Unicef-Foto des Jahres

1. Preis Herausgeputzt steht dieses Mädchen Ende September 2012 auf dem blutigen Boden des häufig unter Beschuss stehenden Dar El Shifa-Hospitals in Aleppo. Umgeben von Männern mit Kalaschnikows wartet das Kind an der Hand seines Vaters auf die eigene medizinische Behandlung. Es war zu Hause hingefallen und hatte sich am Kopf verletzt

Unicef-Foto des Jahres

2. Preis Leben als Drahtseilakt: Die Langzeitstudie des indischen Fotografen Abhijit Nandi zeigt die Situation von Kindern, die durch ihre Arbeit ihren Eltern ein winziges Zubrot verschaffen müssen - als Kartenverkäufer, Kameltreiber, als Bittstellerinnen, die als Göttin verkleidet sind, oder als Seiltänzerinnen. Nach Schätzungen von Unicef gibt es in Indien mehr als 29 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren, die arbeiten müssen

Unicef-Foto des Jahres

3. Preis Die Norwegerin Andrea Gjestvang porträtierte 43 der 495 Jugendlichen, die das Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 überlebt hatten. "Mein Leben hat sich in mehr als in einer Hinsicht verändert", sagt Cecilie, die sich gemeinsam mit einer Freundin zu verstecken suchte. Ihre Freundin wurde getötet, sie selbst überlebte schwer verletzt. Die letzte Kugel stoppte an ihrem Weisheitszahn, ihr Arm musste amputiert werden. Trotzdem schätze sie jetzt das Leben und habe zu ihrem wahren Selbst gefunden

Unicef-Foto des Jahres

4. Preis Aufgerüscht, opulent frisiert, mit üppigem Make-up versehen, werden in den USA schon Zweijährige auf die Laufstege der Schönheitswettbewerbe geschickt. Die dänische Fotografin Laerke Posselt erhielt im April 2012 Zugang hinter die Kulissen solcher Wettbewerbe in Alabama, Georgia und South Carolina

Unicef-Foto des Jahres

Ehrenvolle Erwähnung Ein Junge mischt Kohle mit Wasser, um sie zu zerkleinern und zu waschen. Das Bild vermittelt eine Ahnung von den Bedingungen, die für

Kinderarbeiter in den Jaintia-Bergen im Bundesstaat von Meghalaya gelten. Wie viele Minderjährige hier schuften, ist umstritten - die indische Kinderrechtsorganisation Impulse schätzt ihre Zahl auf bis zu 70.000

Unicef-Foto des Jahres

Ehrenvolle Erwähnung Vor fünf Jahren ist die Mutter von Olga, Carolina und Sabrina nach Italien gegangen. 4.000 Euro hat sie an die Schlepper gezahlt. Sie arbeitet seitdem als private Altenpflegerin, für 850 Euro monatlich. Ihre drei Töchter lebten zunächst drei Jahre lang allein, später in diversen Familien, denen Tanja Geld schickte. Fast jedes dritte Kind wächst ohne Vater oder Mutter in der Republik Moldau auf. Manche der Zurückgelassenen sehen ihre Eltern Monate oder auch Jahre nicht

Unicef-Foto des Jahres

Eine Studentin an der Islamischen Universität Grosny betet in einem Gebetsraum für Frauen. Durfte während der Zeit der geeinten Sowjetunion der Glaube in Tschetschenien keine Rolle spielen, forciert das Regime des heutigen Präsidenten Ramzan Kadyrov die Rückbesinnung auf islamische Traditionen. Sie sollen die Moral der Gesellschaft stärken und einem "Sittenverfall" entgegenwirken

Unicef-Foto des Jahres

Ehrenvolle Erwähnung Ghana: Der Großvater von Jumma (6) war der Hexerei angeklagt. Selbst nach seinem Tod haftet der irrationale Makel an den Kindern und Kindeskindern. Die Fotografin Åsa Sjöström traf Jummas und andere Familien 2011 in einem Camp ohne Wasser und Strom im Norden des Landes. Sie waren dorthin vor Verleumdungen, körperlicher Gewalt und Androhung der Todesstrafe geflohen

Unicef-Foto des Jahres

Ehrenvolle Erwähnung Seit ihrem 15. Lebensjahr lässt sich diese inzwischen 17-Jährige Botox spritzen - ein Nervengift, das Falten glättet

Ehrenvolle Erwähnung Zubin, drei Jahre alt, ist ein spätes Opfer der Chemiekatastrophe von Bhopal, Indien. In einem Werk des US-Chemiekonzerns Union Carbid (heute DOW Chemical) gelangten im Dezember 1984 mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre. Tausende Menschen starben an den unmittelbaren Folgen. Unzählige erblindeten, erlitten Hirnschäden, Lähmungen, Lungenödeme, Herz-, Magen- und Leberleiden. Später kamen Fehlbildungen an Neugeborenen und Wachstumsstörungen bei heranwachsenden Kindern hinzu

Ehrenvolle Erwähnung Mit der Entfernung der Vorhaut werden jährlich rund 1,5 Millionen Türken offiziell in den Kreis ihrer Glaubens- und Geschlechtsgenossen aufgenommen. Das Ritual ist Pflicht, um ein vollwertiger Muslim zu sein. Neben der Hochzeitsfeier und dem Militärdienst ist es das größte gesellschaftliche Ereignis im Leben eines türkischen Mannes. Wochenlang bereiten sich Eltern, Verwandte und Freunde auf diesen besonderen Tag vor, an dem die Jungen wie Prinzen ausstaffiert werden

Der erster Preisträger, Alessio Romenzi, mit der Botschafterin des Deutschen Komitees für Unicef, Sabine Christiansen, und GEO-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede bei der Preisverleihung

Die Schrecken des Bürgerkrieges spiegeln sich im Blick des jungen Mädchens, das Alessio Romenzi in einem Krankenhaus in Aleppo fotografierte. "Das Foto des Jahres 2012 ist ein Appell an alle Konfliktparteien in Syrien, internationales Recht einzuhalten", sagte Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen bei der Preisverleihung. "Dazu gehört vor allem, dass alle Kinder zu jeder Zeit geschützt werden." Über 2,5 Millionen Menschen sind inzwischen von den Kämpfen in Syrien betroffen - die Hälfte von ihnen sind Kinder.

Den Wettbewerb richtet Unicef Deutschland gemeinsam mit der Zeitschrift GEO aus. In diesem Jahr hatten 120 nominierte Fotografen aus 37 Ländern insgesamt 1310 Bilder eingereicht.

Mehr Informationen über den Wettbewerb: www.unicef.de/aktionen/unicef-foto-des-jahres