Das Waisenhaus der Affen

In Uganda finden verwaiste Schimpansen auf einer Insel im Victoria-See eine neue Heimat

Die Insel Ngamba im Victoriasee ist ein einziges großes Waisenhaus. Unter Flusspferden und Waranen leben hier dreißig junge Schimpansen, die ohne den Schutz der Insel und die Hilfe ihrer menschlichen Betreuer sterben würden. Denn ihre Eltern wurden von Jägern getötet. Bushmeat - Affenfleisch aus dem Dschungel - gilt als Delikatesse und wird überall auf der Welt illegal unter dem Ladentisch verkauft. Zurück bleiben verstörte Schimpansenjunge, die für die Jäger zu mager und unrentabel sind - und die ohne die Anleitung ihrer Eltern das Überleben in der Wildnis nicht lernen können.

Das neu angekommene Schimpansenjunge bleibt schüchtern neben den Büschen stehen. Es beobachtet die anderen Affen, ohne Kontakt aufzunehmen. Die Augen weit geöffnet, tritt es auf den Ästen von einem Bein auf das andere. Es wohnt noch nicht lange auf der Insel Ngamba im ugandischen Teil des Victoriasees und ist eins von 30 Schimpansenwaisen, die meist als Babys hierher gebracht werden. Krank, verwahrlost und völlig traumatisiert. Denn sie leiden unter dem Verlust ihrer Eltern ähnlich wie Menschenkinder. Viele haben mitangesehen, wie Jäger ihre Familien getötet und zerstückelt haben. Doch die Affenwaisen hatten noch Glück. Sie wurden gerettet und schließlich in die Auffangstation gebracht.

Die gesamte Insel Ngamba dient seit vier Jahren als Waisenhaus, eingerichtet mit der Unterstützung vom Jane Goodall Institut. Auf einer Lichtung stehen nun die Unterkünfte der Betreuer und der Schlaf- und Eingewöhnungskäfig, in den die Affen jede Nacht zurückkehren. Auf 40 Hektar Regenwald müssen die Tiere nun von Menschen lernen, was ihre Eltern ihnen nicht mehr beibringen konnten: wie man klettert, was man essen kann und was nicht, oder wie man sich ein Nest baut. Über 250 weitere gerettete Schimpansenwaisen brauchen ein neues Zuhause - aber Ngamba ist ausgelastet: Obwohl die Tiere zusätzlich gefüttert werden, ist der Wald schon jetzt geschädigt. Die Insel ist zu klein. Doch die Mitarbeiter vom Jane Goodall Institut besichtigen schon die Nachbarinsel.

"360° - Die GEO-Reportage" beobachtet die engagierte Arbeit der Pfleger des Ngamba Waisenhauses, wo Schimpansenkinder eine neue Heimat finden.

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Der Käfig als Schutzzone - ohne die Anleitung ihrer Eltern können die Schimpansenwaisen in freier Wildbahn nicht überleben. Sie sind auf menschliche Pflege angewiesen