Die Kichwa-Krieger und das Öl

Die Einwohner des ecuadorianischen Dorfes Sarayaku setzen sich seit Jahren gegen die Erdölindustrie zur Wehr. Als sie in ihrem Gebiet unerlaubte Probebohrungen entdecken, spitzt sich der Konflikt zu.

Ein Film von Holger Riedel

Der Regenwald im Osten Ecuadors beherbergt spektakuläre Naturschauplätze: Eine unbändige Artenvielfalt und Wasserfälle, die das gesamte Amazonasbecken speisen. Doch bereits heute sind riesige Landstriche dieses einmaligen Waldgebiets durch Ölförderung verseucht. Nur wenige Einheimische wagen es, dagegen zu protestieren. Die Einwohner Sarayakus gehören dazu. Das kleine Dorf setzt sich seit Jahren gegen Eindringlinge der Ölindustrie zur Wehr. Nun will ein ausländischer Konzern wieder Probebohrungen auf Sarayaku-Gebiet durchführen - und seine Interessen notfalls mit Gewalt durchsetzen.

Die Bewohner des Dorfes Sarayaku tief im Dschungel Ecuadors streiten seit Jahren gegen die Öl-Konzerne, die auf ihrem Grund und Boden nach dem lukrativen Rohstoff bohren wollen. Besonders die Geschwister Patricia und Heriberto Gualinga engagieren sich in diesem Kampf und sind so zu Vorbildern für viele Dorfbewohner geworden. Die Bürgermeisterin Sarayakus hat die 34jährige Patricia und ihren jüngeren Bruder nun für eine ganz besondere Mission auserkoren: Beide sollen für das Dorf Informationen aus entfernten Öl-Regionen sammeln, um zu beweisen, dass die Konzerne ihre hehren Versprechen gegenüber den betroffenen Dörfern nur selten einhalten: Patricia soll in die Hauptstadt Quito reisen und Experten befragen, Heriberto zu einem Nachbarstamm, der einst auf die Verlockungen der Ölmultis hereingefallen ist und seinen Grund verkauft hat. Denn auch in Sarayaku treten die Firmen immer wieder an einzelne Stammesmitglieder heran und versuchen, den Zusammenhalt der Gemeinde zu stören. Ein argentinischer Konzern unternimmt bereits seismische Sprengungen auf ihrem Gebiet, ein chinesischer steht in den Startlöchern.

Die Ureinwohner in Sarayaku haben sich bis heute ihr eigenes Weltbild, ihre traditionelle Medizin, Kultur und Sprache bewahrt. Sie gehen jagen und fischen und legen im Regenwald ihre Gärten an. Gleichwohl wissen sie technische Errungenschaften der Moderne wie das Internet zu nutzen, um ihre Interessen zu verteidigen. Verhasst ist ihnen hingegen, was den sozialen Frieden stört und einen Keil in die Dorfgemeinschaft treiben könnte. Sarayaku liegt jedoch mitten in einem der größten ungenutzten Ölfelder des Landes. Das Geschäft mit dem Öl gilt als bedeutendster Wirtschaftszweig Ecuadors. Allerdings haben bis heute nur ausländische Konzerne und die Machtelite des Landes ihren Profit daraus ziehen können, die Bauern leiden unter katastrophalen Umweltschäden. Alle drei Tage bricht eine Pipeline, geschätzte 70 Milliarden Liter verseuchtes Wasser wurden seit Beginn der Ölförderung vor 30 Jahren in den Regenwald und die Flüsse geleitet.

Trotzdem will die Regierung neue Fördergebiete auf dem Territorium der Ureinwohner erschließen. 2003 wurden weitere 10.000 Quadratkilometer Regenwald für die Ölförderung freigegeben. Damit sind rund 80 Prozent des ecuadorianischen Amazonasgebietes betroffen - und damit faktisch alle noch im Wald lebenden Ureinwohner. Auch die Kichwa in Sarayaku.

"360° - GEO Reportage" hat die Dorfbewohner bei ihrem Kampf gegen die mächtigen Ölförderer beobachtet.

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