Jerusalem im Morgengrauen

Müllkonflikt: In Jerusalem hat sogar die Abfallentsorgung religiöses Konfliktpotential. Doch ein jüdischer und ein arabischer Müllmann haben es geschafft, ihr Team zwischen Heiligtümern und Unrat perfekt zu organisieren. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (28. Juli) um 19.30 Uhr und Sonntag (29. Juli) um 13 Uhr

Ein Film von Sabine Streckhardt und Lutz Neumann

In Jerusalem, der heiligen Stadt von Juden, Moslems und Christen, wird sogar die Müllentsorgung bisweilen zum religiösen Konflikt: Doch ein jüdischer und ein arabischer Müllmann haben das Kunststück geschafft, sich und die Kollegen zwischen Heiligtümern und Unrat perfekt zu organisieren.

In der Altstadt von Jerusalem leben 30.000 Menschen – Christen, Juden und Moslems – auf engstem Raum und produzieren täglich Tonnen von Müll. Nachts sind die Gassen vollgestopft mit Plastiksäcken, Kartons und Abfällen, dann ist die Heilige Stadt wahrscheinlich auch eine der dreckigsten. Jedenfalls bis Männer wie Midhat und Sharon ihren Job erledigt haben. Der Araber und der Jude befehligen jeweils eine eigene Truppe von Müllmännern. Sie mögen sich und sie brauchen sich, denn im jüdischen Viertel kommt Midhat ohne Sharon nicht aus – und umgekehrt.

Jerusalem im Morgengrauen

Zahlreiche Katzen durchwühlen den Müll in Jerusalems Altstadt, der meist offen auf der Straßen liegt. Mülltrennung gibt es hier keine

Ein kleiner Traktor kämpft sich frühmorgens die Stufen des muslimischen Viertels hinauf. Ein Mann springt ab und wirft die Säcke auf die Ladefläche des Anhängers. Der Ruf des Muezzin ertönt, dann Glockengeläut. Midhat Abu Hani muss sich beeilen, bald werden Gläubige und Touristen die Stadt fluten. Dann ist hier kein Durchkommen mehr. Der Araber ist Chef der motorisierten Müllabfuhr und für zwölf Traktoren verantwortlich, mit denen seine Truppe jeden Tag Unmengen von Unrat von den Straßen schleppt. Midhats Kollege Sharon ist Chef der Kärchertruppe und einer von 3000 Juden, die in der Altstadt arbeiten. Er wohnt mittlerweile außerhalb der Stadtmauern, aber aufgewachsen ist er hier; zwischen 25.000 Palästinensern, 500 Christen und 1.500 Armeniern. Sharon beherrscht mehrere Sprachen, was ihm das Arbeiten mit seinen meist palästinensischen Kollegen vereinfacht und ihm Respekt verschafft. Für ihn wie für Midhat beginnt die Arbeit am frühen Morgen und endet nicht vor Mitternacht. Besonders heikel ist ihr Job an religiösen Feiertagen oder bei unvorhergesehenen Zwischenfällen wie Straßensperren zu den Feiertagen der jeweiligen Religionen. Ihre Heilige Stadt sauber zu halten ist weder für Sharon noch für Midhat ein alltägliches Geschäft. Beide sehen ihren Job als persönliche Herausforderung und als einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben innerhalb der alten Mauern.

360° - GEO Reportage durfte die Mülltruppen im alltäglichen Chaos der weltberühmten Stadt begleiten.

Wiederholungen:

sonntags um 13 Uhr

29.07.2012: Jerusalem im Morgengrauen

05.08.2012: Florenz, Fußball bis aufs Blut

19.08.2012: Der Andenkondor, König der Lüfte

26.08.2012: Die letzten Cowboys der Toskana

Programmübersicht

Mit weiteren Informationen zu GEO-Filmen (Links, Buchtipps, Video-Kurzfassung u.a.)
Israel
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