Beruf Flugbegleiterin

Wenn Barbara Waldow arbeiten geht, hebt sie ab. Denn sie ist Flugbegleiterin. "Ein Traumberuf", sagt sie. GEOlino ist mit ihr einen ganzen Tag lang unterwegs gewesen – um herauszufinden, warum es ihr über den Wolken so gut gefällt
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Barbara Waldow legt los, lange bevor das Flugzeug startet! Sie öffnet die Gepäckfächer, verteilt Werbeprospekte und prüft, ob der Notfallkoffer komplett ist. Nichts darf fehlen – Nachschub gibt es am Himmel nicht

Eine Sache gibt es, die Barbara Waldow an ihrem Beruf nicht mag. Die 36-jährige Flugbegleiterin steht in der winzigen Küche des Fliegers und verstaut einen Rollwagen mit Fühstückstabletts. Nein, die Zeitverschiebungen, die den Körper aus dem Takt bringen, machen ihr nichts. Unfreundliche Gäste? Kein Problem! Aber diese Brötchen, die es auf fast jedem Flug zu essen gibt: "Irgendwann hat man die satt!" Barbara hat sich deshalb Müsli mitgebracht. Für später, denn noch bekommt sie keinen Bissen hinunter.

Frühstart

Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, und der Hamburger Flughafen wirkt noch wie ausgestorben. Doch Barbara und der Rest der Crew sind schon voll im Einsatz. Eilig laufen sie durch den engen Mittelgang des Fliegers, öffnen im Vorbeigehen die Gepäckfächer, bauschen Kissen auf. Man muss Flugbegleiter nur fünf Minuten beobachten und weiß: Die müssen mehr draufhaben als freundlich zu lächeln. Die müssen präzise wie Uhrwerke funktionieren. Schließlich soll alles fertig sein, wenn die Passagiere an Bord kommen.

Immer schön lächeln

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Jeden Handgriff hat die Flugbegleiterin mit ihren Kollegen abgestimmt. In dem engen Mittelgang würden sie sich sonst auf den Füßen stehen

265 haben eingecheckt, der Condor-Flug DE 3517 nach Mallorca ist ausgebucht. Barbara nimmt auf ihrem Klappsitz in der Flugzeugküche Platz. Immerhin am Fenster, freut sie sich. Denn sie liebt die Starts, auch nach sieben Jahren Fliegerei. Autos schrumpfen plötzlich auf Spielzeugformat. Und diese Wolken, die von oben schneebedeckten Bergen gleichen!

Lange kann sie den Ausblick nicht genießen. Sobald die Anschnallzeichen erlöschen, heißt es: anfangen! Vorsichtig schiebt Barbara den Rollwagen durch die schwankende Maschine. "Möchten Sie ein Brötchen mit Käse oder Schinken?" Von manchen Passagieren bekommt sie nur einen mürrischen Blick. Die sind wohl noch müde. Außerdem soll es auf Mallorca regnen: toller Urlaub! Barbara lächelt tapfer weiter. Und das ist wichtig, sagt sie. "Wenn ich komisch gucke, denken die Gäste, da muss was faul sein mit dem Flieger!"

Während die Passagiere ihr Brötchen essen, können die Flugbegleiter einen Moment durchatmen. Zeit fürs Müsli und ein Schwätzchen mit den Kollegen. Einer erzählt vom Flug auf die Malediven, letzte Woche. Plötzlich sei der Flieger Hunderte Meter nach unten abgesackt. Ein Luftloch! Angst haben sie trotzdem nicht. "In solchen Momenten funktioniert man einfach und spult sein Notfallprogramm ab", weiß Barbara. Regelmäßig üben Flugbegleiter, wie man Passagiere beruhigt oder bei einer Bruchlandung die Notfallrutschen löst.

Jetzt aber schnell

8.22 Uhr: Die Maschine setzt sicher auf die Rollbahn in Palma de Mallorca auf. Was dann geschieht, erinnert an die Boxenstopps in der Formel 1: Menschen in neongelben Westen eilen herbei, holen Koffer aus dem Bauch der Maschine und Müll aus der Küche. Barbara Waldow öffnet die schwere Tür am Heck, nimmt zuerst die Putzfrauen und dann Rollwagen mit frischen Brötchen in Empfang. Aussteigen darf sie nicht, nur einen kurzen Blick auf das Flugfeld werfen. Jammerschade ist das doch eigentlich: Barbara fliegt zu den schönsten Flecken der Erde und sieht davon meist nicht mehr als die immer gleichen grauen Flughäfen und die Hotels nebenan.

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Während des Fluges spricht Barbara über das Bordtelefon mit dem Kapitän. Erst nach der Landung in Palma können sie Dinge persönlich klären. Etwa die Passagierzahl: 205 Gäste fliegen nach Dresden zurück

Neidisch auf die Gäste, die bleiben und sich an den Strand legen können, ist sie aber nicht. "Ich bin gern unterwegs. Andere gehen morgens zur Arbeit und abends heim. In der Zeit bin ich auf Mallorca, über den Alpen, in Dresden!" Dahin geht die Reise nun. Kaum eine Viertelstunde ist seit der Landung vergangen, da kommen schon die neuen Passagiere an Bord.

Für Barbara und ihre Kollegen heißt es also wieder: abfliegen, Brötchen auftischen, "Auf Wiedersehen" sagen. Zweimal noch das ganze Programm, bis die Crew am Abend dann wieder auf Mallorca sein wird. Was sie dann vorhat? "Erst mal lecker essen gehen", sagt Barbara Waldow. Und lächelt.

Bereit für den Abflug?.

Du . . .

- bist mindestens 18 Jahre alt und gesund.

- fliegst gern.

- bist mindestens 1,65 Meter groß – sonst sind die Gepäckfächer zu hoch.

- magst Hektik.

- sprichst Englisch und eine weitere Fremdsprache (am besten Spanisch oder Französisch).

- bist neugierig auf fremde Menschen und Kulturen.

- hast schon einmal gekellnert.

Dann kannst du dich bewerben!.

Fluggesellschaften bieten regelmäßig zwei- bis dreimonatige Schulungen an, die auf die Arbeit über den Wolken vorbereiten. Darin erfahren die Flugbegleiter nicht nur, wie man Tee und Tomatensaft im Schaukeln serviert. Sie lernen auch, für die Sicherheit an Bord zu sorgen und mit der Notfallausrüstung umzugehen.

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