Philippinen: Kinder ohne Väter

Das Siegerfoto aus den Philippinen wurde in Angeles City aufgenommen, eine Hochburg des Sextourismus. Ein blondes Mädchen schaut zu, wie Nachbarskinder spielen. Seine Mutter hatte den Vater im Internet kennengelernt und schickt ihm Fotos seiner Tochter, aber er unterstützt die Familie nicht. Die Frauen und Mädchen sehen sich vielfach gezwungen, ihren Körper anzubieten. Oder sie hoffen, dass die reichen, meist weißen Männer sie aus dem Elend holen werden. Doch die Männer verschwinden in der Regel, und die Kinder mit ihrer helleren Hautfarbe, ihren oft blonden Haaren und blauen Augen wachsen als Exoten auf. Die Fotografin Insa Hagemann und der Fotograf Stefan Finger, beide Jahrgang 1983, haben behutsame Porträts dieser philippinischen Kinder erstellt

Irak: Das Schicksal der Jesiden

Der zweite Preis: Der deutsche Fotograf Christian Werner war in der Grenzstadt Zacho, wohin sich tausende Jesiden-Familien geflüchtet haben. Eine katastrophale Situation vor allem für die Kinder, die unter Kälte und quälender Enge, unter Nahrungs- und Trinkwassermangel leiden

Indien: Eine Befreiung aus der Dunkelheit

Der dritte Preis: Anita Singh, fünf Jahre alt, und ihre zwölfjährige Schwester Sonia entdecken das Wunder des Lichts. Sie waren blind, mit einem Linsendefekt in ein armes Bauerndorf in einer der ärmsten Regionen Indiens hineingeboren worden. Spenden haben es ermöglicht, die beiden Mädchen am Vivekananda Mission Hospital zu operieren. Der Fotograf dieser Geschichte, der in Durban, Südafrika, geborene Brent Stirton, zählt zu den international renommiertesten Fotografen der Gegenwart

Iran: Den Kindern wieder Gesichter geben

Die Mädchen auf diesem Bild, manche zehn, manche elf Jahre alt, sind Opfer eines Feuers, das in ihrer Schule in Shin Abad im Nordwesten des Irans ausbrach. Der 1985 in Teheran geborene Fotograf Abdollah Heidari arbeitet seit 2009 für die Mehr News Agency und für eine iranische Tageszeitung, ist aber auch bei Fotofestivals in Europa und den USA vertreten

USA: Ihr erstes Gewehr

Sie heißen Abby und Lily und Benjamin, sie stehen zwischen Püppchen und rosafarbenen Tapeten – und haben eine Waffe in der Hand. Der Waffenkult in den USA ist immer noch nahezu ungebrochen. Und so erschoss 2013 ein fünfjähriger Junge in Kentucky, der mit seinem Gewehr noch nicht umgehen konnte, sein zweijähriges Schwesterchen. Die im belgischen Oudenaarde geborene Fotografin An-Sofie Kesteleyn begann mit dieser Arbeit einen Monat, nachdem sie eine Agenturmeldung über das Unglück in Kentucky gelesen hatte. Sie fotografierte dort in jenen Familien, in denen Menschen der Meinung sind, Kinder könnten nicht schnell genug an Waffen gewöhnt werden

Kenia: Der Lust und der Freude beraubt

Etwa 130 Millionen Frauen und Mädchen sind Opfer einer auf archaischen Traditionen beruhenden Praxis, weibliche Genitalien zu verstümmeln. Die finnische Fotografin Meeri Koutaniemi berichtet von den Stiefschwestern Nasirian und Isima, die in einer Massai-Gemeinschaft leben und sich einer Tradition beugen müssen, die trotz Verbots der kenianischen Regierung noch immer praktiziert wird

Spanien: Aus dem Hinterhof eines sonnigen Landes

Sie haben sie nicht verursacht, aber sie büßen: Auch in Spanien hat eine Wirtschaftskrise Kinder in die grauen Abseiten des Lebens rutschen lassen. Das zeigt sich etwa in einigen Stadtteilen Sevillas, in schäbigen Quartieren, zwischen trostlosen Mauern. Der 1974 im spanischen Baracaldo geborene Aitor Lara startete seine Fotografenkarriere 1999 und hat unter anderem in Afrika, auf Kuba, in Indien und Usbekisten gearbeitet

USA: Der Traum, berühmt zu werden

Elf Jahre alt ist Emily D. aus einer Kleinstadt in Massachusetts, USA – und sieht schon so erschöpft aus und so desillusioniert. Emily ist eines von Millionen Mädchen in den USA, die den Verlockungen der Schönheits-Industrie folgen. Die Fotografin Ilana Panich-Linsman, 1984 geboren, lebt in Austin, Texas. Eines ihrer Themen ist der Alltag gesellschaftlicher Randgruppen in den USA

Moldawien: In einem Grenzland geboren

So wie in Moldawien, dem ärmsten Land Europas, hat Kindheit weiter westlich vielleicht in den 1950er Jahren ausgesehen. Die Tretroller auf staubigen Wegen, die Rollschuhe wie von einem Antiquitäten-Trödler. Mit Reifen spielen, Ratten jagen. Auf dem Sofa viele Geschwister. Und die Eltern? Aus kaum einem anderen Land in Europa sind so viele Mütter und auch Väter in die Fremde gegangen, um sich dort zu verdingen. Manche Dörfer werden zu Geistergemeinden, Schulen schließen, Fenster werden vernagelt. Åsa Sjöström, 1976 im schwedischen Göteborg geboren, arbeitet seit 2003 als freie Fotografin für diverse Tageszeitungen und ist Mitglied der Agentur Moment