Peones - Verkannte Helden

Gabriel Travieso arbeitet in Uruguay als Péon, als Viehhüter. Das Rodeo mit Wildpferden, bie dem er Kollegen aus dem ganzen Land trifft, ist der Höhepunkt des Jahres
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Heute will Néstor Travieso seinen Kopf riskieren. Er möchte an einer Doma teilnehmen, der südamerikanischen Variante des Rodeos. Dabei geht es für Néstor um viel: 200 Dollar Preisgeld sind ausgeschrieben, mehr als das Doppelte seines Monatslohns. Dafür muss er sich mindestens14 Sekunden auf dem Rücken eines wild bockenden Hengstes halten, ein lebensgefährliches Unternehmen. Doch mit dem Preisgeld will Néstor unter anderem seiner Frau einen lang gehegten Traum erfüllen.

Wenn der Herbstwind über die kargen Ebenen bläst, wird das Leben der uruguayischen Peones de Estancia, der Nachfahren der einst so legendären Gauchos, noch beschwerlicher. Heftige Regenfälle verwandeln das weite Land nördlich des Rio de la Plata in einen einzigen Morast. Néstor Travieso lebt hier als Peón, als Viehhirte. Zusammen mit seinen beiden Söhnen Favio und José trägt der stolze Peón die Verantwortung für 600 Rinder, 800 Schafe und 40 Wildpferde auf der Estancia El Guayabo. Er fängt und zähmt Tiere, arbeitet als Geburtshelfer genauso wie als Schlachter. Die Arbeit ist schlecht bezahlt. Viele Peones finden heute keine Anstellung mehr. Umso wichtiger sind für sie die jährlichen Domas, die Gaucho-Variante des Rodeos, um dort um Geld und Ehre zu kämpfen. Der Ritt auf den ungebändigten Wildpferden ist lebensgefährlich, doch für das Preisgeld nehmen die Peones die Gefahr in Kauf. Néstor hat immer wieder trainiert für diesen Tag. Dem 42jährigen fällt es zunehmend schwer, sich 14 Sekunden auf dem buckelnden Tier zu halten. Doch er will es noch einmal versuchen - in der Hoffnung, seiner Frau von dem Geld ein neues Kleid kaufen zu können.

"360° - Die GEO-Reportage" begleitet den Peón Néstor Travieso zu einer Doma, der uruguayischen Variante des Rodeos, wo Viehhirten wie er für ein geringes Preisgeld alles riskieren.