Kinder an der Grenze

Um das Herz der mazedonischen Grenztruppen zu erweichen, schicken manche Flüchtlinge Frauen und Kinder in die erste Reihe. Von hinten schieben die Massen nach, Kinder werden von ihren Eltern getrennt, teils auch von Fremden an die Hand und über die Grenze mitgenommen – während die Angehörigen nicht nachkommen können. Ein weiteres Drama in jenem großen Drama, das in Afghanistan, im Irak und in Syrien beginnt – und in Europa nicht zu Ende ist.

Nach Schätzung von UNICEF war jeder vierte der 730.000 Flüchtlinge, die von Januar bis November 2015 auf der Balkanroute in die Europäische Union kamen, ein Kind oder Jugendlicher

"Wo die Kinder schlafen"

Sie schlafen in Zelten, in Containern, in Feldlazaretten, an Straßenkreuzungen und neben den Bahnhöfen fremder Städte. Oder in einem Wald bei Horgos in Serbien - wie die fünfjährige Lamar. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer Großmutter ist sie aus Bagdad geflohen, nachdem ihr Haus von einer Bombe getroffen wurde. Erst im dritten Versuch hat es Lamars Familie geschafft, in einem Schlauchboot aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen

Palästina

"Healing and Resilience in Gaza" nennt die US-amerikanische Fotografin Heidi Levine ihre Serie, aus der dieses Bild stammt. Sie fotografierte dafür auch den fünfjährigen Badruddin, der hier zu seinem bei einem israelischen Bombenangriff schwer verwundeten Vater aufschaut

Darfur

Die US-amerikanische Fotografin Adriane Ohanesian, seit langem in Nairobi lebend, dokumentiert seit 2010 das Schicksal der Menschen in Darfur - einer Kriegsregion, die wegen der vielen anderen Krisenherde kaum noch die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf sich zieht. Eines seiner Opfer: der Junge Adam, der bei einem Bombenangriff schwerste Verbrennungen erlitt

Flucht durch den Stacheldraht

Zwischen dem 13. und 15. Juni 2015 versuchen Tausende Menschen, vor den Gefechten zwischen kurdischen Kämpfern und den Terroristen des IS bei der Stadt Tal Abyad in die Türkei zu fliehen. Doch das Land, in das sich bereits annähernd zwei Millionen Flüchtlinge gerettet haben, schließt die Grenze

Endlich mal die Väter!

Der Fotograf Johan Bävman hat den Alltag jener schwedischen Männer begleitet, die sich für einen mindestens sechsmonatigen Ausstieg aus der Erwerbsarbeit entschieden haben - mit dem Ziel, wie Bävman sagt, mehr Väter zu animieren, gemeinsam ihre Babys zu Hause zu begleiten

Du darfst du sein

Was die US-amerikanische Fotografin Lindsay Morris beobachten konnte, ist eine Seltenheit: ein Camp, in dem Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren vier Tage lang nach Herzenslust Mädchen sein durften. Ohne sich schämen zu müssen, ohne peinlich berührte Eltern, ohne irritierte Lehrer. Denn es gibt diese so genannten geschlechtsvarianten Kinder. Kinder mit dem Gefühl, mal im richtigen, mal im falschen Körper zu stecken: "gender-nonconforming children"

Sehnsucht nach dem Erwachsensein

Megan Chloe Lovell ist mit 20 Jahren die jüngste der ausgezeichneten Fotografinnen. In sensiblen Bildern sensiblen Bildern hat sie sich dem Alltag und den stillen Nöten ihrer achtjährigen Schwester zugewandt

Kein Weg zu weit zur Schule

Im Schulbus zur Schule oder im SUV der Mutter? So etwas kennen die Kinder in den iranischen Talesch-Bergen nicht einmal vom Hörensagen. Hier, in der Provinz Gilan, kraxeln sie oft auf abenteuerlichen Pfaden und täglich über Stunden zu winzigen Schulen, deren Klassenzimmer so klein sind wie Hühnerställe, so niedrig wie Bergwerkstollen - oder ganz einfach ein Stück Erde im Wald

Kinderarbeit

Die afghanische Fotografin Rada Akbar hat arbeitende Kinder in ihrem Heimatland porträtiert. Jungen und Mädchen. Vierzehnjährige, siebenjährige, sechsjährige, fünfjährige Kinder, die für umgerechnet einen bis anderthalb Euro am Tag Müll einsammeln, in Ziegeleien und auf Feldern arbeiten, Schuhe flicken - und davon träumen, Pilot zu werden, Lehrer, Arzt, Ingenieur

Kein Erbarmen mit den Kindern

Dem Fotograf Sadegh Souri gelang es, 13- bis 18-jährige Delinquentinnen in einem Jugendgefängnis in Zibashahr nahe Teheran, Iran, zu fotografieren. Manchen droht sogar die Todesstrafe, etwa wegen Drogenbesitzes oder bewaffneter Überfälle. Vollstreckt werden kann sie nach ihrem achtzehnten Geburtstag - ein "Zugeständnis" an die internationale Öffentlichkeit

"Georgi Licovski fängt in seinem Bild wie in einem Brennglas die Verzweiflung von Kindern auf der Flucht ein", sagte die Schirmherrin von UNICEF Deutschland, Daniela Schadt, bei der Präsentation des UNICEF-Fotos des Jahres 2015 in Berlin. "Das Foto ist eine Momentaufnahme, die Europas Dilemma und Europas Verantwortung zugleich festhält." Der Fotograf hielt den Moment fest, als am 21. August 2015 zwei Kinder zwischen vordringenden Menschenmassen und Grenztruppen von ihren Eltern getrennt wurden.

Bei der Preisverleihung sprach Peter-Matthias Gaede, Vorstandsmitglied von UNICEF Deutschland, auch über das Problem der Ethik in der Pressefotografie. So hatte etwa das Bild eines toten kurdischen Flüchtlingsjungen für Diskussionen gesorgt. "Wir brauchen solche Bilder, auch wenn sie wehtun. Auch wenn sie stören und verstören. Denn so sehr auch Menschen sagen mögen, man könne sich das Leiden in der Welt schon vorstellen, man müsse es nicht auch noch sehen - ich glaube, vorstellen können sie es sich doch erst dann, wenn sie es auch sehen", sagte Gaede.

Mit der Auszeichnung "UNICEF-Foto des Jahres" prämieren UNICEF Deutschland und das Magazin GEO einmal im Jahr Fotos und Fotoreportagen von professionellen Fotografinnen und Fotografen, die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren.

Mehr Informationen über den Wettbewerb: unicef.de/foto

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