Bangladesch, Schiff der Hoffnung

Das Krankenhausschiff „Friendship“ cruist mit Ärzten, Schwestern und Hebammen durch das verzweigte Flusssystem des Jamuna, um die Anwohner medizinisch zu versorgen. Die "360° - GEO Reportage" am Donnerstag, den 23. Juli um 12.25 Uhr

Ein Film von Andrea Oster

Seit jeher leben die Bengalen mit und auf dem Wasser. Jährliche Überschwemmungen bestimmen ihren Lebensrhythmus. Besonders betroffen sind die Bewohner im Norden Bangladeschs. Um auch ihnen Zugang zu ärztlicher Versorgung zu ermöglichen, reisen zwei Krankenhausschiffe durch die abgelegene Region.

Rund fünf Millionen Menschen leben im Norden Bangladeschs. Durch die häufigen Überschwemmungen gibt es hier kaum Infrastruktur. Das nächste Krankenhaus liegt oft eine Tagesreise entfernt, die Anreise mit einem Fährboot ist für viele Kranke unbezahlbar. Lange Zeit haben selbsternannte Dorfärzte und Quacksalber die Menschen behandelt. Seit einigen Jahren sind zwei Krankenhaus-Schiffe in der Region unterwegs, um die Menschen mit kostenlosen medizinischen Behandlungen zu versorgen. Ein Erfolgsmodell. 360° - GEO Reportage hat das Schiff und seinen Chefarzt James Sarkar begleitet.

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Überschwemmungen bestimmen den Lebensrhythmus der Bengalen. Bewohner der Flussinseln und Uferzonen im Norden Bangladeschs sind auf dem zum Krankenhausschiff

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Das Krankenhaus-Schiff wurde von der bengalischen Hilfsorganisation „Friendship“ eingerichtet. Die medizinische Versorgung ist kostenfrei

Von Geburt an leidet der vierjährige Ripon unter Infektionen. Inzwischen bedrohen sie das Leben des Kindes. Seine alleinerziehende Mutter hatte ihn daheim, ohne fachgerechte ärztliche Betreuung, zur Welt gebracht. Kaum ein Einwohner in dem Dorf im Norden Bangladeschs war jemals bei einem richtigen Arzt, dafür lag das nächste Krankenhaus einfach zu weit entfernt. Die Menschen haben andere Sorgen – die Schneeschmelze aus dem nahegelegenen Himalaya sorgt jedes Jahr für Überschwemmungen, vernichtet Ernten und nimmt den Menschen die Existenzgrundlage. Eine Infrastruktur gibt es nicht, das verzweigte Flusssystem des Jamuna lässt einen Transport vielerorts nur über das Wasser zu. Will jemand zu einem ausgebildeten Arzt, muss er tagelang auf dem Fluss reisen. Doch seit einigen Jahren gibt es Hoffnung für die Menschen – die bengalische Hilfsorganisation „Friendship“ hat zwei ärztliche Versorgungsschiffe in die Region geschickt. Geleitet wird die Organisation von Runa Khan, die einem alten bengalischen Adelsgeschlecht angehört. Unzufrieden mit dem Zustand in ihrem Land, das von Naturkatastrophen ebenso heimgesucht wird wie es von Misswirtschaft und Korruption betroffen ist, gründete sie vor zehn Jahren die Organisation. Vor allem Kinder sollen davon profitieren. So langsam stellt sich der Erfolg ein, Runa Khan bildet inzwischen auch Krankenschwestern und Hebammen aus. Die Akzeptanz unter der Bevölkerung steigt, auch wenn viele Angestellte auf den Schiffen weiter mit Vorurteilen kämpfen und sich etwa Krankenschwestern rechtfertigen müssen, warum sie alleinstehend unter Männern arbeiten. Diese positive Entwicklung ist der letzte Hoffnungsschimmer für den vierjährigen Ripon. Wenn man ihm auf einem Krankenhausschiff nicht helfen kann, wird es für den Jungen zu spät sein.

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Das Team um Autorin Andrea Oster (re.): Kameramann Christopher Rowe, Ton-Assistentin Luana Knipfer und Kontaktmann Wasamar Doja (v.l.n.r.)