Casino der Häuptlinge

Das größte US-Kasino ist eine sprudelnde Geldmaschine für seine Besitzer, die Pequot-Indianer

In den Wäldern Connecticuts steht ein Schloss der Illusionen: das Spielcasino Foxwoods. In seinem Innern eine riesige Meile der Träume mit exklusiven Bars, ausladenden Tischen für Roulette, Poker und Black Jack, sowie einer gigantischen Bingohalle. Wer das nötige Geld investiert, wird in dieser künstlichen Welt hofiert und erhält die Eintrittskarte ins Spieler-Schlaraffenland. Dabei waren die Herren des größten Casinos der Welt bis vor kurzem teilweise noch Sozialhilfeempfänger und in der amerikanischen Gesellschaft unbeliebt - sie gehören zum Stamm der Mashantucket Pequot Indianer.

Die Pequot-Indianer verstanden es schon immer, mit ungewöhnlichen Mitteln zu überleben. Die letzte im Reservat lebende Pequot-Frau rang kurz vor dem eigenen Tod ihrem Neffen das Versprechen ab, die verstreuten Pequots ins Reservat zurückzuführen und den Stamm vor dem Aussterben zu bewahren. Daraufhin begann dieser, Freunde und Verwandte ins Reservat zurückzuholen - die märchenhafte Auferstehung des Stammes begann. Ihre ersten Projekte waren wenig erfolgreich: Gemüseanbau und Schweinezucht brachten nicht viel Gewinn. Eine Pizzeria erzielte dann genug Einnahmen, um eine kleine Bingo-Halle zu finanzieren - der Grundstein für das heutige Spiel-Imperium. Hier treffen Spieler und Träumer zusammen, um für eine paar Stunden oder Tage dem Alltag zu.

Während im Casino die Emotionen der Spieler zwischen Euphorie und Ernüchterung pendeln, überwiegen bei den weißen Bewohnern des nahegelegenen Ledyards Frust und Neid. Sie fühlen sich deklassiert, denn die Pequot-Indianer sind heute der größte Arbeitgeber der Region. Ihnen werden Arroganz und politischer Einfluss bis auf die höchsten Ebenen nachgesagt. Doch nicht nur zwischen Weißen und Indianern kriselt es - die Pequots stehen zusätzlich in ständiger Konkurrenz mit den Mohikanern. Diese betreiben in unmittelbarer Nachbarschaft ihr eigenes Casino. Eine alte Stammesfehde wird so heute auf anderer Ebene fortgeführt.

"360° - Die GEO-Reportage" wagt einen Blick hinter die Plastikfassaden der indianischen Glücksspielwelt, wo was als Märchen begann, nun Züge eines Krimis bekommen hat.