Ticket in ein neues Leben

Im "Lifeline-Express", der mit Ärzten und OP durch Indien zieht, finden Kranke Rettung

Die kleine Silara klammert sich an den Arm ihres Vaters. Ihre frisch operierten Füße schmerzen unter dem Gipsverband. Zwanzig Minuten hat der Eingriff gedauert, der Silara ein Leben an Krücken erspart hat. Bis vor wenigen Wochen waren ihre Eltern noch ohne jede Hoffnung, die Verwachsungen an den Füßen jemals operieren lassen zu können. Die nächste Spezialklinik ist 300 Kilometer entfernt - allein die Fahrt dorthin wäre für sie unerschwinglich gewesen. Doch dann hielt ein Zug in der Nähe, und für Silara und viele andere Kranke begann ein neues Leben.

Als der Lifeline Express im kleinen Ort Jasidhi eintrifft, belagern binnen kurzer Zeit Tausende Menschen den Zug: Blinde, Gehörlose, Opfer von Kinderlähmung. Hilfskräfte fragen die Wartenden nach ihren Krankheiten und teilen sie Behandlungsräumen zu. Für die mitgereisten Ärzte beginnt ein tagelanger Operations- und Behandlungsmarathon. Das Projekt Lifeline Express bietet medizinische Hilfe dort, wo normalerweise kein Arzt hinkommt.

Der 34jährige Arwind Kumar Deo ist für den reibungslosen Ablauf vor Ort verantwortlich. Der Sozialmanager koordiniert die Operationen, sorgt für alle nötigen Medikamente und für die Unterkünfte.

Die Hilfsorganisation des Tata Steel Konzerns, eines der größten indischen Unternehmen finanziert den vierwöchigen Aufenthalt in Jasidhi. Der Zug, der einen kompletten Operationssaal enthält, reist seit zehn Jahren durch die schwach entwickelten Regionen des Subkontinents. Über 300.000 Menschen, unter ihnen viele Kinder, wurden bisher kostenlos behandelt. Die Menschen nennen den Zug "Magic Train", weil er in den Armutsgebieten Halt macht, wo Leid und Elend alltäglich sind und menschliches Leid bedeutungslos erscheint. Das Hilfsangebot des Lifeline Express erscheint ihnen wie ein Wunder.

360°- Die GEO-Reportage begleitet die Arbeit des Lifeline Express bei seiner Station in Jasidhi und beobachtet den Organisator Arvind bei der Koordination dieses gewaltigen Unternehmens. Mit 50 000 Menschen hatte Arvind gerechnet - aber es wurden mehr.

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