Kanada, Indianer schreiben Geschichte

Ein historisches Gerichtsurteil hat den kanadischen Xeni Gwet'in vom Stamm der Chilcotin das Reservat zugesprochen, auf dem sie seit Jahrzehnten leben. Doch hilft ihnen ihr Sieg auch im Kampf gegen ein Minenprojekt, das neben einem ihrer heiligen Seen geplant wird? Die "360° - GEO Reportage" am Samstag, den 28. Februar um 19.30 Uhr

Ein Film von Felix Thiemer

Viele Indianerstämme Kanadas versuchen bis heute ihre Traditionen und Bräuche zu bewahren, trotz staatlicher Willkür und Landverdrängung durch die Industrie. Die Xeni Gwet'in vom Stamm der Chilcotin sind nun in einem historischen Gerichtsurteil zu Besitzern des Reservats erklärt worden, auf dem sie seit Jahrzehnten leben. Doch hilft ihnen ihr Sieg auch im Kampf gegen ein Minenprojekt, das neben einem ihrer heiligen Seen geplant wird?

Seit über 20 Jahren schon kämpfen die Xeni Gwet'in gegen eine riesige Goldmine, die die intakte Natur ihres Lebensraums bedroht. Gleichzeitig liegt der Stamm im Clinch mit dem größten Arbeitgeber des Landes, der Holzindustrie. Nachdem die Rechte der kanadischen Ureinwohner über Jahrzehnte systematisch unterdrückt wurden, gewinnen sie inzwischenwieder an Unterstützung in der Öffentlichkeit. Nun haben die Indianer des Chilcotin-Hochplateaus im Westen Kanadas endlich offiziell Land zugesprochen bekommen. 360° - GEO Reportage hat die Chilcotin in dieser entscheidenden Stunde besucht.

Kanada, Indianer schreiben Geschichte

Brad Holmes (mi.) ist der Sieger des diesjährigen Bergrennens, einem der traditionellen Wettbewerbe der Chilcotion-Indianer

Kanada, Indianer schreiben Geschichte

Die Chilcotin bekommen durch das Urteil des Obersten Gerichtshofes die volle Kontrolle über etwa 43 Prozent ihres traditionellen Territoriums, etwa 1.750 Quadratkilometer

Das spektakuläre Bergrennen gehört zu den jährlichen Höhepunkten im Leben der Chilcotin-Indianer. Mehrere wagemutige Reiter sammeln sich auf einer Bergspitze, um dann in atemberaubendem Tempo den Hang hinunter zu jagen. Kein ungefährliches Unterfangen – mehrfach gab es Schwerverletzte – aber es ist ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer indigenen Kultur. Ebenso wie das traditionelle Lachsfangen oder das Elder’s Gathering, bei dem sich alle Mitglieder des Stammes treffen und die Jüngeren in die Kunst des Ledergerbens oder Fischräucherns eingeweiht werden. Doch längst nicht mehr alle folgen dem Beispiel der Alten. Viele junge Chilcotin arbeiten inzwischen bei der örtlichen Holzindustrie oder studieren. Nicht nur die ideellen Werte des Stammes sind bedroht, die Holzindustrie greift nach den Wäldern ihres angestammten Gebietes. Vielerorts entstehen auch Minen, in denen Gold oder andere Bodenschätze gefördert werden. Die Abwässer aus dem Tagebau bedrohen das Wassersystem und vor allem den Lachs, der für die Chilcotin überlebenswichtig ist. Das spektakuläre Gerichtsurteil aus Ottawa, das einem Indianerstamm erstmals die Entscheidungsgewalt über sein Land gibt, könnte ein Neuanfang für die Chilcotin sein und den Weg für viele andere kanadischen Stämme im Kampf um ihre Rechte ebnen.

Wiederholungen:

Sonntag, den 1. März gegen 13.00 Uhr.

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