Beruf Game Designer

Ob Super Mario oder Ryu - wir fiebern mit unseren Videospielhelden. Doch wie entsteht eigentlich ein Computerspiel? Wer erweckt die Charaktere zum Leben? GEOlino.de sprach mit Paul Reiche, einem erfolgreichen Game Designer

Ein Computerspiel kann uns ganz schön in seinen Bann ziehen. Doch bis es soweit ist und ihr das Spiel voller Vorfreude an eurer Konsole ausprobieren könnt, ist es ein langer Weg: Alles beginnt mit einer Idee. Zuerst ist es nur der Traum von einer Geschichte. Genauso wie bei eurem Lieblingsbuch oder -film. Doch dann geht es darum, diese Geschichte so umzusetzen, dass ihr, die Spieler, ein Teil davon werdet. Storyboards werden entworfen, die den Verlauf der Geschichte über die einzelnen Levels planen.

Und welches Genre soll es werden? Jump 'n' Run oder Adventure? Der nächste Schritt ist die Visualisierung dieses Konzepts. Hierbei helfen die Game-Designer, die die Ideen und die Geschichte der Autoren bildlich umsetzen. Auch hier bedarf es vieler einzelner Schritte, bis die Figuren erwachen und euch im Computerspiel mit auf eine spannende Reise nehmen. Im Interview erfahrt ihr mehr dazu!

Game Designer

Die ersten mit der Hand gezeichneten Skizzen eines Drachen, der zur

Hauptfigur in einem Computerspiel wird

Viele träumen davon, die Welt und die Geschichten eines Computerspiels zu kreieren. Wie wird man Game-Designer? Welche unterschiedlichen Aufgaben erfordert die Produktion eines Videospiels?

Das ist ein sehr vielschichtiger Vorgang. Zuerst setzen sich die Game-Designer zusammen und überlegen und phantasieren, wie das Spiel aussehen könnte. Ein Game-Designer muss dazu in der Lage sein, vor seinem geistigen Auge ein Spiel sehen, hören und spielen zu können – erst dann kann man damit beginnen, diese Ideen umzusetzen. Konzept-Künstler zeichnen dann die Illustrationen, die uns dabei helfen, uns unsere Charaktere und Level-Designs besser vorzustellen.

Dann kommen die 3D-Künstler ins Spiel, die die Levels gestalten. Für die Gestaltung der Charaktere ist ein eigenes Team zuständig, das mit 3D-Werkzeugen ein sogenanntes Charakter-Modell baut. (Anmerkung der Redaktion: Die gängigsten 3D-Programme sind Maya, zBrush und 3D-Studio) Animatoren benutzen dann diese Charakter-Modelle und setzen diesen ein "Skelett" ein, so dass sich die Figuren bewegen können. Sound-Designer nehmen Tausende Sound-Effekte auf und arbeiten mit Musikern zusammen, um den kompletten Soundtrack aufzunehmen, den man am Ende hört.

All diese Fäden laufen schließlich bei den Programmieren zusammen, die all die Daten zusammensetzen, so dass alles beim fertigen Spiel gleichzeitig auf dem Bildschirm ist.

Game Designer

Noch etwas Farbe - und der Drache erwacht langsam zum Leben

Wie erweckt ein Animator die Charaktere zum Leben?

Alles fängt mit dem Charakter-Design an. Hier zeichnet ein Künstler viele unterschiedliche Skizzen zu dem Charakter aus unterschiedlichen Perspektiven. Wenn der Charakter gezeichnet ist, übernimmt ein 3D-Künstler, der ein "Skelett" in die 3D-Figur einsetzt. Das Skelett ist in Wirklichkeit nur ein Set an Punkten und Strichen, die der Animator bewegen kann, um die Glieder und Gesichtsausdrücke des Charakters zu steuern - ähnlich wie bei einer Marionette. Die Animatoren gestalten dann zigtausend unterschiedliche Angriffe und Bewegungen, die alle nur jeweils eine oder zwei Sekunden dauern. Zuletzt setzt sich der Programmierer daran, einen Code zu programmieren, der kontrolliert, wann welche Animation zum Zug kommt. Sobald diese Animationen hintereinander ablaufen, sieht es aus, als ob der Charakter auf dem Bildschirm zum Leben erwacht.

