Sardinien, Stolz und Ehre hoch zu Ross

Mit einem wilden Pferderennen ehren die Einwohner eines sardischen Hirtendorfes Anfang Juli ihren "Heiligen" Konstantin. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag, den 2. Februar um 9.40 Uhr.

Ein Film von Svea Andersson

In einem sardischen Hirtendorf findet seit mehreren hundert Jahren ein ganz besonderes Schauspiel statt: Mit einem wilden Pferderennen ehren die Einwohner von Sedilo ihrem „Heiligen“ Konstantin, der eigentlich römischer Kaiser war und ein Wegbereiter des frühen Christentums. Die sogenannte „Ardia“ von Sedilo stellt die entscheidende Schlacht Konstantins nach. Für die streng gläubigen Dorfbewohner ist dieses Rennen Anfang Juli der religiöse und gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres. Auch zehntausende Sarden und Touristen pilgern in das bergige Hinterland Sardiniens, um die einzigartige Atmosphäre der Ardia mitzuerleben.

Es sind die letzten ruhigen Tage in Sedilo, einem Bergdorf in der Mitte Sardiniens, nahe dem Lago Omodeo. Viele der rund 2400 Einwohner sind Hirten. Ihr Leben wird vom Tagesrhythmus der Tiere bestimmt. Begriffe wie Ehre und Familie haben hier große Bedeutung, lange Zeit war das Leben im Dorf aber auch von Blutrache und Entführungen überschattet. Sedilo ist ein Dorf der Reiter und Austragungsort des größten Spektakels auf Sardinien – der Ardia. Bei diesem Pferderennen geht es nicht um Geld, sondern um Ruhm und religiöse Gelübde. Schon im frühen Jugendalter haben sich die Männer aus dem Dorf dafür in das Buch des Priesters eingetragen, der jedes Jahr den ersten Fahnenträger, den Anführer des Rennens, bestimmt.

In diesem Jahr ist Don Agostinos Wahl auf Giovanni Mula, genannt „Su Bellu “- der Schöne – gefallen. Su Bellu hatte im letzten Jahr einen schweren Unfall. Eigentlich ist er noch nicht fit genug, mit Dutzenden wilden Reitern um die Kirche zu jagen. Doch er hat dem Heiligen Konstantin sein Versprechen gegeben und will es nun einhalten. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die Ardia in diesem Jahr überhaupt stattfinden wird Im letzten Jahr gab es einen tödlichem Sturz, und nun haben sich Inspektoren aus Rom angekündigt, die neue Sicherheitsauflagen fordern, wie Unfallversicherungen, tierärztliche Kontrollen und Alkoholtests. Einige der stolzen Reiter wollen das Rennen unter diesen Umständen lieber boykottieren. Su Bellu aber hofft, dass die Reiterkollegen einlenken und ihm als Hauptdarsteller eine schöne Ardia ermöglichen. Denn er weiß: In diesem Jahr werden es sein Name, seine Familienehre und sein Gelübde sein, die sich von nun an auf ewig mit der Geschichte der Ardia von Sedilo verbinden werden.

360° - GEO Reportage hat die wilden Reiter von Sedilo kennengelernt und sie während ihres riskanten Reiterspektakels begleitet.

Sardinien, Stolz und Ehre hoch zu Ross

Wiederholungen:

Samstag, den 2. Februar um 9.40 Uhr.

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