Interview "Das technische Grundver-ständnis ist das A und O!"

Markus Kranzler hat seinen Traum verwirklicht und ist in die USA gezogen, um bei PIXAR zu arbeiten. Auch an "CARS 3" wirkte der gebürtige Hesse mit. Wir haben Markus in den PIXAR Studios getroffen und mit ihm über seinen Beruf und den neuen Animationsfilm gesprochen.
Markus Kranzler arbeitete für PIXAR an "Cars 3"

Markus Kranzler arbeitet seit 2014 für das Animationsstudio PIXAR

GEOlino: Wie kommt man denn vom hessischen Braunfels in die USA zu PIXAR?

Markus Kranzler: Ich bin mit Filmen groß geworden. Meine Eltern haben schon immer die neuesten Hollywood Blockbuster und Filme zu Hause mit uns auf der Couch geguckt. So war ich schon sehr früh von Filmen an sich fasziniert.

Als ich dann das erste Mal den animierten Kurzfilm eines Studenten gesehen habe, dachte ich: "Wow! Das kann man ja tatsächlich lernen!" Während meines Mathestudiums habe ich dann einen Kurs belegt, der "Visuelle Datenverarbeitung" hieß und schon in die Richtung Animation ging. Von da an habe ich Praktika in diesem Bereich gemacht und angefangen, neben dem Studium in diesem Bereich zu arbeiten.

Nach meiner Diplomarbeit bin ich an die Filmakademie in Ludwigsburg gegangen und habe noch einmal "Technical Directing" studiert. Dabei habe ich gelernt, mein technisches Wissen in künstlerisches zu wandeln und konnte so an kleinen Animations-Projekten der Uni mitarbeiten. Mein Abschlussprojekt war der Animations-Kurzfilm "The Present".

Danach habe ich mich direkt bei PIXAR beworben und hatte das Glück, als sogenannter "Resident" bei PIXAR angenommen zu werden. Das Resident-Programm ist ein spezielles Programm für Absolventen. Man arbeitet für ein Jahr bei PIXAR und danach wird dann entschieden, ob man einen Vertrag bekommt.

Und nun durftest du also an "CARS 3" mitarbeiten..

Genau! Bei CARS 3 war ich sogar gleich in drei verschiedenen Teams eingesetzt: Ich habe beim "Character Shading", beim "Matt Painting" und beim "Lighting" mitgearbeitet.

Beim "Character Shading" definiert man sowohl die Farbe der Film-Charaktere, als auch die Materialeigenschaften. Wird ein Material zum Beispiel im Laufe der Jahre stumpf oder bleicht aus? Auch kleinere Details wie Kratzer oder abblätternder Lack am Auto sind Teil dieser Arbeit.

Beim "Matt Painting"  werden digitale Hintergrundbilder angefertigt, welche die Filmaufnahmen vervollständigen.

Beim "Lighting" werden die Licht- und Schatteneffekte der einzelnen Filmszenen bearbeitet, um die Animation noch echter wirken zu lassen.

Was hat dir am meisten Spaß gemacht und warum?

Es ist wirklich sehr schwer zu sagen, was mir bei der Arbeit an CARS 3 am besten gefallen hat. Also beim "Character Shading" war die Arbeit war für mich sowohl technisch als auch kreativ eine Herausforderung. Das hat sehr viel Spaß gemacht und es wurde nie langweilig. Beim "Matt Painting" hingegen kannte ich die Arbeitsabläufe schon, wodurch es nicht so stressig war.

Dadurch, dass das "Lighting" erst am Ende eines Films gemacht wird, herrscht viel Zeitstress. Denn alles, was an Verzögerungen während der Filmentwicklung im Vorfeld passiert, läuft zum Schluss beim "Lighting" auf. Doch durch den Zeitdruck wächst auch das Gruppengefühl, weil alle gemeinsam in diesem verrückten Chaos stecken. (lacht)

Ich bin glücklich, dass ich alles machen konnte und dadurch nie das Gefühl hatte, nicht genug gefordert zu werden. Die Arbeit an CARS 3 war ein perfekter Mix von allem!

