Razzia im Regenwald

Millionen Wildtiere werden jedes Jahr im Amazonasgebiet gefangen und verkauft - die meinsten davon sind streng geschützt. Nun hat eine Spezialeinheit den Kampf gegen illegale Tierhändler aufgenommen

José de Souza schlendert über einen Straßenmarkt in Rio de Janeiro. Vor ihm preisen die Händler ihre Waren an - exotische Früchte, Haushaltsgegenstände oder Geflügel. Doch Souza hat etwas anderes im Visier: Er interessiert sich für die Waren, die versteckt unter den bunten Ständen auf ihre Käufer warten - Affen, Papageien oder Schlangen, die illegal in den Wäldern Brasiliens gefangen wurden und hier unter der Hand weiter verkauft werden. Auf diese Händler hat Souza es abgesehen, ihnen will er das Handwerk legen.

José de Souza packt seinen Koffer. Seit 25 Jahren ist er Kontrolleur der Naturschutzbehörde Ibama im bergigen Hinterland von Rio de Janeiro. Jetzt soll er mit seinem Wissen und seiner Erfahrung sogar der Bundespolizei helfen. Diese plant eine große Razzia im Amazonas-Gebiet. Gerade die Regenwälder des Amazonas sind besonders artenreich, ein begehrtes Jagdgebiet für Wilderer. Von ihren Booten aus entern die Kontrolleure Kanus und sogar größere Passagierschiffe, um nach gewilderten Tieren zu suchen.

Ein nicht ungefährliches Unterfangen: Denn nicht immer geben die Wilddiebe ihre Beute freiwillig heraus. Zudem haben sie im Laufe der Jahre aufgerüstet. Kaum einer von ihnen ist heute noch ohne Waffe unterwegs, einige arbeiten im Auftrag größerer illegaler Organisationen. Gejagt wird alles, was Profit verspricht: Jaguare wegen ihres Felles, Kaimane und Schlangen wegen ihrer Haut, und Affen, weil sie besonders possierliche Hausgenossen abgeben. Und für einen Ara aus der Wildnis Brasiliens zahlt manch ein ausländischer Sammler sogar ein halbes Vermögen.

Durch Aktivitäten wie diese macht José de Souza sich natürlich nicht nur Freunde. Immer wieder erhält er Telefonanrufe, im denen er bedroht wird, nicht selten sogar mit dem Tod. Noch sieht seine Frau Ozinete die Sache pragmatisch: "Das sind doch alles keine Männer, die jemanden durch das Telefon bedrohen. Wenn sie Mumm in den Knochen hätten, würden sie vor unserem Haus stehen". Das hat bis heute zum Glück noch keiner getan. Doch die Ibama plant bereits die nächsten Aktionen.

"360° - GEO Reportage" beobachtet den brasilianischen Naturschützer Jose de Souza bei seinem Kampf gegen den verbotenen Tierhandel.

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