Beruf Journalist

Politiker, Künstler und Wissenschaftler interviewen? Aus fernen Ländern berichten? Hier erfahrt ihr, was Journalisten sonst noch machen - und wie man einer wirdMit Porträts von vier Redakteuren
In diesem Artikel
Wie werde ich Journalist?
Journalisten-Porträts

Wie werde ich Journalist?

Ob bei einer Zeitung, für das Internet, beim Radio oder Fernsehen – Journalisten befassen sich ständig mit neuen Themen und begegnen so verschiedensten Menschen. Das macht ihren Arbeitsalltag vielseitig und abwechslungsreich.

Ihre Aufgabe besteht aber nicht nur darin, sich mit Menschen zu unterhalten und zu beobachten, was in der Welt passiert – sie bereiten diese Informationen auf. Ziel ist es, zum Teil komplizierte Themen in einfache und klare Worte zu fassen, so dass die Leser, Zuschauer oder Zuhörer verstehen, worum es geht.

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Bekannte Persönlichkeiten zu interviewen - wie hier Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko - ist nur ein Teil journalistischer Arbeit

Da es immer deutlich mehr Informationen gibt, als in einem Artikel oder Fernsehbeitrag Platz finden, sollten Journalisten eine schnelle Auffassungsgabe haben – denn sie müssen entscheiden, welche Informationen wichtig sind und welche man weglassen kann.

Um das nach bestem Wissen und Gewissen beurteilen zu können, ist eine gründliche Recherche nötig. Auch deshalb, weil – beispielsweise – ein Artikel die Meinung der Menschen über einen bestimmten Politiker beeinflussen kann. Journalisten tragen damit eine Verantwortung dafür, was sie veröffentlichen.

Viele Wege führen in den Journalismus

Eine vorgeschriebene Ausbildung für Journalisten gibt es nicht. Eines haben aber nahezu alle Redakteure gemeinsam: praktische Erfahrung. Der Einstieg über ein Praktikum bei einer lokalen oder regionalen Tageszeitung ist weit verbreitet. Im Vergleich zu großen Verlagen dürfen Praktikanten dort oft viel schreiben und sich ausprobieren.

Wer sich engagiert und etwas Glück hat, kann nach dem Praktikum als freier Mitarbeiter weiter Erfahrungen sammeln. Denn neben sprachlichem Talent gibt es im Journalismus viele handwerkliche Kniffe. Und Übung macht auch hier den Meister. Also gilt: Schreiben, schreiben, schreiben!

Die klassische journalistische Ausbildung ist das Volontariat. In der Regel dauert das zwei Jahre. Innerhalb dieser Zeit arbeiten die Volontäre jeweils ein paar Monate in den verschiedenen Abteilungen eines Verlages oder Rundfunksenders. So bekommen sie einen Einblick in den gesamten Produktions-Zyklus des jeweiligen Mediums.

Einige Verlage haben auch eigene Journalistenschulen. Zusätzlich gibt es freie Journalistenschulen, die nicht an ein Medienhaus gebunden sind. In Kursen lernen die angehenden Redakteure Theorie und Praxis, wie man journalistisch arbeitet. Die meisten Journalistenschulen testen die Bewerber gründlich, bevor sie diese aufnehmen. Dazu gehört oft ein Wissenstest aber auch das Schreiben von Probetexten.

Bevor sie die Journalistenschule absolvieren, haben die meisten Redakteure studiert. "Ein abgeschlossenes Studium wird fast immer verlangt. Das gilt für alle Fachrichtungen gleichermaßen", weiß Siegfried Weischenberg, Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg. Im Anschluss an Geistes- oder Naturwissenschaften studieren manche angehende Redakteure zusätzlich Journalistik. Einige Universitäten bieten hierfür spezielle Aufbaustudiengänge an. Im Vergleich zum Volontariat und den Journalistenschulen vermitteln diese Studiengänge auch Wissen, das über den redaktionellen Alltag hinausgeht. Unter anderem gehören dazu Medienrecht, Ethik in den Medien und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen.

Die Mischung macht's!

