Experiment Radio aus Papprolle

Ein einfaches Radio zu bauen, ist gar nicht so schwierig. Hättet ihr gedacht, dass man dazu nur etwas Draht, eine Klorolle, eine Diode und Kopfhörer braucht? Wir zeigen euch, wie es geht
In diesem Artikel
Bauanleitung für das Radio
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Eine kurze Geschichte des Radios

Es ist noch keine 100 Jahre her: Am 29. Oktober 1923 wurde in Deutschland die erste Radiosendung live ausgestrahlt. Damals konnte man erste klobige Radioempfänger kaufen.

Später, als Hitler an der Macht war, waren ausländische Radiosender eine wertvolle Quelle für unabhängige Informationen. Darum war es in Nazideutschland streng verboten, diese Sender zu hören. Radios wurden eingezogen. Und die Menschen waren oft darauf angewiesen, sich selber Radios zu bauen.

Dafür benutzten sie zum Beispiel das Mineral Galenit, das man in der Natur finden kann. Es nahm die Stelle ein, die in unserer Bastelanleitung die Diode hat. Klar, heutzutage ist es leichter, ein fertiges Radio im Laden zu kaufen. Aber viel spannender ist es noch immer, sich ein eigenes Radio zu basteln!

Bauanleitung für das Radio

Ihr braucht:

  • Draht mit Kunststoffisolierung, etwa 20 m lang
  • Kupferlackdraht (das ist Draht, der mit einem isolierenden Lack überzogen ist), z. B. 0,8 mm dick, mindestens 9 m lang
  • eine Germanium-Diode
  • Ihr bekommt sie im Elektronikmarkt, z. B. bei "Conrad". Oder ihr fragt einen netten Elektriker.
  • Klebeband (z. B. Gewebeband oder Tesafilm)
  • eine Nagelfeile, zusätzlich eventuell auch ein Stück Sandpapier
  • ein Gummiband von 2 bis 3 cm Durchmesser
  • gute Kopfhörer oder Computer-Lautsprecher
  1. Tipp: Einfache Kopfhörer haben meist einen zu niedrigen elektrischen Widerstand. Der angegebene Wert der Impedanz sollte mindestens 16 Ohm sein. Die Computer-Lautsprecher funktionieren zwar wahrscheinlich besser, aber dann braucht ihr leider doch eine Steckdose, es wird dann also kein komplett stromloses Radio.
     
  2. Tipp: Eure Bastelecke sollte neben einem Wasserhahn oder einer Heizung sein. Wir müssen nämlich ein Stück Draht erden. Das heißt, wir müssen es an ein Stück Metall anschließen, das auf jeden Fall elektrisch neutral ist.

Und so wird gebaut:

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Stecht mit einem dünnen, festen Gegenstand (zum Beispiel dem Ende eines festen Drahts) ein kleines Loch in die Klorolle - etwa 1 cm vom linken Rand entfernt. Steckt das Ende des Kupferlackdrahtes hindurch und befestigt es an der Klorolle. Ihr werdet dieses Drahtende später nicht mehr brauchen.

Nun fangt ihr an zu wickeln: gleichmäßige, fest aneinander sitzende Windungen, der Draht darf sich nicht überkreuzen. So wickelt ihr eine schöne Spule.

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Wenn ihr nur noch etwa 10cm Draht oder 1cm Klorolle übrig habt, stecht ihr direkt neben die letzte Windung ein weiteres Loch in die Klorolle. Den Draht nach unten hindurchfädeln und durch ein drittes Loch wieder nach oben führen. Sind jetzt noch mehr als 10cm Draht übrig, könnt ihr den restlichen Draht auf eben diese Länge kürzen.

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Fixiert die Spulenwindungen mit zwei, drei Streifen Klebeband.

Den letzten Zentimeter Draht müsst ihr mit der Nagelfeile (oder auch einem Stück Sandpapier) rund herum abisolieren, das heißt, die Lackschicht wegschleifen. Dies ist nun euer Spulenende.

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Jetzt braucht ihr etwas Feingefühl. Nehmt die Nagelfeile und schleift entlang einer Linie die oberste Lackschicht der Spule ab. Es ist wichtig, dass ihr nicht zu viel abschleift, denn auf keinen Fall dürfen die Spulenwindungen untereinander elektrischen Kontakt bekommen! Nur nach oben hin sollte von den Windungen ein Stück Draht blank liegen. Aber es ist nicht schlimm, wenn ihr nicht ganz jede Windung freilegt.

