Beruf Geheimagent

Wilde Verfolgungsjagden im neuesten BMW-Modell gehören nicht zum Alltag eines Agenten. Aber auch wer nicht James Bond heißt, kann den Kampf gegen das Verbrechen aufnehmen. GEOlino.de hat einen Blick in die Welt der Spitzel und Späher geworfen

Auf Mission

Stell dir Folgendes vor: Es ist kurz vor zehn Uhr morgens und die Sonne brennt schon auf die chinesische Hafenstadt Macao herunter. Du sitzt im ersten Stock eines kleinen Eckcafés. In der Hand einen Becher Oolong-Tee. "Oolong" bedeutet "Schwarzer Drache". Der Mann, den du beobachten musst, wird genauso genannt. Vom Fenster des Cafés hast du einen guten Blick auf seine Luxus-Villa. Ein langer, schwarzer Wagen mit getönten Scheiben fährt vor. Vier Typen verschwinden im Hauseingang: Dunkle Anzüge, Sonnenbrillen, zurückgegelte Haare. Wenn du nur wüsstest, was jetzt besprochen wird!

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Immer schön hinschauen

So oder ähnlich könnte es dir ergehen, wenn du später beim Geheimdienst arbeitest. In Deutschland ist der Bundesnachrichtendienst (BND) für die Auslandsaufklärung zuständig. Aufklärung heißt, dass er Informationen sammelt, welche die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Bürger betreffen. Der BND kümmert sich ums Ausland, weil zwei andere Geheimdienste schon im Inland die Augen offen halten und Ohren spitzen. Um seine Infos zusammenzukriegen, bedienst sich der BND verschiedener Mittel: Er lässt Radio- und Fernsehprogramme auf wichtige Meldungen durchforsten, Satellitenbilder auswerten und Teile des E-Mail-Verkehrs verfolgen. Nicht zu vergessen die so genannte "HUMINT". Das steht für "Human Intelligence" und meint die klassische Spionagearbeit mit menschlichen Kundschaftern.

In der Fremde zu Hause

Beim Bundesnachrichtendienst gibt es acht Abteilungen, die sich mit unterschiedlichen Aufgabenfeldern beschäftigen. Zuverlässige, sorgfältige Personen sind in "Abteilung 1 - Operative Aufklärung" gefragt. Sie sollten spontan in verschiedene Richtungen denken können. Wenn sich irgendwo auf dem Planeten die politische Situation mal bedrohlich zuspitzt, müssen sie die Ereignisse genauestens beobachten. Zum Beispiel könnte eine Gruppe von unzurechnungsfähigen Rebellen in einem Land der früheren Sowjetunion die Macht ergreifen. Besitzt dieses Land zusätzlich noch ein paar Fernstreckenraketen, ist die Panik bei den Nachbarländern vorprogrammiert. Wenn "Abteilung 1" gut aufgepasst hat, schlägt der BND rechtzeitig Alarm, so dass die Bundesregierung etwas unternehmen kann.

Knobelspaß und Knobelstress

Für Rätselfreunde könnte "Abteilung 2 - Technische Beschaffung" interessant sein. Es gibt Gruppierungen, die großes Interesse daran haben, dass ihre Nachrichten von niemand Unbefugtem gelesen werden. Mit einem Code wird die ursprüngliche Botschaft verschlüsselt. Das nennt sich Kryptographie: Die Wissenschaft der Verschleierung von Informationen. Um Einblick zu erhalten, braucht der BND Spezialisten, die diese Geheimnachrichten entschlüsseln können.

Mafia & Co.

Organisierte Kriminalität und Internationaler Terrorismus sind die Gebiete, auf welche sich "Abteilung 5" spezialisiert hat. Hat eine Verbrecherbande eine verästelte Struktur vom Boss bis zum untersten Laufburschen, kann von Organisierter Kriminalität gesprochen werden. Es gibt Länder, in denen Gangsterbanden gute Beziehungen zu mächtigen Firmen und einflussreichen Politikern haben. Diese Verbindungen aufzudecken ist Aufgabe des Geheimdienstes.

Leben im Schatten

Berühmte Verbrecherkartelle sind die Cosa Nostra in den Vereinigten Staaten, die Yakuza in Japan und die Triaden in China. Die chinesischen Triaden-Chefs können sich nicht über Mangel an Gefolgsleuten beschweren. Es existieren einige hundert aktive Banden mit bis zu 40 000 Mitgliedern. Ihre Straftaten liegen im Bereich des Drogen- und Waffenhandels, der Geldwäsche und des Glücksspiels. Hin und wieder wird auch mal ein gut laufendes Restaurant erpresst. Ein Haufen Ermittlungsarbeit für unsere fleißigen Agenten und ihre ausländischen Kollegen!

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Das für die meisten Verbrecherorganisationen wichtigste Geschäft ist der weltweite Drogenhandel. Fast in allen Ländern sind Drogen verboten. Deswegen verkaufen Dealer sie heimlich. Durch diese Straftat tragen sie zur Verbreitung von gefährlichem Rauschgift bei. Auch Terrorgruppen, wie die Al Kaida, bezahlen ihre Aktivitäten mit Drogengeld. In Afghanistan wird neuerdings wieder viel Schlafmohn angebaut. Aus dieser Pflanze können die Drogen Opium, Morphium und Heroin gewonnen werden. Die werden nach Europa oder Nordamerika geschmuggelt und dort unter die Menschen gebracht. Um das zu verhindern, versucht der Geheimdienst, Schmugglerringe zu zerschlagen.

Top Secret!

Wie sich ein Geheimdienstler auf Mission benimmt und was in der Zentrale auf ihn wartet, lernt ein Auszubildender beim BND innerhalb von zwei bis drei Jahren. Über die genauen Aufgaben seiner Angestellten erzählt der Bundesnachrichtendienst in der Öffentlichkeit lieber nichts. Wäre ja auch ein bisschen gefährlich. Schließlich könnten sich so auch die Schurken gut über seine Arbeitsmethoden informieren und bei ihren Übeltaten darauf einstellen.

Trotzdem erfahrt ihr unter der folgenden Adresse Weiteres zur Arbeit beim Bundesnachrichtendienst:

www.bnd.de

(Offizielle Website des Bundesnachrichtendienstes)

In der Rubrik "Jobs und Karriere" könnt ihr schon mal eure Zukunft als Agent ins Auge fassen

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Was macht ein Detektiv eigentlich genau? Wie wird man zum Privatermittler und welche Aufgaben muss man meistern? Das erklärt euch Privatdetektiv Alexander Schrumpf hier
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