Beruf Doping-Kontrolleur

Wo leistungsorientiert Sport getrieben wird, sind auch unerlaubte Hilfsmittel ein Thema. Kontrolleure sind den Doping-Sündern auf der Spur. Doch wie genau weisen sie die unerlaubten Hilfsmittel nach? GEOlino.de hat mit einem Doping-Kontrolleur gesprochen
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Kopf-an-Kopf-Rennen beim 100m-Zeitschwimmen.

Die Sportwelt schaut auf die asiatische Stadt Singapur, wo im August die Olympischen Jugendspiele stattfinden. Alle vier Jahre wird es das Treffen der weltbesten Nachwuchssportler zwischen 14 und 18 Jahren zukünftig geben. Dabei sollen nicht Siege, sondern die olympischen Werte wie Freundschaft oder Fairplay im Vordergrund stehen, um die jungen Sportler nicht so sehr unter Druck zu setzen. Doch natürlich sind Medaillen, Bestzeiten und somit leider auch Doping ein Thema. Das wissen auch die Veranstalter und führen während der Spiele über 1000 Doping-Tests durch, um Übeltäter zu überführen. Denn klar ist: wer dopt, darf nicht gewinnen!

Diese Tests erfolgen in Stichproben. Nach jedem Wettkampf werden nur einige Sportler ausgewählt, die sich untersuchen lassen müssen. "Es besteht immer die Gefahr, dass Eltern oder Trainer den Leistungen des Sportlers mit irgendwelchen Substanzen nachhelfen wollen. Besonders zum Zeitpunkt einer großen internationalen Sportveranstaltung, denn dann soll er ganz vorne mit dabei sein", bestätigt Professor Wilhelm Schänzer. Er leitet das Institut für Biochemie an der deutschen Sporthochschule in Köln und entwickelt gemeinsam mit seinen Kollegen Verfahren, mit denen sich Dopingmittel nachweisen lassen.

Selbst winzige Mengen Doping werden entdeckt

In der Regel werden dabei das Blut oder das Urin des Athleten untersucht. Der Sportler gibt unter Aufsicht der Kontrolleure eine Probe ab, die in das Labor geschickt wird. Dort untersuchen die Wissenschaftler sie mit Hilfe eines Massenspektrometer. Dieses Gerät kann verbotene Dopingsubstanzen nachweisen, selbst wenn nur winzig kleinen Mengen davon im Körper vorhanden waren.

Zusätzlich wird der Sportler nach den Medikamenten gefragt, die er in den letzten 48 Stunden eingenommen hat. In einigen Arzneimitteln sind nämlich Stoffe enthalten, die auch bei Dopingmitteln vorkommen. Gibt es gesundheitliche Gründe für die Einnahme dieses Medikaments, darf er eine bestimmte Menge der verbotenen Substanz im Körper haben, ohne verdächtigt zu werden, absichtlich gedopt zu haben.

Doch welche Stoffe sind überhaupt verboten?

Die am häufigsten eingenommenen Dopingmittel heißen Anabolika. Diese Hormone steuern unsere Gefühle, aber auch die körperliche Entwicklung. Wenn man mit Anabolika dopt, bekommt der Körper also zusätzliche Hormone, die er nicht selber produziert hat. Das führt dazu, dass sich vermehrt Muskeln im Körper aufbauen.

Body-Builder nehmen Anabolika auch oft, um einfach muskulöser auszusehen. In Folge des "Körper-Kults" wird die verbotene Substanz häufig in Fitness-Studios eingenommen. "Eine Umfrage in Kölner Trainingsräumen vor einigen Jahren hat ergeben, das bereits sieben Prozent der dort befragten Jugendlichen gezielt Anabolika missbraucht haben", sorgt sich Schänzer.

Anders ist es bei so genannten Stimulanzien, also Aufputschmitteln, durch die man in Hochstimmung gerät. "Zum Beispiel im Radsport, Ski-Abfahrtslauf oder beim Snowboardfahren helfen diese Substanzen, sich die Angst zu nehmen", erklärt der Wissenschaftler. "Das größte Problem dabei ist jedoch, dass diese Mittel oft von jungen Sportlern in der Freizeit ausprobiert werden. Im Wettkampf werden sie dann plötzlich positiv getestet."

Je nach Sportart gibt es weitere verschiedene andere Substanzen, mit denen Athleten versuchen, ihre Leistung zu steigern. Und die Zahl der Dopingmethoden wächst. Immer, wenn neue Stoffe auf den Markt kommen, müssen die Forscher in ihren Laboren deshalb neue Methoden entwickeln, um die verbotenen Mittel bei den Sportlern nachzuweisen.

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Anabolika sind die meist verwendeten Dopingmittel, um in kurzer Zeit besonders viele Muskeln aufzubauen.

Aufklärung soll vor den Gefahren warnen

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An der Deutschen Sporthochschule in Köln forscht Prof. Wilhelm Schänzer mit seinem Team und klärt die Studierenden über Doping auf.

Neben verstärkten Kontrollen versuchen Forscher, Verbände und andere Instititutionen, Doping bereits im Sportunterricht in den Schulen zu thematisieren. "Uns ist es wichtig, dass diese Arbeit auch von den Vereinen zunehmend gefördert wird, damit die Jugendlichen schon beim Freizeitsport die Informationen bekommen, welche Gefahren mit dem Doping verbunden sind", fordert Schänzer.

Denn Doping ist nicht nur im Wettkampf unfair und verboten, sondern kann dem Körper ernsthafte Schäden zufügen. Als Nebenwirkungen können unter anderem Herz-Kreislauf- oder Hirnstörungen auftreten, die teilweise tödlich enden. Doping schadet dem Körper also, auch wenn die Symptome nicht sofort bemerkbar sind. Gerade bei Jugendlichen ist der Einsatz verantwortungslos, da viele die Konsequenzen ihres Handelns weder gesundheitlich noch moralisch einschätzen können. Dabei verbessert sich die Leistung bei jungen Menschen stärker durch intensives Training, als durch Doping.

Wer dopt, betrügt also sich und die anderen.

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