Gaucho auf Lebenszeit

Argentinien: Eleuterio Flores ist 72 Jahre alt und ein echter Gaucho, so wie sein Vater und sein Großvater. Er ist stolz auf diese Tradition und auf seinen Beruf. Als Gaucho wurde er geboren und als Gaucho wird er sterben - im Sattel, so hofft er

Argentinien reicht von den Eisfeldern im Süden Patagoniens über die endlosen Weiten der Pampa bis zu den staubigen Wüsten der Anden. Gauchos waren es, die dieses Land für die Einwanderer erschlossen haben. Ihre Liebe zu "La Tierra" prägt nach wie vor die Identität der Argentinier, sie sind die Seele der Nation. Bis heute hat sich das Leben der Gauchos nur wenig geändert. Sie gelten als Überbleibsel einer vergangenen Epoche, aber sie bleiben auch heute noch stolz im Sattel. Denn einen Ruhestand kann und will sich ein Gaucho kaum leisten.

Mit seinem selbstgeflochtenen Lasso fängt er junge Rinder ein und drückt ihnen das Brandzeichen auf. Vom Pferderücken aus treibt er große Rinderherden zusammen. Eleuterio Flores ist 72 Jahre alt und ein echter Gaucho, genauso wie sein Vater und sein Großvater es waren. Er ist stolz auf diese Tradition und auf seinen Beruf. Als Gaucho wurde er geboren und als Gaucho wird er sterben - im Sattel, so hofft er. Mit seiner Frau Ana bewohnt Eleuterio Flores eine bescheidene Hütte in der Provinz Salta, 1.500 km nordwestlich von Buenos Aires. Sie leben ohne Strom und ohne fließendes Wasser.

Sein ganzes Leben hat Eleuterio auf der Estancia El Quisto gearbeitet - einer Rinderfarm mit 4.500 Hektar hügeligem Land. Schon vor sieben Jahren hätte er in den Ruhestand gehen sollen. Doch der alte Mann reitet noch immer - er kann nicht anders. Er braucht das zusätzliche Geld, denn die $200 Rente reichen der Familie nicht. Doch viel wichtiger: Eleuterio Flores will auch gar nicht aufhören - Gaucho ist nicht nur sein Beruf, sondern sein Leben. Zusammen mit einigen jüngeren Gauchos hütet Eleuterio 500 Rinder und 100 Pferde. Der Job ist hart und seine Kollegen bewundern sein Durchhaltevermögen und seine Erfahrung. "Für mich ist die Arbeit nicht schwer", beteuert Eleuterio, "für mich ist sie einfach, denn ich bin von klein auf daran gewöhnt." Das Wissen über Tiere, Heilkräuter und das Land selbst hat Eleuterio von seinen Vorfahren geerbt: "Ich bin glücklich hier, mein Vater war ein echter Gaucho und ich folge seinem Beispiel." Deshalb lebt Eleuterio im Grunde heute noch genauso wie die Gauchos vor hundert Jahren.

"360° - Die GEO-Reportage" begleitet Eleuterio Flores, einen 72 Jahre alten Gaucho aus Leidenschaft, bei seiner Arbeit in den nördlichen Bergen Argentiniens.

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