Buchtipp: Allein auf der Flucht

"Lauf, Junge, lauf" von Uri Orlev
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Ein Junge lernt, auf Bäumen zu schlafen, mit der Steinschleuder Eichhörnchen zu jagen und Vögeln Fallen zu stellen. Klingt nach freiem Leben und Abenteuer in der Natur, ist aber das krasse Gegenteil: Der ungefähr neunjährige Jurek ist während des Zweiten Weltkriegs aus dem Ghetto der polnischen Hauptstadt Warschau geflohen. Hinter hohen Mauern lebten dort polnische Juden zu Hunderttausenden wie Gefangene. Mutterseelenallein schlägt Jurek sich durch das von deutschen Soldaten besetzte Land, versteckt sich, um nicht aufzufallen. Mehrmals wird er gefasst, doch es gelingt ihm immer wieder zu entkommen. Der israelische Schriftsteller Uri Orlev hat diese ergreifende Geschichte von dem Mann gehört, der sie als Kind selbst erlebt hat. Orlev war beeindruckt, dass sich ein Mensch von solch einem Schicksal nicht unterkriegen lässt, und schrieb die Erzählung auf. Ganz nüchtern berichtet er von bitterer Kälte und grimmigem Hunger. Manchmal bekommt der Junge auf der Flucht bei mitleidigen Bauern einen Teller Suppe. Und beim Lesen beginnt man zu begreifen, was Hilfe bedeutet für einen Menschen in Not. Ein atemraubendes Buch.

Uri Orlev:

Lauf, Junge, lauf

Beltz & Gelberg

232 Seiten, 14,90 Euro

(ab 12 Jahren)

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