Russlands Zirkusschule auf Tour

Studenten der Moskauer Zirkusschule ziehen im Sommer durch die Provinz, um ihre Auftritte vor Publikum zu üben. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (16. Januar) um 19.30 Uhr

Ein Film von Wolfgang Mertin

Der Seligersee zwischen Moskau und St. Petersburg: Am sonst so stillen Ufer ist einiges los: junge Leute balancieren auf aufgetürmten Rollen, jonglieren mit Bällen und Ringen, machen Handstand auf Stützbalken oder verrenken ihre Körper. Es sind Studenten der Moskauer Zirkusschule, die sich hier für zwei Wochen in einer kleinen Hütte am See niedergelassen haben. Ihr Lehrer Igor Teplow, ein ehemaliger Zirkusartist, hat eine Reise organisiert, die sie in die verlassenen Dörfer rund um den See führen soll. Hier wollen sie vor dem Dorfpublikum auftreten. So fahren die angehenden Artisten jeden Tag in ein anderes Dorf, lernen die Menschen und deren Alltag abseits der Großstadt kennen.

Vor einer kleinen Hütte am See ist ein langer Frühstücktisch gedeckt, Clown Alexej jongliert mit den Frühstückseiern, unten am See putzt sich Artistin Jelena die Zähne mit Seewasser. Hier, fernab der städtischen Zivilisation, wird die junge Zirkustruppe in den kommenden zwei Wochen Ferien machen. Doch Freizeit werden sie kaum haben, denn ihrer aller Traum ist ein Engagement in den großen Zirkusarenen der Welt. Jongleur Pawel will es bis nach Monte Carlo schaffen: "Wenn man kein so hohes Ziel hat, sollte man die Finger vom Zirkus lassen", verkündet er selbstbewusst. Dafür trainiert Pawel täglich viele Stunden. Außerdem bringen die Artisten ein bisschen Trubel in das Leben der Dorfbewohner. Für die Alten und Vergessenen in den russischen Dörfern bedeuten die Auftritte der quirligen Truppe eine erfreuliche Abwechslung.

In den meisten Ortschaften leben nur noch alte Frauen – ihre Männer sind verstorben und die jungen Leute sind schon lange auf der Suche nach Arbeit in die Städte gezogen. Für eine Stunde nehmen die Artisten die russischen Großmütter mit in die Welt des großen Zirkus: Laut schallt die Musik durch das Dorf, während Jelena im weißen Tüllröckchen auf acht übereinanderliegenden Rollen schwankt. Groß ist das Staunen auch bei der biegsame Schlangenfrau Alessa, die keine Knochen zu haben scheint oder wenn Pawel seine zehn Jongleurringe durch die Luft wirbelt. Trainer Igor Teplov lacht zufrieden. Er will die Ferienreise außerdem dazu nutzen, seinen Studenten nahe zu bringen, was der Kern des Artistenlebens ist: Trainieren und Auftreten, unter welchen Bedingungen auch immer. Ob bei Sonne oder Wind, auf der Wiese oder auf einem Boot. Er will den Artisten helfen, ihre großen Träume zu verwirklichen. "Und das geht nur", sagt er "wenn wir uns selber täglich zeigen, dass wir die Besten sind!"

"360° - GEO Reportage" geht mit der Zirkustruppe rund um den russischen Seligersee auf Reisen.

1af5c98595c4b884ea9c7942e412822e

Es scheint, als habe die 17-jährige Alessa keine Knochen. Seit ihrem siebten Lebensjahr trainiert sie die außergewöhnliche Biegsamkeit ihres Körpers

Wiederholungen:

sonntags um 14 Uhr

17. Januar: Vietnams vermintes Paradies

Arte Programm

Mit weiteren Informationen zu GEO-Filmen (Links, Buchtipps, Video-Kurzfassung u.a.)