür ein, die Umwelt und die Orang-Utans zu erhalten.

Erfolgreiche Auswilderung

Haben die Orang-Utans alles gelernt, werden die Affen wieder in Schutzzonen ausgewildert. Doch auch nach einer erfolgreichen Auswilderung werden die Menschenaffen noch ein bis zwei Jahre lang beobachtet. Dazu verfolgen Mitarbeiter der Auffangstation die wieder in die Freiheit entlassenen Orang-Utans und beobachten, wie sich die "neuen Wilden" in der Wildnis des Dschungels anstellen.
 

Dabei helfen ihnen die sogenannten Telemetrie-Sender, implementierte Mini-Sender in der Haut der Orang-Utans. Mit deren Hilfe können die Pfleger die Orang-Utans auch dann orten und wiederfinden, wenn sich die Tiere versteckt halten. Ziel ist es, die ausgewilderten Orang-Utans mehrmals im Jahr aufzuspüren, um sicher zu stellen, dass es ihnen gut geht und vielleicht sogar den ersten Nachwuch verzeichnen zu können.

Das Buch zur Fotostrecke

In ihrem bewegenden Buch "Meine wilden Kinder" schildert Dr. Gesine Preuschoft eindrucksvoll ihre schwierige, aber auch erfüllende Arbeit und zeigt, was wir von ihren "wilden Kindern" über uns selbst lernen können.
 


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