Beruf Containerbrückenfahrer

Schwindelfrei muss man sein, um den Beruf von Carsten Giese auszuüben. Er ist Containerbrückenfahrer und nimmt uns mit auf seinen Arbeitsplatz, 45 Meter über der Elbe..
Containerbrückenfahrer Jörg Klein in der Kanzel einer Containerbrücke
Ein Containerbrückenfahrer in der Kanzel einer Containerbrücke auf dem HHLA Container Terminal Altenwerder

Schnell steigt Carsten Giese die Gittertreppe hinauf. Ich hingegen bleibe noch zögerlich am Boden, werfe einen Blick nach oben und schaue mir an, wo ich gleich hinauffahre und über der Elbe schweben werde. Über meinen Kopf hinweg ragt eine riesengroße Containerbrücke in den Himmel.

In 45 Meter Höhe hängt eine Kabine daran, die von hier unten winzig klein aussieht. Dorthin fahre ich gleich, um Carsten Gieses Arbeitsplatz zu besichtigen. Mit pochendem Herz klettere ich ihm die Treppe bis zum Fahrstuhl hinterher. Was wird mich oben erwarten?

In einem engen Fahrstuhl geht es in die Höhe

Als ich aussteige bin ich überwältigt von dem Ausblick. Unter mir befindet sich auf der linken Seite der Containerterminal. Auf der rechten Seite schaue ich auf die Elbe. Unter mir am Kai liegt gerade ein großes Containerschiff. Das belädt Carsten Giese heute, damit es in wenigen Stunden mit neuer Ladung nach Hongkong aufbrechen kann. Mit den Händen am Geländer gehe ich langsam auf die Kabine zu.

Carsten Gieses Arbeitsplatz, die Kanzel, wie sie bei den Brückenfahrern heißt, ist kaum vier Quadratmeter groß. Ein großer Stuhl steht in der Mitte. Zwei Joysticks an den Armlehnen sind sein wichtigstes Arbeitsinstrument. "Setz dich einmal drauf", sagt Carsten Giese zu mir.

Das lasse ich mir nicht nehmen und klettere schon auf den Sitz. Vor mir eine Fensterfront, links und rechts zwei Monitore und das Beste: auch eine Glasplatte unter mir. Nur Glas befindet sich um mich herum. "Das ist ein toller Arbeitsplatz", sage ich und Carsten Giese nickt.

Containerbrücken am HHLA Container Terminal Altenwerder

Containerbrücken am HHLA Container Terminal Altenwerder

Haargenaues Arbeiten ist Pflicht

Doch wie läuft seine Arbeit ab? Wie belädt er ein Schiff? Carsten Giese steckt den Schlüssel ins Zündschloss. Über den linken Joystick kann er nach vorne oder nach hinten über die Brücke gleiten. 62 Meter geht es hinaus aufs Wasser. Keine Befestigung sieht man - denn unter ihm verschwindet das Schiff aus dem Blick, nur Wasser sieht man aus der Vogelperspektive.

Nur eins stört den Blick ein wenig: Das Containeraufnahmegerät, der so genannte Spreader, hängt unter ihm. Er wackelt beim Fahren und bringt selbst die Fahrerkabine zum Schwanken. An dem Spreader hängen normalerweise die tonnenschweren Container - bewegbar mit dem rechten Joystick.

Wie die Container-Verladung abläuft

Carsten erklärt: "Ich kann die Container über den rechten Monitor sehen. Von dort nehme die Box auf. Ein Deckanweiser sagt mir, wohin die Box im Schiff gestellt werden muss." Der genaue Standort ist ganz wichtig, denn das Schiff fährt mehrere Häfen an, einige Container müssen früher gelöscht, das heißt entladen, werden als andere.

Denn die geladenen Stahlrohre werden in der Türkei benötigt, die Stoffe in China. Daher liegen sie weiter unten im Schiff. Und damit sie nicht umgeladen werden müssen, was Zeit und somit Geld kosten würde, tüftelt der Schiffsplaner einen Plan aus, wie die Container gestellt werden sollen. Diesen Plan muss Carsten Giese beim Verladen genau einhalten.

Video: Ein Containerbrückenfahrer bei der Arbeit

Weiter erzählt Carsten Giese: "Der Deckanweiser unterstützt mich bei der Positionierung des Containers im Schiff. Alle Boxen müssen genau übereinander gestellt werden. Das ist Millimeterarbeit.

Und dabei muss man bedenken, dass ich teilweise die Transportbehälter aus 60 Meter Höhe abstellen muss – so tief liegt der Boden des Unterdecks vom Containerschiff unter mir."

Containerbrückenfahrer

Ein Container wird mit dem Spreader vom Schiff gelöscht

Normalerweise sei das kein Problem. Doch bei heftigem Wind schwankt nicht nur seine Kabine, sondern auch das Schiff. All das muss Carsten Giese mitberechnen und gleichzeitig 1600 Tonnen bewegen – so viel wiegt die Brücke.

Die Container, die am Spreader hängen, haben durchschnittlich ein Gewicht von 15 Tonnen. Es ist eine Arbeit, die viel Geschick, Genauigkeit und Konzentration verlangt und das alles mit ständigem Blick in die Tiefe.

Eine Arbeitseinheit dauert vier Stunden

Da die Arbeit sehr anstrengend ist, dauert eine Arbeitseinheit auf der Brücke auch nur vier Stunden. Dann gibt es eine Pause und Carsten Giese geht als Einweiser aufs Deck. Sein Kollege steigt stattdessen auf die Brücke. Somit endet für uns die Fahrt in 45 Meter Höhe über dem Containerschiff.

Doch bereitet die Arbeit Freude, frage ich auf dem Weg zum Fahrstuhl? "Containerbrückenfahrer ist mein Traumberuf", schwärmt er. Seit 2004 übt er den Beruf aus. Voraussetzungen hierfür: Schwindelfreiheit, räumliches Vorstellungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

Containerbrücke fertigt ein Großschiff ab

Eine Containerbrücke fertigt am Terminal Burchardkai ein Großschiff ab

Das Gefühl der Überwältigung, das mich während der Fahrt überkam, kennt Carsten Giese. "Besonders nach dem ersten Urlaub war es ungewöhnlich wieder raufzufahren. Ein Kribbeln war schon dabei."

Ein letztes Mal schaue ich nach unten, der Blick fasziniert einfach. Wie ein Spielzeugdorf schaut das Containerschiff aus. Unten angekommen denke ich nur: Wenn ich noch einmal hochsteigen könnte, würde ich die Treppe genauso schnell wie Carsten Giese empor springen, um noch mehr Zeit da oben zu verbringen.

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