An den Ufern der Loire

Ein Maler begegnet am Ufer der Loire Menschen und Traditionen fern der hektischen Moderne. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (3. Oktober) um 20.15 Uhr und am Sonntag (11. Oktober) um 18.05 Uhr

Ein Film von Dominique Hennequin

Die Loire im Herzen Frankreichs ist einer der letzten wilden Flüsse Europas. Staudämme und Flussbegradigungen konnten bis heute verhindert werden, der Fluss windet sich über seine gesamten 1020 Kilometer durch ein natürlich geschaffenes Bett. Die Menschen an seinen Ufern haben sich eine eigene Kultur bewahrt, leben in Tuffsteinhäusern, ziehen Wein und züchten alte andernorts längst verschwundene Gemüsesorten. Ihr Leben verteidigen sie standhaft gegen moderne Einflüsse. Der Maler Jean-Jack Martin ist einer dieser Menschen, die im Rhythmus dieses längsten Flusses Frankreichs leben.

Das ganze Jahr ist der Maler und Zeichner Jean-Jack Martin an den Ufern der Loire unterwegs, um die schönsten Motive für seine Werke zu finden. Der Herbst ist jedoch auch für ihn eine ganz besondere Jahreszeit: Der Wein wird geerntet, die Vögel sammeln sich für den Flug gen Süden, und die Herbsthochwasser lassen den Fluss über die Ufer treten. In manchen Nächten um einen guten Meter. Ohne Kanal oder Staudämme verteilt sich das Wasser schnell in die toten Nebenarme. Dadurch nimmt es Schlamm und organische Stoffe in sich auf, die als Nährstoffe für die Fische dienen. Viele gibt es heute davon wieder im Fluss, etwa Welse und Meeräschen, die aus dem Atlantik gewandert kommen. Ein Segen für die Fischer. Sie liefern ihren Fang an die Restaurants der Region. Dort werden für die Loire typischen Fischspezialitäten zubereitet.

Das gesamte Leben entlang des Flusses blüht und gedeiht, auch wenn es auf den ersten Blick eher ruhig und beschaulich wirkt. Viele einheimische Bräuche und Riten haben sich bis heute gehalten, wie etwa das Boule-de-Fort-Spiel, das von den Schifferleuten der Loire erfunden wurde. Die Spielbahn ist inspiriert vom Rumpf der Schiffe, die den Fluss hinauffuhren. Jean-Jack Martin lebt im sogenannten "Tal der Könige", jenem Flussabschnitt zwischen Tours und Candes St. Martin, der von der UNESCO Jahr 2000 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. In den Schlossgärten der Region werden alte, anderswo längst vergessene Gemüsesorten gezüchtet. Doch trotz all dieser Harmonie drohen der Loire ständig Veränderungen durch Bauprojekte. Die Menschen wissen das und haben schon so manchen Kampf gegen Behörden und Reedereien geführt. Wie lange werden sie sich noch gegen deren Vorhaben durchsetzen können?

"360° - GEO Reportage" ist mit ihm die Ufer der Loire entlang gewandert und hat die Menschen am Fluss kennen gelernt, die zwar mitten in Europa leben, sich aber doch eine eigene Welt bewahrt haben.

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Jean-Jack Martin ist Zeichner und Bildhauer. Er schätzt die Loire wegen ihrer Wildheit und Ursprünglichkeit

Wiederholungen:

sonntags um 18.05 Uhr

4. Oktober 2009: Das Salz der Inkas

11. Oktober 2009: An den Ufern der Loire

18. Oktober 2009: Die Holzfäller von British Columbia

25. Oktober 2009: Ein Dorfladen reist durch Lettland

Arte Programm

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