Neuseelands Lauf der Extreme

Eine Maori-Legende bestimmt die Strecke des Marathons entlang des 90-Mile-Beach in Neuseeland. Bis heute kämpfen viele Ureinwohner um den Sieg – doch einige auch gegen das Sport-Spektakel. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (22. August) um 20.15 Uhr und am Sonntag (30. August) um 18.05 Uhr.


Ein Film von Sven Jaax

Eine Maori-Legende bestimmt die Strecke des Ultra-Marathons. Sie erzählt von einem Jungen, der mit seinem Volk an der neuseeländischen Küste lebte. Eines Tages bat ihn seine Mutter, Süßkartoffeln für das Essen zu suchen. Statt welche auszugraben, beschloss er jedoch, sie von einem Nachbarstamm zu stehlen. Sein langer Weg den Strand entlang wird noch heute nachgelaufen – beim berühmtesten Marathon Neuseelands.

Der 90-Mile-Beach im Norden Neuseelands gilt als einer der längsten Strände der Welt. Seine genaue Länge weiß keiner, die namensgebenden 90 Meilen gelten eher als Schätzung. Dennoch ist es ein Ort für Rekorde und Rekordjäger. Einmal im Jahr findet hier der Ultra-Marathon statt, bei dem die Läufer eine Strecke von 63 Kilometern zu bewältigen haben. Die älteste und zugleich erfolgreichste Läuferin ist Lilac Flay. Die 55-jährige hat den Lauf schon mehrfach gewonnen und möchte auch diesmal ganz vorn mit dabei sein. Und das, obwohl ihr seit Tagen ihr Knie zu schaffen macht.

Symbolisch geben die Teilnehmer mit dem Lauf einst gestohlene Kartoffeln zurück, die ein Maori-Stamm einem anderen vor vielen Jahren stahl. Doch nicht alle Nachkommen der einst Geschädigten sind bereit, diese Geste anzuerkennen. Rueben Porter betrachtet das jährliche Spektakel eher als Störung der geheiligten Stätten und unternimmt alles, um den Lauf zu verhindern. Nach dem Glauben der Ureinwohner wandern die Seelen nach dem Ableben der Menschen den Strand hinunter, um sich an dessen Nordspitze von den Klippen zu stürzen. Offiziell sieht Rueben Porter sich als Verfechter der Maori-Rechte. Da aber viele Veranstalter des Laufs, wie etwa die Organisatorin Frances Piacun, ebenfalls Maoris sind, offenbart sich in diesem Konflikt die tiefe Zerrissenheit der einstigen Ureinwohner, die zwischen Tradition und Moderne, Zukunftsdenken und Vergangenheitsbewältigung schwanken. Frances und ihre Freunde betrachten die Maori-Kultur als festen Bestandteil des neuseeländischen Lebens und den Marathon als weiteren Schritt in die richtige Richtung, Rueben hingegen sieht darin eine Unterwerfung. Während Lilac Flay trotz des beschädigten Knies trainiert und Frances Piacun den Lauf vorbereitet, setzt er alles daran, den Lauf in diesem Jahr zu verhindern.

"360° - GEO Reportage" hat die Vorbereitungen zu diesem Lauf beobachtet und erlebt, wie der einstige Diebstahl noch heute die Gemüter erhitzt und die verschiedenen Stämme entzweit.

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Lilac Flay am 90-Mile-Beach. Die Athletin zählt zu den besten Läuferinnen der Südhalbkugel

Fact Sheet "Neuseelands Lauf der Extreme"

  • Der 90-Mile-Beach ist Maori-Land und einer der längsten Strände der Welt.
  • In der Gegend des 90-Mile-Beach leben noch heute fünf verschiedene Maori-Stämme.
  • Einmal im Jahr findet hier der bekannte Extrem-Marathon „Te Houtaewa Challenge“ statt.
  • Sportler aus der ganzen Welt nehmen an dem Lauf teil, der über die gesamte Strecke am Strand entlang führt.

Wiederholungen:

sonntags um 18.05 Uhr

23. August 2009: Joaquims wilde Reiter

30. August 2009: Neuseelands Lauf der Extreme

Arte Programm

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