Die Mutter der Bonobos

Eine Belgierin kümmert sich in der Demokratischen Republik Kongo um 45 verwaiste Bonobo-Affen. Eines Tages steht die erste Geburt eines Bonobos im Wildreservat an - und es kommt zu Momenten anrührender Vertrautheit

Vor zwölf Jahren hat Claudine André das "Lola ya Bonobo", das "Paradies der Bonobos" gegründet. Hier kümmern sich die Belgierin und ihre Mitarbeiterinnen um verwaiste Bonobojunge, deren Eltern als Räucherfleisch auf den Märkten kongolesischer Städte geendet sind. Claudine André erspart ihnen so ein Schicksal als Haustier, allein und eingezwängt in enge Käfige. Mittlerweile beheimatet das Reservat schon 300 Bonobos. Aber noch nie haben sich die Tierschützer über Nachwuchs freuen dürfen - sie bangen deshalb um die trächtige Etumbé. Wird alles gut gehen? Die Reportage zeigt die erste Geburt eines Bonobo-Jungen in Lola und begleitet Claudine André bei ihrem Versuch, die gefährdeten Bonobos zu schützen und ihnen wieder ein Leben in freier Natur zu ermöglichen.

Nur in der Demokratischen Republik Kongo leben die Bonobos - eine Affenart, die uns Menschen genetisch ähnlicher ist als jedes andere Tier der Erde. In dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land sind die Bonobos jedoch eine begehrte Beute - geräuchert wird ihr Fleisch auf den Märkten des Landes verkauft, während die Jungtiere den Wilderern lebendig am meisten Geld einbringen. Claudine André gründete 1993 ihre Schutzstation für Bonobos, 50 Kilometer von Kinshasa entfernt. Hier hat auch der kleine Lomami eine neue Heimat gefunden. Er ist erst vor wenigen Tagen angekommen, ist noch extrem schüchtern, meidet auch den Kontakt mit seinen Artgenossen. Wilderer haben ihm die Fingernägel rausgezogen und zwei Fingerkuppen kupiert. "Die Leute denken", erzählt seine Pflegerin, "man könne daraus einen magischen Trank machen." Nun ist Lomami erst einmal in Sicherheit. Doch langfristig sollen die Bonobos nicht im Schutzgehege Lola bleiben: Claudine André ist auf der Suche nach einem ausreichend großen und sicheren Gebiet, um die Affen später auswildern zu können.

Das ist ein schwieriges Unterfangen, denn selbst die abgelegensten Winkel des Urwaldes werden von Menschen durchstreift oder besiedelt - es gibt kaum mehr unberührte Natur. Trotzdem gibt es für Claudine André auch Grund zur Freude, denn nach zwölf Jahren Arbeit kündigt sich in Lola ein großes Ereignis an: Ein Bonoboweibchen ist trächtig - bald wird in der Station das erste Baby geboren! Die Mutter, Etumbé, stammt allerdings aus einem medizinischen Versuchslabor. Niemand weiß, ob sie ihr Junges nach der Geburt annehmen wird. Wenn es gelingt, dass Etumbé ihr Baby selbständig versorgt, wenn in der zusammengewürfelten Gruppe von Bonobo-Waisen Verwandtschaftsbeziehungen entstehen, ist Claudine André ein weiterer großer Schritt gelungen. Ein Schritt auf dem Weg, ihren Bonobos wieder ein selbstständiges Leben in freier Natur und ohne Menschen ermöglichen zu können. Noch nicht morgen - aber irgendwann in der Zukunft!

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