Die Klinik der Schamanen

Sibirische Schamanen versetzen ihre Patienten in Trance - mit erstaunlichen Erfolgen. Westliche Wissenschaftler versuchen jetzt, die uralten Heilungsriten der Medizinmänner des kalten Ostens zu begreifen

Um die Geistern der sibirischen Steppe gut zu stimmen, bedarf es Tanz und Gesang, viel Trommeln und eine symbolische Mahlzeit. Nikolai Orschak ist auf das Wohlwollen der Geister angewiesen. Er braucht ihre spirituelle Kraft, um anderen Menschen zu helfen. Nikolai Orschak ist Schamane.

Genau am Mittelpunkt Asiens, zwischen der Taiga und der Mongolei liegt die Republik Tuwa. Hier, in der Hauptstadt Kyzyl, befindet sich ein Krankenhaus der besonderen Art: eine Schamanenklinik. Geleitet wird sie von Nikolai Orschak. Für die Menschen in Tuwa ist er Heilpraktiker, Psychotherapeut und Seelsorger in einem. Die Ursache für Krankheiten findet er hier: in der Seele des Menschen.

Entweder hat der Patient einen Teil seiner Seele verloren, die der Schamane aus der Geisterwelt befreien muss oder ein Geist hat von seinem Körper Besitz ergriffen. In diesem Fall treibt der Schamane den bösen Geist aus dem Leib heraus und gibt ihm in Form einer Holzfigur ein neues Gefäß. Die Wirkung solcher traditionellen Behandlungen hat inzwischen auch das Interesse der westlichen Medizin geweckt. Die Wissenschaftler an der Uni Gießen erforschen veränderte Bewusstseinszustände, wie sie die Schamanen erleben. Und selbst im Labor entwickelt Trance ihre Kraft über den Körper. Außerhalb der Wissenschaft hat der Schamanismus schon längst Einzug in die westliche Welt gehalten. In Wien praktizieren Neo-Schamanen zum Teil schon seit 20 Jahren.

360° - Die GEO-Reportage erkundet die traditionellen Heilkünste der sibirischen Schamanen und analysiert deren Wirkung.

7673a34246d9ce6e5f979c4b27ad53a0