Sinnvoll ist es, zwei dieser Ausbildungswege miteinander zu kombinieren. Neben Talent sind laut Siegfried Weischenberg Neugier und ein gewisser Enthusiasmus für Aktualität unerlässlich. "Zwischen den einzelnen Medien muss man dann etwas differenzieren: Beim Radio brauchte man eine gute Stimme, im Fernsehen spielt auch Aussehen eine Rolle, für die Print- und Onlinemedien muss man gut mit Sprache umgehen können", so Weischenberg.

Da auch die Medien von der Wirtschaftskrise betroffen sind, gibt es derzeit viel mehr Journalisten als freie Stellen. Wer also auf jeden Fall in die Medien möchte, muss sich gegen viele Mit-Bewerber durchsetzen. Aber wie? "Man sollte in jedem Fall für diesen Beruf brennen!", so Weischenberg.

Auf der Internetseite des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger e. V. (BDZV) findet ihr die Adressen der Journalistenschulen und Journalistik-Studiengänge.

Journalisten-Porträts

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Katharina Beckmann, 28

GEOlino, Hamburg

Mein erster Auftritt als Journalistin sorgte für viel Gelächter. Ich war 15, als ich die Lokalredaktion des "Westfalen Blatts" in Höxter besuchte und nachfragte, ob sie noch Bedarf an einer "Hilfsjournalistin" hätten. Ich wusste damals noch nicht, dass es "freie Mitarbeiterin" heißt. Der Redaktionsleiter hat gelacht und mich dann trotzdem genommen. So fing alles an. Fortan radelte ich mit Stift und Kamera zu Schützenfesten und Sportveranstaltungen, schrieb über Fußballspiele und meinen ersten Fallschirmsprung. Die Lokalredaktion war einfach eine tolle Schule, die ich jedem nur empfehlen kann. Denn nirgendwo ist man näher dran an den Menschen als dort, nirgendwo ist das Leserfeedback so unmittelbar. Nach dem Abi habe ich ein halbes Jahr lang bei einer deutschen Zeitung in Australien geschrieben und dann begonnen, in Dortmund Journalistik zu studieren. Ein tolles Studium, das viel Freiheiten zum Ausprobieren und Selbermachen bietet und vor allem ein Volontariat integriert. Ich habe beim WDR volontiert, Radio- und Fernsehmachen gelernt. Um dann am Ende doch wieder bei der schreibenden Zunft zu landen. Denn seit einem Praktikum Ende 2005 bin ich Textredakteurin bei GEOlino. Und find es toll. Was mich noch immer begeistert, ist die Vielfalt der Themen, die man hier bearbeiten darf: von Gentechnik bis zu Teddybären. Ich schätze es, neben dem Schreiben noch so viele anderen Sachen machen zu dürfen: Wettbewerbe aushecken, Kinderuni moderieren. Vor allem aber schätze ich unsere Leser, die so offen und so ehrlich Feedback geben. Wie damals in der Lokalredaktion.

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Sina Löschke, 32

GEOlino, Hamburg

Ich war gerade mal 16 Jahre alt, als ich zu meiner ersten Recherche aufbrach - damals noch als Praktikant für die Templiner Zeitung, die lokale Tageszeitung in meiner Heimatstadt. Der Schnupperkurs in der Redaktion sollte vier Wochen dauern. Am Ende habe ich bis zum Abitur über Dorffeste, Sportveranstaltungen, Konzerte und Ärgernisse in der Uckermark geschrieben. Nach dem Schulabschluss habe ich in Hamburg Politikwissenschaften und Journalistik studiert und in den Semesterferien weitere Praktika absolviert. Auch wenn diese Arbeit oft sehr anstrengend ist und so gut wie nie bezahlt wird, empfehle ich jedem Anfänger, Praktika zu machen. In jedem lernt man dazu, sei es der beste Weg eine Reportage zu schreiben oder die Antwort auf die Frage: Wie erstelle ich einen eigenen Radiobeitrag? Noch während meines Studiums habe ich am Aufnahmeverfahren der Henri-Nannen-Journalistenschule teilgenommen – und einen Platz ergattert. Die Ausbildung an der Journalistenschule gestaltet sich als Mix aus Unterricht und Praktika. Im Zuge eines dieser Schulpraktika habe ich das erste Mal für GEOlino geschrieben. Dieser "erste Kontakt" liegt jetzt fast zehn Jahre zurück. Eine kleine Ewigkeit, die sich aber gar nicht so anfühlt, weil ich mich jeden Monat auf neue Themen einlassen muss. Biologie, Geschichte, Technik oder Kultur – alles ist erlaubt und Langeweile garantiert ausgeschlossen.

