Die Bogenschützin von Bhutan

Im Königreich Bhutan ist Bogenschießen ein Männerritual. Doch die 25-jährige Tshering Choden zielt so gut, dass sie ihr Land bei der Olympiade vertreten darf. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (31. Juli) um 19.30 Uhr und am Sonntag (8. August) um 14 Uhr
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Mit Konzentration an die Weltspitze: Tshering Chhoden

Jedes Dorf in Bhutan hat seinen Schützenkönig, fast jeder männliche Bewohner des Landes praktiziert die Kunst mit Pfeil und Bogen - ein Relikt aus der kriegerischen Vergangenheit des buddhistischen Bergvolkes. Die Spannkraft eines Bogens kann bis zu 30 Kilogramm betragen, 145 Meter sind die Zielscheiben entfernt. Bei einem traditionellen Wettkampf treten jeweils zwei Dörfer gegeneinander an. Frauen dienen den männlichen Kontrahenten dabei lediglich zum Anfeuern. So ist es auch heute noch in Radhi, einen kleinen Dorf tief in den Bergen Bhutans, dicht an der chinesischen Grenze. Mit einer Ausnahme: der 25-jährigen Tshering Chhoden, die hier herkommt und für Olympia trainiert. Doch als Frau ist sie vom traditionellen Kräftemessen ausgeschlossen - und das, obwohl sie sich darauf vorbereitet, ihr Land vor der ganzen Welt zu präsentieren. Ihre Chancen stehen gut, denn Tshering Chhoden gilt als Virtuosin mit Pfeil und Bogen.

Bhutan, das abgeschottete Land, so groß wie die Schweiz, umgeben von vergletscherten Siebentausendern, hat sich erst in den letzten Jahren der Außenwelt geöffnet. Noch 1960 war ein fünftägiger Fußmarsch nötig, um nach Bhutan zu gelangen. Damals begann König Wangchuk mit seiner vorsichtigen Modernisierungspolitik. Bis heute bestimmen er und seine Minister, wie viel Außeneinfluss sein Volk verkraftet, ob es reif ist für Elektrizität, Fernsehen oder Tourismus. Industrialisierung wird nur geduldet, wenn sie nicht gegen die hohen Umweltstandards verstößt. Westliche Entwicklungspolitiker betrachten den Himalayastaat als Musterland, doch das Volk steht nur zum Teil hinter dem Monarchen. Viele der überdurchschnittlich gut ausgebildeten jungen Menschen - manche haben im Ausland studiert - fühlen sich von der "Ökodiktatur" des Monarchen bevormundet.

Tshering Chhodens Alltag während der Olympiavorbereitungen ist typisch für das Zusammentreffen von Tradition und Moderne in Bhutan. Fest glaubt sie an Dämonen und Hexen und daran, dass ihre Tempelbesuche und ihre Gebetsfahne auf dem hohen Himalayapass das Sportlerglück beeinflussen wird. Gleichzeitig trainiert sie mit einem professionellen Coach und moderner High-Tech-Ausrüstung. Als ein Astrologe ihr fehlendes Glück beim Ausscheidungswettbewerb in der Hauptstadt Thimphu prophezeit, ist ihre jedoch Sorge groß.

"360° - GEO Reportage" zeigt die 25-jährige Bogenschützin bei ihrem Ringen um die Teilnahme an der Olympiade.

Wiederholungen:

sonntags um 14 Uhr

01.08.2010: Kung Fu – Chinas neue Kämpferinnen

08.08.2010: Die Bogenschützin von Bhutan

15.08.2010: Vagabunden in der Wüste Gobi

22.08.2010: Der Wüstendoktor

29.08.2010: Die Falkenärztin von Abu Dhabi

Arte Programm

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