Chile - Segen und Fluch einer Kupfermine

Mitten in der Atacama-Wüste im Norden Chiles schuften 15.000 Arbeiter in der größten Kupfermine der Welt. Ihr Dorf muss nun den Schutthalden weichen und wird zur Geisterstadt.

Ein Film von Birgit Wuthe und Bernd Gerriets

Dunkelgrau ist der Himmel über dem bergigen Gebiet der Atacamawüste im Norden Chiles. Eine riesige Staubwolke liegt über Chuquicamata, der größten Kupfermine der Welt, 15.000 Bergarbeiter arbeiten dort rund um die Uhr: Sie sprengen Felswände, transportieren tonnenweise Geröll mit gigantischen Lkws und schmelzen Kupfer bei glühenden Temperaturen. Auf der ganzen Welt wird das Leichtmetall immer begehrter, so dass sich das 120 km² große Abbaugebiet immer weiter ausbreitet. Alles muss der Mine weichen, selbst die benachbarte Bergarbeiterstadt. Wo einst Leben blühte, verschütten nun nach und nach riesige Schutthalden die Straßen und Häuser der ehemals 22.000 Einwohner großen Stadt. Die Familie von Bergarbeiter Raul Alfaro ist eine von vielen, die ihr Heim verlassen müssen.

Aus dem Bauch der Kupfermine ertönt ein lautes Gewitter: Maschinen hämmern, Felswände explodieren, donnernd wird das Gestein verladen. Die Bergarbeiter von Chuquicamata müssen sich diesem Lärm Tag für Tag aussetzen. Raul Alfaro arbeitet seit 18 Jahren als Lkw-Fahrer in der Kupfermine. 3300 PS sind nötig, um sein Arbeitsgerät in Gang zu setzen. Über schmale Serpentinen transportiert er das Gestein zu den Schmelzöfen, wo aus dem glühenden Erz reines Kupfer gewonnen wird.

Mit seiner Frau Victoria und drei Kindern lebt Raul in der Bergarbeiterstadt am Rande der Kupfermine. Bis vor einiger Zeit fühlten sich hier alle wohl. "Chuquicamata war wie eine große Familie", erinnert sich seine Frau Victoria. Der Minenbetreiber Codelco übernahm für die Bergarbeiter und ihre Familien nicht nur die Mietkosten, sondern baute auch Schulen, Kindergärten und Sportstätten.

Doch mit dem chilenischen Staatskonzern kam nicht nur Segen sondern auch Fluch über Chuquicamata. Die Gesundheit der Einwohner ist durch den giftigen Mineralienstaub, der überall in der Luft liegt, gefährdet. Und da sich die Kupfermine immer weiter ausbreitet, verlieren viele Menschen ihre langjährige Heimat. Planierraupen zerstören nach und nach alle Häuser, auf den Straßen ist kaum mehr jemand zu sehen. Chuquicamta verwandelt sich allmählich in eine Geisterstadt. Auch Raul muss mit seiner Familie schweren Herzens umziehen und in der Nachbarstadt Calama einen Neuanfang wagen.

"360° - GEO Reportage" zeigt, wie die Kupfermine ihr ganzes Leben bestimmt.

dad0b73ab578c7959699f6f956860b3f

Der Transport auf den schmalen Straßen in der Kupfermine Chuquicamata erfordert von den Fahrern absolute Konzentration

Mehr zur Reportage

Hier geht es zum Sprechertext im PDF-Format