Wüste auf Bewährung

Straffällig gewordene Jugendliche lernen in Arizona, nach indianischen Traditionen zu leben

Im Südwesten der USA gibt man kriminellen und schwererziehbaren Jugendlichen eine ganz besondere zweite Chance. Wegen Drogendelikten oder anderen Verbrechen wären sie normalerweise in eine Strafanstalt gekommen. Stattdessen sollen sie sich in den ausgedörrten, weiten Ebenen Arizonas bewähren, sich neuen Herausforderungen stellen und das Miteinanderleben neu erlernen. Geleitet wird dieses Projekt von der "Anasazi-Foundation", die sich auf therapeutische Survivalkurse spezialisiert hat.

Die Temperaturen in der Wüste Arizonas erreichen bis zu 43 Grad. Wer nicht weiß, wo und vor allem wie er in dieser Umgebung Nahrung und Wasser findet, hat kaum eine Überlebenschance. Keine einfache Aufgabe für straffällig gewordene Jugendliche, die sich hier im Südwesten der USA zwei Monate lang behaupten müssen. Richter und Bewährungshelfer geben ihnen damit eine Chance. Unterrichtet werden sie von einem Totonac-Indianer. Ezekiel Sanchez unterweist sie in den Lehren der Anasazi, eines ausgestorbenen Indianerstammes. Der Kontakt zur Außenwelt ist strengstens untersagt, die gewohnten Annehmlichkeiten des Stadtlebens weichen der Befriedigung einfachster Grundbedürfnisse. Ziel der "Anasazi-Foundation" ist es, etwas für die Jugendlichen zu tun, bevor sie endgültig in ein kriminelles Milieu abrutschen.

Allerdings nimmt das Camp keine gewalttätigen Straftäter auf, das Risiko für alle Teilnehmer wäre zu hoch. Täglich muss die Gruppe einen Weg von etwa 15 Kilometer in der Wüste zurücklegen, denn die Anasazi betrachteten das Leben als eine Wanderung, eine große Reise. Alte Überlieferungen besagen: Wenn du voran gehst, triffst du richtige Entscheidungen, wenn du zurückgehst, die falschen. Es gibt weder Strafen noch Drohungen, den Jugendlichen soll die Möglichkeit gegeben werden, hier über sich nachzudenken. 52% der Teilnehmer werden nicht mehr rückfällig. Eine zehnmal höhere Quote als beim herkömmlichen Strafvollzug. Die extremen Bedingungen der Wüste scheinen einen geradezu heilsamen Effekt zu haben. Die Jugendlichen lernen von ihren Betreuern, mit der Natur in Einklang zu leben und die Traditionen eines Indianerstammes, der sich fast 3000 Jahre perfekt den Schwierigkeiten der Wüste angepasst hatte, zu achten und fortzuführen.

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