Im Wald der Vampire

Ein deutscher Biologe will mithilfe von Fledermäusen den tropischen Regenwald Costa Ricas wieder aufforsten

Wenn es Nacht wird im Regenwald von Costa Rica, starten die Blutsauger zum Beutezug. Sie flattern aus ihren Baumhöhlen und attackieren Rinder der nahe gelegenen Fincas. Auch der deutsche Biologe Detlef Kelm hat mit Vampirfledermäusen seine Erfahrungen gemacht: Mehrmals wurde er von ihnen gebissen. Kelm erforscht tropische Fledermäuse - allerdings nur harmlose Fruchtfresser und Nektarsüffler. Sie sollen ihm bei einem außergewöhnlichen Projekt helfen: den Regenwald wieder aufzuforsten.

Mit Nachtsichtgerät und Infrarotkamera erforscht der Biologe Detlef Kelm nicht nur das Verhalten der Fledermäuse, er will sie auch für seine Öko-Aktion gewinnen. Mit Hilfe die Flattertiere sollen auf gerodeten Flächen wieder Bäume wachsen. Dafür baut er ihnen kleine Betonhäuser an die Waldränder. Wenn die Tiere dort einziehen, verbreiten sie genügend Blüten und Samen, um den Grundstein für einen neuen Tropenwald zu legen. Die Idee ist so simpel wie revolutionär und könnte dazu beitragen, den Dschungel vor dem endgültigen Kahlschlag zu bewahren. Denn amerikanische Konzerne haben hier in den vergangenen Jahrzehnten riesige Flächen für Bananenplantagen abgeholzt.

Detlef Kelms Idee scheint zu funktionieren. Immer mehr Bauern erlauben ihm, Fledermaushäuser auf ungenutzte Weiden und gerodete Flächen zu stellen. "Wenn die Menschen erst einmal verstanden haben, dass ich keine Vampire auf ihre Felder locke, dann lassen die sich auch für das Projekt begeistern".

"360° - Die GEO-Reportage" folgt dem Fledermaus-Forscher Detlev Kelm in den nächtlichen Regenwald, zu Vampiren und anderen Flattertieren.

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