Die Trommler von Burundi

In Burundi haben sich junge Männer eine Tradition zum Beruf gemacht: Sie schlagen Trommeln und tanzen dazu akrobatische Choreografien. Den Menschen geben diese Künstlertruppen Hoffnung auf Frieden

Ein Film von Vincent Munié

Viele junge Männer haben sich in Burundi eine uralte Tradition zum Beruf gemacht: Sie sind „Batimbos“, Trommler. Ihre riesigen Trommeln tragen sie traditionell auf dem Kopf. Getrommelt wird im Halbkreis, dazu tanzen auch schon die Jüngsten in akrobatischen Choreographien. Ihre Körper sind so gelenkig, dass sie ihre Instrumente sogar während des Laufens mit dem Fuß schlagen können. In dem kleinen afrikanischen Land, das jahrelang von Bürgerkriegen und Hungersnöten heimgesucht wurde, gelten die Trommler als Botschafter des Friedens und der Hoffnung. Die Belohung für ihre Kunst ist nicht das Geld, mit dem sie kaum Miete und Essen zahlen können, sondern die Anerkennung der Bevölkerung.

"Es ist kein wirklich schönes Leben hier, denn es fehlt uns an allem, und es ist schwer, sich und seine Familie durchzubringen", erzählt Célestin Nzeyimana. Zusammen mit seiner Frau lebt er in Bujumbura, der Hauptstadt Burundis, auf einer winzigen Parzelle. Mit Gelegenheitsjobs verdient er kaum einen Euro pro Tag. Doch sein richtiger Beruf ist Trommler. Dreimal pro Woche trifft er sich mit den anderen Mitgliedern seines Vereins Ruciteme zum Proben. Die junge Truppe - darunter auch der fünfjährige Reagan - verbringt viele Stunden mit dem Einstudieren ihrer Choreographien sowie Kraft- und Dehnungsübungen, um die akrobatischen Kunststücke fehlerfrei über die Bühne zu bringen. Ihre Vorstellungen sind immer ein besonderes Spektakel. Selbst bei spontanen Auftritten auf den Straßen Bujumburas versammeln sich Hunderte Menschen um die Künstler.

Nun freuen sich die Trommler von Ruciteme auf ein großes Ereignis: Am Tag der Unabhängigkeit werden sie im Flüchtlingsort Gatumba ein Konzert geben. Für diesen speziellen Anlass müssen die jungen Männer allerdings eine neue Leit-Trommel besorgen. Diese wird traditionell aus dem Holz des Umuvugangoma-Baumes hergestellt, der nur im Landesinneren wächst. Gemeinsam mit seinen Freunden macht sich Célestin auf den Weg zum Hügel der heiligen Trommeln. Hier wird der Baum frisch gefällt, sein Holz nach einem uralten Brauch ausgehöhlt und von der Rinde befreit – 100 Kilo wiegt die neue Trommel dann. Und auch sie muss auf dem Kopf transportiert werden – so befiehlt es die Tradition. Gewissenhaft halten sich die jungen Männer an die Rituale; schon in wenigen Tagen stellt sich heraus, ob sich ihre Mühen gelohnt haben. Beim Konzert in Gatumba wird sich die Leit-Trommel bewähren müssen.

"360° - GEO Reportage" begleitet den Trommler Célestin Nzeyimana und seine Freunde aus der Gruppe Ruciteme zu einem großen Auftritt.

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Die Trommler tragen ihre riesigen Trommeln traditionell auf dem Kopf

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