Filmstars im Pelz

Wenn europäische Filmregisseure einen Wolf oder Bären einsetzen wollen, ist Zoltán Horkai ihr Mann: Er nimmt sich verwaister Tiere an und trainiert sie. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (2. Januar) um 19.30 Uhr

Die Kamera läuft. Ein Bär greift eine Schafherde an. Die Tiere fliehen in Panik, trotzdem hat der Bär ein Jungtier erwischt und schleift es zum Waldrand. Eine Schlüsselszene für jeden Naturfilmer. Doch die Zeiten, als Regisseure gut getarnt im Versteck monatelang auf eine solche Szene warteten, gehören längst der Vergangenheit an. Der Bär ist an die Arbeit vor der Kamera gewöhnt und das Schaf war bereits vorher tot.

Zoltán Horkai ist ein Alphawolf. Der Ungar lebt seit vier Jahren mit einem sechzehnköpfigen Wolfsrudel zusammen. Außerdem finden bei ihm 30 Bären, einige Pferde und ein Hirsch Unterschlupf. Der 28jährige leitet ein Asyl für Tiere etwa 20 Kilometer vor den Toren Budapests. Die Tiere werden ihm aus ganz Osteuropa zur Pflege gebracht, darunter geschundene Tanz- und Zirkusbären und von ihren Müttern verlassene Wolfswelpen. Ursprünglich wurde das Asyl jedoch für ausgediente Tiere aus ungarischen Tierfilmen der kommunistischen Ära gebaut, die hier ihr Gnadenbrot erhalten. Nach der Wende interessierte man sich nicht mehr für sie und sie wurden unter miserablen Bedingungen gehalten. Den Bau der Gehege und einen Teil der laufenden Kosten übernimmt seit 1997 die WSPA (World Society for the Protection of Animals), das größte Tierschutz-Netzwerk der Welt. Den Rest finanziert Horkai mit den Auftritten seiner vierbeinigen Stars in Filmen.

So waren seine Wölfe jüngst in der dreiteiligen internationalen Alpendokumentation "Im Reich des Steinadlers" zu sehen. Die Drehorte lagen auf Höhen zwischen 1500 und 3000 Metern - kein einfaches Unterfangen, vor allem im Winter bei Temperaturen bis Minus 25°C und Schneestürmen mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h. Die Arbeit war an der Grenze des Machbaren. Und doch ist Horkai nicht mit den Tiertrainern Hollywoods zu vergleichen - für ihn hat der Einsatz von Tieren in Filmen und Naturdokumentationen strikte Grenzen. "Mir ist es wichtig, dass die Wölfe und Bären in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen sind und sich nur so verhalten, wie sie es auch normalerweise tun würden".

"360° - Die GEO-Reportage" schaut hinter die Kulissen der Naturfilmer und zeigt die tierischen Filmstars bei der Arbeit.

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Arte Programm

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