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Harald Kist, 46

Donau 3FM, Ulm

Ich bin nun fast schon zwanzig Jahre im Privatfunk tätig. Momentan bin ich Chefredakteur bei dem Ulmer Lokalsender Donau 3FM. Dort kümmere ich mich um lokale Themen, quasi um alles, was in irgendeiner Form für unsere Hörer von Belang sein könnte. Das reicht um die neuen Abfallgebühren, der Eröffnung eines Volksfestes bis hin zu Gerichtsprozessen oder dem Schlagerspiel in der Fußball-Regionalliga. Also alles querbeet! Zum Radio bin ich als klassischer Quereinsteiger gekommen. Nach dem Abitur habe ich Diplomsport studiert. Während des Studiums habe ich für eine Tageszeitung als Freier im Sport gearbeitet. Meine Aufgabe war es, Sporttermine zu besuchen und darüber ein paar Zeilen zu schreiben. Da hat es bei mir gefunkt – ich wollte Journalist werden. Eigentlich Sportjournalist, aber danach habe ich erkannt, dass auch viele andere Themen sehr spannend sein können. Durch Zufall bin zum Radio gekommen. Ein Freund von mir war Pressefotograf und er kannte jemanden beim Radio. Er hat mir erzählt, dass die immer wieder Praktikanten suchen. Ich habe mich vorgestellt – und schwups war ich beim Radio. Nach einem rund dreimonatigen Praktikum und anschließender Mitarbeit als Freier habe ich dort auch volontiert. Das dauerte zwei Jahre. Danach war ich Redakteur! Ich hatte Glück und bekam bei einem befreundeten Sender eine Festanstellung... Wichtig für diesen Beruf ist, immer neugierig zu bleiben, für alles offen und interessiert zu sein. Oft steckt hinter der eigentlichen Geschichte noch eine viel bessere. Und man sollte auch eine eigene Meinung haben. Diese muss man nicht immer kundtun, aber man sollte kritisch bleiben. Und man sollte sich nicht von Institutionen, Parteien und Organisation vereinnahmen lassen. Und bei alldem sollte man positiv denken und an die Ängste und Sorgen des kleinen Mannes denken. Was treibt die Menschen um, was beschäftigt sie, wovor haben sie Angst, worauf freuen sie sich...

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Nina Faecke, 27

Freie Journalistin, Stuttgart

Dass ich gerne im Journalismus arbeiten möchte, weiß ich seit meinem Abitur. Meine Begeisterung für Sprache war dafür ausschlaggebend, genauso wie die Aussicht auf einen Arbeitsalltag, der fast jeden Tag Neues mit sich bringt und nicht nur am Schreibtisch stattfindet. Die ersten Gehversuche im Journalismus habe ich bei einem Schnupper-Praktikum bei einem Radiosender in Stuttgart gemacht, darauf folgte eine Hospitanz beim Jahreszeitenverlag in Hamburg. Nach meinem Germanistikstudium hat es mich erneut für ein Praktikum in eine Zeitschriftenredaktion gezogen. In der Redaktion eines Kulturmagazins konnte ich schließlich auch meine erste Stelle als freie Mitarbeiterin ergattern. Meine Neugierde auf spannende Themen und Personen kamen mir dabei immer zugute. Aufbauend auf das Germanistikstudium habe ich schließlich Journalistik studiert. Im Rahmen des Studiengangs konnte ich mich in allen Medienbereichen – Print, Hörfunk, Fernsehen und Online sowie PR -, praktisch ausprobieren. Den theoretischen Hintergrund in Medienrecht, Massenkommunikation und weiteren Bereichen lieferte das Studium ebenfalls. Während dieser Zeit habe ich als freie Mitarbeiterin für verschiedene Lokalzeitungen geschrieben. Zurzeit arbeite ich als freie Journalistin für die Stuttgarter Zeitung.

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