Beruf Rettungsassistent

Wie sehen Helden aus? Dicke Muskeln und Superkräfte? Nicht immer: Fritz Scheibenzubers Beruf ist es, Leben zu retten. Aber anstatt des hautengen Supermann-Anzugs trägt er eine rote Hose und ein weißes Polohemd mit dem roten Schriftzug der Johanniter. Fritz ist Rettungsassistent
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Noch ist alles ruhig und Fritz Scheibenzuber sitzt in seinem Büro

Ein Baby hat Putzmittel getrunken. Ein Opa hatte einen Herzinfarkt und auf der Autobahn sind zwei Lastwagen ineinander gerast. Wann immer in der Nähe der Rettungswache im bayerischen Allershausen ein Unglück passiert, bedeutet das Arbeit für die Rettungsassistenten. Sie rücken dann aus, um den Verletzten zu helfen.

Harte Arbeit

Momentan scheint alles ruhig zu sein. Es ist sieben Uhr Abends und Fritz Scheibenzuber sitzt in seinem Büro im Haus der Johanniter. Er schreibt Rechnungen an die Krankenkassen. Seine Schicht hat gerade begonnen und wird bis morgen früh um sieben dauern. Zwölf Stunden Arbeit, in denen eine Menge passieren kann. Es kommt vor, dass die Sanitäter die ganze Nacht kein Auge zu tun. Sie wissen: Wenn ihr Piepser sich meldet, müssen sie innerhalb weniger Sekunden topfit und einsatzbereit sein. Denn, wenn sie nicht rund um die Uhr beste Arbeit abliefern, kann das Menschenleben kosten.

Irgendwann erwischt es jeden

Das weiß auch Fritz. Im Ernstfall wird er von seinem Bürostuhl aufspringen und zum Rettungswagen flitzen. Was genau ihn erwartet weiß er nie. Denn jeder Einsatz ist einzigartig. Ist es ein Verletzter? Eine ganze Familie? Kommt er womöglich zu spät? Der Rettungsassistent hat gelernt mit der Unsicherheit zu leben.

Zu den Schattenseiten seines Berufs gehört auch, dass die Rettungswache rund um die Uhr besetzt sein muss - auch an Weihnachten und Silvester. Irgendwann erwischt es jeden. Fritz Scheibenzuber hatte dieses Jahr Glück. Er muss an keinem der Feiertage arbeiten. "Nächstes Jahr kann das schon wieder ganz anders aussehen", sagt er.

Den richtigen Beruf gewählt

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Fritz Scheibenzuber hat schon mit 13 ehrenamtlich für die Johanniter gearbeitet

Trotz aller Schwierigkeiten ist Fritz Scheibenzuber froh, sich für die Arbeit im Rettungsdienst entschieden zu haben. Obwohl er schon als 13-Jähriger ehrenamtlich für die Johanniter gearbeitet hat, wusste er nach dem Hauptschulabschluss zunächst nicht, was er werden wollte. Seinem Vater zu liebe machte er eine Lehre zum Offsetdrucker. Heute sagt er darüber: "In den zwei Jahren Lehrzeit habe ich mir nur überlegt, wie ich am besten aus der Druckhalle raus komme." Die Rettung: der Job als Rettungsassistent. Der 43-Jährige hatte seine Aufgabe gefunden und blieb ihr treu. Mittlerweile ist er stellvertretender Rettungsdienstleiter seiner Rettungswache. "Ein ganz normaler Werdegang", wie er findet. Viele Rettungssanitäter arbeiten als Ehrenamtliche oder Zivis, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden. Quereinsteiger gibt es kaum.

Zwei Jahre Ausbildung

Wer sich für die Ausbildung zum Rettungsassistenten entscheidet, muss erst mal die Schulbank drücken. Ein Jahr Theorieunterricht ist Pflicht. Die Sanitätsschüler büffeln Anatomie, Physiologie und vieles mehr. Erst danach beginnt der praktische Teil der Ausbildung. Auf einer Lehrrettungswache lernen die angehenden Lebensretter alles, was man nicht aus Büchern lernen kann.

Eigenbrötler sind fehl am Platz

Fritz Scheibenzuber ist sich sicher: "Nur weil man Blut sehen kann, ist man noch lange nicht geeignet für den Job." Wer Rettungsassistent werden wolle, müsse auf Menschen zugehen können. Bei Verletzten sei die psychische Betreuung oft besonders wichtig. Es beruhige sie, wenn man mit ihnen spreche und ihnen gut zurede. Eigenbrötler sind auch aus einem anderen Grund fehl am Platz. "Wenn einem etwas im Kopf herum geht, muss man darüber sprechen", sagt der Sanitäter. "Alles in sich rein zu fressen macht einen irgendwann fertig."

Das Gespräch mit Kollegen hilft

Fritz hatte bisher Glück. "Ich wurde noch nie zu einem Unfall gerufen, an dem Freunde oder Verwandte beteiligt waren", sagt er. Trotzdem gibt es Dinge, die dem Rettungsassistenten lange nicht aus dem Kopf gehen. Zum Beispiel die drei Jugendlichen, die bei einem Unfall auf der Autobahn starben. Sie verfolgten ihn noch eine Weile. "In solchen Fällen ist es wichtig, dass ich mir vor Augen halte, dass ich nicht schuld bin", sagt Fritz. Auch das Gespräch mit Kollegen hilft dabei, die Dinge abzuhaken.

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Die Ausrüstung der Rettungssanitäter ist immer mit an Bord

"Abhaken" das klingt hart, muss aber sein. Denn nur, wer sich beim nächsten Einsatz wieder voll auf die Aufgabe konzentriert und nicht über Vergangenes nachgrübelt, kann Menschenleben retten.

Fritz selber sieht sich übrigens nicht als Helden. "Ich mache einfach nur meinen Job", sagt er.

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