Schneidet von dem kunststoffisolierten Draht ein etwa 15 cm langes Stück ab. Entfernt an beiden Enden jeweils etwa 2 cm der Kunststoffumhüllung. Am Besten mit einer Schere die Isolierung rund herum durchtrennen, bis ihr sie einfach abziehen könnt. Dieses Stück Draht wird der Abnehmer.

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Teil 2 der Bauanleitung:

Nun brauchen wir unsere Erdung: Ein Stück geerdetes Metall in der Wohnung. Das kann zum Beispiel ein Wasserhahn sein. Oder das Heizungsrohr direkt am Thermostat, also da, wo es nicht lackiert ist.

Schneidet vom kunststoffisolierten Draht ein Stück ab, das von eurem Radio bis zu dieser Erdung reicht.

Genau wie beim Abnehmer entfernt ihr auch von diesem Draht an beiden Enden ein Stück Isolierung. Das eine Ende des Drahts befestigt ihr dann um die Erdung, wickelt es also um den Wasserhahn oder um das Heizungsrohr. Und zwar so, dass das nackte Drahtende gut Kontakt zum Metall der Erdung hat. Das andere Ende des Erdungsdrahtes brauchen wir beim Radio, das wird unser Erdungskabel.

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Jetzt sollten noch mindestens 10 bis 15 vom kunststoffisolierten Draht übrig sein. Das wird eure Antenne. Spannt sie in möglichst langen, geraden Stücken quer durch die Wohnung oder lasst sie in einem höheren Stockwerk einfach aus dem Fenster hängen.

Wichtig ist, dass die Antenne keinen Kontakt zu einer möglichen Erdung hat.

Da der Draht isoliert ist, könnten nur die beiden Enden problematisch sein. Das eine Ende könnt ihr also mit einem Stück Klebeband gut verschließen. Das andere Antennenende dagegen braucht ihr bei eurem Radio und müsst hier wieder ein Stück abisolieren. Dieses Ende solltet ihr aber später gut von dem Erdungsdraht fernhalten.

Schaut es euch mit Computerboxen oder Kopfhörern an. Das ist ein Klinkenstecker, der drei Kontakte hat.

Die vorderen beiden sind die rechte und die linke Box oder Ohrstecker. Der hintere Kontakt ist die Erdung. Das wird gleich wichtig.

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Nun könnt ihr die Verbindungen herstellen: Das Spulenende verbindet ihr mit dem Erdungskabel. Beides zusammen wickelt ihr um die Erdung des Klinkensteckers von Computerboxen oder Kopfhörer.

Wichtig ist, dass kein elektrischer Kontakt zu den vorderen beiden Teilen des Klinkensteckers entsteht.

Wickelt vorsichtig das eine Ende (welches, ist egal) um den vordersten Kontakt des Klinkensteckers. Das andere Ende der Diode kontaktiert ihr sowohl mit dem Antennenende als auch mit dem einen Ende des Abnehmers.

Das andere Ende des Abnehmers biegt ihr um, so dass ein kleines U entsteht. Mit dem Gummiband fixiert ihr dieses U auf der abisolierten Linie der Spule.

Setzt die Kopfhörer auf die Ohren oder schaltet die Lautsprecher an. Sobald der elektrische Kontakt zwischen Abnehmer und Spule entsteht, müsstet ihr ein hohes Fiepen hören. Ohne diesen Kontakt hört ihr wahrscheinlich ein tiefes Brummen.

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Es ist soweit, ihr könnt nun euren Radiosender einstellen: Auf der abisolierten Linie der Spule fahrt ihr den Abnehmer hin und her, bis ihr zusätzlich zu dem hohen Fiepen Stimmen oder Musik hört - dann habt ihr die Frequenz eines Senders gefunden!

Vielleicht findet ihr sogar an anderen Stellen der Spule noch weitere Sender? Viel Glück beim Suchen!

Mit etwas Geschick könnt ihr sicherlich eine stabilere Version des Radios bauen. Wenn alles funktioniert, dann umwickelt doch die Draht-Kontakte mit Klebeband. Und schließlich könntet ihr alle Teile mit Reißzwecken oder Klebeband auf einem hübschen Brett befestigen.

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