Nicaragua - Fluch der Langustentaucher

Um an die wertvollen karibischen Langusten zu kommen, tauchen die Miskito-Indianer bis zu 40 Meter tief. Eine gefährliche Arbeit, denn die Ausrüstung ist marode und taugt kaum für seichte Gewässer

Ein Film von Frank Kleemann

Miskito-Indianer sind begnadete Taucher. Doch ihr ständiger Begleiter ist die Angst. Denn um an die wertvollen karibischen Langusten zu kommen, müssen sie bis zu 40 Meter tief tauchen – bis zu 15 Mal am Tag. Mit einer Ausrüstung, die selbst für seichte Gewässer kaum taugt: Kaputte Atemschläuche, verrostete Dichtungen, Pressluftflaschen ohne Druckanzeige. Jährlich erkranken in Nicaragua rund 100 Taucher an der Taucherkrankheit. Zum Schutz der Indianer soll das Tauchen in zwei Jahren eingestellt werden – doch dagegen wehren sich die Miskitos, denn das Tauchen ist ihre Lebensgrundlage.

Wieder bereiten sich Moncado McCanley und sein Sohn für einen Tauchgang vor – und wie die meisten der nicaraguanischen Langustentaucher haben die beiden Männer auch diesmal kein eigenes Boot. Stattdessen heuern sie auf einem großen Industrieboot an, das in den nächsten zwei Wochen Hunderte Langusten fangen will. An der Miskitoküste im Osten Nicaraguas ist das der einzige Job – und ein gut bezahlter dazu. Doch die Männer riskieren bei jedem Tauchgang ihr Leben: Die Ausrüstung auf den Booten ist uralt und meist mangelhaft.

In den letzten Jahren sind unzählige Taucher verunglückt, erlitten die gefährliche Taucherkrankheit. Sie tritt auf, wenn der Taucher nicht genug Zeit zum langsamen Auftauchen hat. Lebenslange Behinderungen oder gar Tod sind die Folgen. Die einzige Chance, so einen Tauchunfall ohne Schäden zu überstehen, ist die schnelle Behandlung in einer Dekompressionskammer – allerdings gibt es nur eine einzige an der ganzen nicaraguanischen Ostküste. Diese wurde vor Jahren durch die private Hilfsorganisation SubOceanSafety aus Miami hierher gebracht und hat bereits etlichen Indianern das Leben gerettet.

Leiter der Organisation ist der junge Amerikaner Joshua Izdepski, der den Job von seinem kürzlich verstorbenen Vater übernommen hat. Um zu helfen, inspiziert er das Krankenhaus von Puerto Cabezas, besucht kranke Taucher in den Dörfern und macht sich auf den Booten ein Bild vom jämmerlichen Tauch-Equipment der Miskitos. Angeblich zum Schutz der Indianer will die Regierung in zwei Jahren das Tauchen nach Langusten verbieten – doch dagegen wehren sich die Miskito-Indianer. Das Tauchen und Fangen der weltweit begehrten karibischen Langusten ist ihre einzige Einkommensquelle.

"360°- GEO Reportage" begleitet die Indianer auf ihren vielleicht letzten Tauchgängen und zeigt einen jungen Amerikaner, der versucht, verletzten Tauchern zu helfen.

Nicaragua - Fluch der Langustentaucher

Langustentaucher Alan Padilla mit seinem Sohn im eigenen Boot. Die Fangsaison ist fast vorbei