Welchen Rat würden Sie Kindern und Jugendlichen geben, die sich für die Computerspiele-Industrie interessieren und in der Zukunft gerne selbst in diesem Bereich arbeiten würden?

Das ist eine großartige Frage! Zuallererst möchte ich allen Kindern da draußen sagen, dass man alles erreichen kann, wenn man nur begeistert und mit genügend Ehrgeiz daran geht! Man bekommt im Leben nichts geschenkt, aber wenn man sich stets darum bemüht, Augen und Ohren offen zu halten, um ständig dazuzulernen, dann ist man definitiv auf dem richtigen Weg! Aber das ist ziemlich allgemein, deshalb hier ein paar hilfreiche Vorschläge:

  1. Nachdem man mit einem Spiel fertig ist, sollte man sich Gedanken dazu machen, was man an dem Spiel mochte und warum. Das sollte man am Besten irgendwie festhalten – z.B. in einem Tagebuch. Wenn man das ca. zehn Mal gemacht hat, sollte man die Notizen durchblättern und schauen, ob man bestimmte Muster erkennt, in dem was man mag und was man nicht mag. Darüber sollte man dann mal mit seinen Freunden reden und schauen, was die davon halten. Das ist, was wir analytisches Denken nennen und was Spieler von Game-Designern unterscheidet.
  2. Man kann nicht früh genug anfangen, mit Game-Design Software zu experimentieren. Das wichtigste daran ist, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern munter drauf los zu probieren – man kann mit den einfachsten Schritten anfangen und sich dann langsam vortasten. Vieles davon ist mittlerweile einfacher als man denken mag!
  3. Freunde sind unersetzlich. Man kann zusammen kleinere Projekte angehen. Wichtig daran ist auch, zu verstehen mit anderen kreativen Köpfen zu arbeiten, denn so etwas muss man auch erst einmal lernen – genau wie Programmieren oder Animation ist das etwas, was man auch trainieren muss, um darin gut zu sein.
  4. Ebenfalls wichtig: man sollte sich dazu auch mal wegen eines Praktikums in einem Entwicklerstudio vorstellen und dort alles an Erfahrung mitnehmen, was man kann. Es gibt keinen besseren Weg dazuzulernen!
Game Designer

In Skylanders Spyro's Adventure treibt der Drache bald sein Unwesen

Welche Fähigkeiten und Talente sollte ein zukünftiger Game Designer mitbringen?

Allgemein gesprochen ist Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Hartnäckigkeit von entscheidender Bedeutung für einen Spieleentwickler, denn es handelt sich um keinen einfachen Job. Die anderen Fähigkeiten sind dann sehr spezifisch auf das Tätigkeitsfeld zugeschnitten, in dem man am liebsten arbeiten möchte. Ich würde aber jedem raten, sich mit Kunst auseinander zu setzen und Einführungen in Programmierung und Dramaturgie zu nehmen.

Sobald man seine Nische gefunden hat, kann man sich zum Beispiel über das Internet gut darüber informieren, was die modernsten Programme und Werkzeuge sind. Das Internet hat sich zu einem sehr hilfreichen Medium zu der Gestaltung von Spielen – egal zu welchem Teil davon – entwickelt!

Von "Pong" bis "Wipe Out": im Computerspiele Museum in Berlin könnt ihr die Geschichte des Videospiels verfolgen! Taucht ein in die virtuelle Welt eurer Computerspielhelden...

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 20 Uhr (außer Dienstag) Eintrittspreis: 8 Euro Führung: 4 Euro, jeden Samstag und Sonntag um 13 und 15 Uhr

Karl-Marx-Allee 93a 10243 Berlin

www.computerspielemuseum.de

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