Die Spur der Wüstenkrokodile

In Mauretanien erforschen Wissenschaftler die Überlebensstrategdien ausgestorben geglaubter Krokodile

Die Sahara - eine lebensfeindliche Wüste, die Menschen, Tieren und Pflanzen ganz besondere Anpassungsstrategien abverlangt. Inmitten dieser schroffen Landschaft haben Wissenschaftler einen sensationellen Fund gemacht: Sie entdeckten in Mauretanien Wüstenkrokodile, die über Jahrzehnte als ausgestorben galten. Nun wird die Lebensweise dieser seltenen Tiere erforscht.

Im Winter 2000 stieß die Umweltpädagogin Tara Shine in der Wüste Mauretaniens auf eine wissenschaftliche Sensation: Sie entdeckte seit Jahrzehnten ausgestorben geglaubte Wüstenkrokodile - bis zu 2,5 Meter lange Reptilien, die mit den dreimal so großen Nilkrokodilen verwandt sind. Shine trat mit einer Gruppe von Wissenschaftlern in Kontakt, darunter auch der Biologe Hemmo Nickel vom Alexander-Koenig-Museum in Bonn. Gemeinsam untersuchen sie nun die Lebensweise der ungewöhnlichen Wüstenbewohner.

Die Krokodile leben in der Nähe von kleinen Flachwasserseen, sogenannten Tamourts, die während der kurzen Regenzeit entstehen. Die Tiere werden von den Forschern mit Sendern ausgestattet, um ihren Aufenthaltsort genau verfolgen zu können. Vermutlich wandern sie während der Trockenzeit in etwa 5 Kilometer entfernte Felstäler. Ihre Population ist zwar klein, aber ihre Überlebenschancen stehen nicht schlecht.

Die Einheimischen stellen traditionell keine unmittelbare Gefahr dar: Sie glauben, es bringe Unglück, ein Krokodil zu töten; zudem verbietet der Koran den Genuss von Krokodilfleisch. Allerdings konkurrieren Mensch und Reptil um die knappen Wasservorräte, besonders die extensive Landwirtschaft bedroht den Lebensraum der Krokodile. Eine Rückbesinnung zur ursprünglichen, von Nomaden geprägten Viehwirtschaft bietet aber sowohl den Reptilien als auch den Menschen bessere Lebensbedingungen.

"360° - Die GEO- Reportage" folgt zwei Wissenschaftlern auf den Spuren der Wüstenkrokodile in Mauretanien und berichtet über die Überlebensstrategien der ausgestorben geglaubten Tiere.

91989b813905686592b618cd3a2e3838