Die Bisonwächter

USA: Jeden Winter retten Tierschützer im Yellowstone National Park Bisons vor Wilderern

Bei minus 40° Celsius stapft Mike Mease tiefvermummt durch den Schnee des Yellowstone Nationalparks. Er bewacht die Grenzen des Parks und hält Ausschau nach Bisons. Sollte eines der Tiere auf seiner Futtersuche versuchen, den Park zu verlassen, wird Mike Mease das mit aller Kraft verhindern. Denn außerhalb des Nationalparks werden die Bisons von Ranchern und Staatsbeamten gejagt und oft auch getötet.

Morgens um 6.30 Uhr. Außer Mikes Atem und seinen Schritten im Schnee herrscht Stille. Mike Mease bleibt am Rande eines Wäldchens stehen. Vor ihm liegt das weite Land des Yellowstone Nationalparks im Nordwesten der USA. Mike deutet auf etwas dampfendes Dunkles: "Da ist Baba. Ich verehre ihn: er hat das Gedächtnis eines Elefanten, die Kraft eines Bulldozers und die Aura eines Aristokraten." Kaum 100 Meter vor ihm liegt der Bisonbulle im Schnee und bläst Atemwolken in den Morgen. Vor drei Jahren verbrachte Mike erstmals einen Winter in den Rocky Mountains und wurde dabei Zeuge, wie eine der letzten Bisonherden Nordamerikas abgeschlachtet wurde. Er gründete die "Buffalo Field Campaign", und seither überwintern alljährlich rund 200 Freiwillige im Park, um die Bisons zu schützen.

Tag für Tag verfolgen sie die Bewegungen der Jäger, werfen sich vor Schneemobile und ketten sich an die Transporter, die eingefangene Tiere zum Schlachter bringen sollen. Das Argument der Jäger lautet Brucellose: Die Hälfte der Bisons ist mit diesem Virus infiziert, und die Rancher fürchten eine Gefahr für ihr Weidevieh. In den vergangenen vierzig Jahren wurde Brucellose jedoch nur sechs Mal von Wild auf Weidevieh übertragen - und kein einziges Mal war ein Bison der Überträger.

360° - Die GEO-Reportage begleitet einen Mann, der in den Wäldern des Yellowstone Nationalparks für das Überleben der Bisons kämpft.

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