Hongkongs fliegende Küchen

Wenn es Nacht wird in Hongkong, öffnen in den hell erleuchteten Straßen rund um die Temple Street die Nachtmärkte - und mit ihnen die fliegenden Küchen. In Windeseile sind sie aufgebaut und verwandeln das ganze Viertel in ein einziges großes Schnellrestaurant. Dann gibt es keine Straßenecke mehr, an der nicht gebrutzelt und gekocht wird. Aber so schnell wie sie auftauchen, sind sie auch wieder verschwunden - ständig auf der Hut vor der Hygienepolizei
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Für umgerechnet fünfzig Cent verkauft Kim Sing Yiung an seinem mobilen Stand frittierten Tofu, ständig auf der Hut vor der Gesundheitspolizei

Mit aufmerksamem Blick schiebt Kim Sing Yiung seine fahrbare Küche vor sich her. Immer neue Kunden kommen und wollen bedient werden. Ein langer Arbeitstag und eine oft viel zu kleine Küche bringen viele Hongkonger dazu, sich ihr Essen auf der Straße zu kaufen. Wan Tans - mit Gemüse, Nüssen, Krabben oder Schweinefleisch gefüllte Teigtaschen - werden an jeder Ecke angeboten. Kim Sing Yiung verkauft duftenden Tofu, den seine Frau jeden Tag frisch vorbereitet. Eine Lizenz hat er nicht, aber mit seiner fahrbaren Küche ist er immer da, wo das Geschäft boomt. Über Handy steht er in ständigem Kontakt mit seinen drei Söhnen, die die Straßen überwachen.

Jederzeit könnte die Hygienepolizei auftauchen und Kims Wagen beschlagnahmen. Dann wäre er ruiniert, einen neuen Wagen kann er sich nicht leisten. Den Beamten vom Hygieneamt sind die mobilen Garküchen ein Dorn im Auge. Sie stören das makellose Bild der Stadt. Seit Hongkong wieder zu China gehört, ist das Klima rauer geworden. Die Stadt sähe es lieber, wenn Kim und seine Kollegen ein ordentliches Geschäft in einem der neuen "Cooked Food Centers" aufmachen würden. Aber davon hält der Straßenkoch gar nichts.

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Die Polizisten interessieren sich tagsüber weniger für die mobilen Garküchen. Ihr Augenmerk gilt vor allem den fliegenden Händlern

Viel zu teuer und steril, findet er; außerdem würde er seinen größten Vorteil - die Mobilität - aufgeben müssen. Das wäre nichts für ihn. Um die Familie zu ernähren liefert er sich jede Nacht das nervenaufreibende aber meist erfolgreiche Katz-und-Maus-Spiel mit der Hygienepolizei. Schon oft hat er sich in letzter Minute in einen der dunklen Hauseingänge gerettet.

Viel zu teuer und steril, findet er; außerdem würde er seinen größten Vorteil - die Mobilität - aufgeben müssen. Das wäre nichts für ihn. Um die Familie zu ernähren liefert er sich jede Nacht das nervenaufreibende aber meist erfolgreiche Katz-und-Maus-Spiel mit der Hygienepolizei. Schon oft hat er sich in letzter Minute in einen der dunklen Hauseingänge gerettet.

"360° - Die GEO-Reportage" begleitet Kim Sing Yiung mit seiner fahrbaren Garküche durch die nächtlichen Straßen Hongkongs.