Das Crazy-8-Rennen in CARS 3

Das "Verrückte Acht - Demolition Derby" war technisch eine Riesenherausforderung für die Filmemacher

Gibt es eine Szene in CARS 3, die dir besonders gut gefällt?

Meine Lieblingsszene an sich ist vermutlich das "Verrückte Acht - Demolition Derby", weil es total witzig und dynamisch ist und technisch die größte Herausforderung für alle war, die daran mitgearbeitet haben!

Aber die Szene, in der man die "Legendary Racers" im Hinterraum einer Bar kennenlernt – also die ganzen Freunde von "Hudson Hornet" - ist auch etwas ganz besonderes für mich. Denn hier sehe ich das Ergebnis meiner monatelangen Arbeit besonders gut.

Denn ich habe an dem Material und der Oberflächenstruktur von Smokey gearbeitet und das kommt in dieser Szene besonders gut zur Geltung. Diese Arbeit war für mich kreativ die größte Herausforderung, weil ich im Malen nicht ganz so geübt bin.

Und dann habe ich diese Szene, in der man die "Legendary Racers" kennenlernt, auch noch beleuchtet ("Lighting"). Ich habe also quasi doppelte Arbeit in diese Szene gesteckt, die man nun auf der Leinwand sehen kann!

Du musstest also auch richtig mit dem Stift zeichnen?

Ja, genau. Da hatte ich anfangs noch richtig Bammel! (lacht)

Aber den brauchte ich gar nicht haben, denn im Team haben wir Kollegen uns immer gut unterstützt und so musste ich gar keine Bedenken haben.

Lightning McQueen und Cruise Ramirez

Lightning McQueen und seine Trainerin Cruz Ramirez

Wer ist denn dein Lieblingscharakter in CARS 3?

Also von denen, die ich bearbeiten durfte, ist natürlich Smokey mein Lieblingscharakter. Aber ich bin auch total begeistert von Cruz! Cruz ist in "CARS 3" ein weiblicher Hauptcharakter, wovon es auch leider heutzutage noch immer zu wenige gibt.

Besonders, weil Frauen vielleicht auch mehr Idole bräuchten, denen sie nacheifern und mit denen sie sich identifizieren können, damit auch die Botschaften aus dem Film besser ankommen.

Außerdem hat Cruz auch einen Migrationshintergrund, was ich persönlich besonders finde. Denn für mich als "deutschen Einwanderer" in den USA, ist es wichtig zu zeigen, dass es keine Bedeutung hat, wo du herkommst und was für ein Geschlecht du hast. Du kannst alles erreichen, wenn du nur die nötige Leidenschaft mitbringst! Das kommt in "CARS 3", finde ich, gut rüber.

Welche Fähigkeiten sind wichtig, wenn man diesen Beruf ausüben möchte?

Mathe ist ganz wichtig, denn man arbeitet mit Computern und die basieren mehr oder weniger auf Mathematik. Von daher würde ich schon sagen: Mathe ist nicht doof, lernt Mathe! (lacht)

Aber prinzipiell würde ich einfach sagen: Technisches Grundverständnis ist das A und O! Man sollte natürlich auch neugierig sein und immer das Verlangen haben, ständig Neues zu lernen und niemals stehen bleiben.

Man sollte sich aber auch "kreativ trainieren". Wenn man vielleicht zeichnen kann, hilft das eigentlich in fast jedem Bereich. Fotografie ist auch ein Hobby, das viele Leute hier ausüben, weil es das Auge schult.

Insgesamt ist es einfach diese Balance aus Technischem und Kreativen. Und wer sich da für beides interessieren kann und in beidem eine Erfüllung findet, der ist in diesem Bereich super aufgehoben!

Vielen Dank für das Interview, Markus!

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