#11  
Alt 05.05.2009, 08:45
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Impfstoff gegen Schweinegrippe:

[url]http://www.teletrader.com/_news/newsdetail.asp?id=6630380[/url]

Zitat:
Montag, 4. Mai 2009 20:10

GENEART synthetisiert Gene für Schweinegrippe-Impfstoff in Rekordzeit

Corporate news- Mitteilung verarbeitet und übermittelt durch Hugin. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich. -------------------------------------------------------------------- -- --------------

- Erste Gene des H1N1 Stamms (Schweinegrippe) bereits am Freitag, den 1. Mai 2009 an eines der Top 10 Pharmaunternehmen ausgeliefert - GENEART Notfallplan ermöglicht Produktionszeiten von 3 bis 5 Tagen - 10 weitere H1N1 Gene aus später platzierten Aufträgen wurden Anfang dieser Woche fertig gestellt, u.a. für das Robert Koch-Institut - Gensynthese bietet schnellstmöglichen und sicheren Zugang zu Impfstoffen - auch ohne hochinfektiöses Patientenmaterial

Regensburg, 5. Mai 2009 - Die GENEART AG, Weltmarktführer für Gensynthese und Spezialist in der Synthetischen Biologie hat Gene für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die so genannte Schweinegrippe in Rekordzeit u.a. für eine der Top 10 Pharmafirmen produziert. Diese Gene wurden innerhalb von 3 bis 5 Tagen hergestellt und bereits am 1. Mai 2009 ausgeliefert. Eines dieser Gene war mehr als 1.800 Basenpaare lang. 10 weitere Gene, die u.a. das Robert Koch-Institut (RKI - zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und prävention) Mitte letzter Woche in Auftrag gegeben hatte, wurden Anfang dieser Woche fertig gestellt. Bei den auf der GeneAssembler® Syntheseplattform in Rekordzeit produzierten Genen handelt es sich u.a. um Varianten von Hüllproteinen des als Schweinegrippe bezeichneten H1N1 Stamms. Sie wurden auf Grundlage der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Gensequenzdaten des H1N1-Virus bei GENEART in Auftrag gegeben.

"Die Gensynthese ermöglicht im Fall einer drohenden Pandemie den schnellstmöglichen, sichersten und effizientesten Zugang zu Impfstoffen, da auf hochinfektiöses Probenmaterial von Patienten verzichtet werden kann. Durch einen eigens bei GENEART aufgesetzten Notfallplan können benötigte Gene innerhalb kürzester Zeit hergestellt werden - auch an Feiertagen und Wochenenden. Die Gensynthese hat damit erneut ihre herausragende Bedeutung für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente unter Beweis gestellt", sagt Prof. Dr. Ralf Wagner, Vorstandsvorsitzender und CSO der GENEART. Kontakt für weitere Informationen:

Dr. Karoline Stürmer GENEART AG Josef-Engert-Str. 11 93053 Regensburg Tel.: +49-(0)941-942 76-417 Fax: +49-(0)941-942 76-711 [email]ir@geneart.com[/email] [url]www.geneart.com[/url]

Frank Ostermair Better Orange IR & HV AG Haidelweg 48 81241 München Tel.: +49-(0)89-88 96 906-10 Fax: +49-(0)89-88 96 906-66 [email]info@better-orange.de[/email] [url]www.better-orange.de[/url]

Rechtlicher Hinweis Dieses Dokument kann Schätzungen, Prognosen und Annahmen im Hinblick auf unternehmerische Pläne und Zielsetzungen, Produkte oder Dienstleistungen, zukünftige Ergebnisse oder diesen zugrunde liegenden oder darauf bezogene Annahmen enthalten. Jede dieser in die Zukunft gerichteten Angaben unterliegt Risiken und Ungewissheiten, die nicht vorhersehbar sind und außerhalb des Kontrollbereichs der GENEART AG liegen. Viele Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse wesentlich von denen abweichen, die in diesen zukunftsgerichteten Angaben enthalten sind.


Hintergrundinformation:

Über die GENEART AG: Seit dem Markteintritt im Jahre 2000 hat sich GENEART zum Weltmarktführer bei der Herstellung synthetischer Gene entwickelt und ist heute einer der weltweit führenden Spezialisten in der Synthetischen Biologie. Das Unternehmen stellt Schlüsseltechnologien für die Entwicklung und Herstellung neuer Therapeutika und Impfstoffe bereit. Gleichzeitig verwenden Kunden die GENEART Dienstleistungen zur Verbesserung von Enzymen z.B. als Waschmittelzusätze und zur Konstruktion von Bakterien, die komplexe Biopolymere herstellen oder abbauen (z.B. Kunststoffe, Erdöl etc.). Das Leistungsspektrum reicht damit von der Herstellung synthetischer Gene nach DIN EN ISO 9001:2000, über die Generierung von Genbibliotheken in der kombinatorischen Biologie bis hin zur Produktion und Entwicklung DNA basierter Wirkstoffe. Das Unternehmen mit über 190 Mitarbeitern in Regensburg und bei den Tochtergesellschaften GENEART Inc. in Toronto/Kanada und GENEART Inc. in San Francisco/USA ist seit Mai 2006 an der Deutschen Börse gelistet.

--- Ende der Mitteilung ---

Geneart AG Josef-Engert-Str.11 Regensburg Deutschland

WKN: A0JJ4L; ISIN: DE000A0JJ4L4; Notiert: Freiverkehr in Börse Düsseldorf, Freiverkehr in Börse Berlin, Open Market in Frankfurter Wertpapierbörse, Freiverkehr in Börse Stuttgart;

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Alt 02.01.2010, 08:22
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Kunstmammut?

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Wer wäre begeistert, wenn das Mammut durch die Tundra Russlands erneut weidete?

Zitat:
Das Mammut kehrt zurück (Teil 1)
Von Michael Lange
Sie streiften in riesigen Herden über die Steppen der Nordhalbkugel, bis sie vor 10.000 Jahren, am Ende der Eiszeit, plötzlich verschwanden. Für immer, so glaubte man. Doch was, wenn es Wege gäbe, sie wiederauferstehen zu lassen?
Einen solchen Ansturm hat der Zoologische Garten noch nie erlebt. In der ganzen Stadt werben Plakate für eine nie da gewesene Attraktion. Aufschriften wie "Endlich, Haari ist da!" oder "Rat mal, wer aus der Eiszeit kommt?" haben Zehntausende angelockt. Alle drängen sich vor den Kassenhäuschen. "Das hat die Welt noch nicht gesehen", verkündet ein Lautsprecher: "Ein echtes, ein lebendiges Mammut. Klein, aber haarig."



Schuster:
"Vor drei Jahren hätte ich gesagt: Unmöglich! Aber momentan findet ein revolutionärer Fortschritt in vielen Bereichen der Molekularbiologie statt, und deshalb denke ich heute, zum jetzigen Zeitpunkt, dass es nicht mehr unmöglich ist."


....
...
...
Die Erinnerung an das Mammut scheint fest verankert im kollektiven Gedächtnis der Menschheit. Nicht zuletzt träumen auch deshalb viele Wissenschaftler von seiner Rückkehr. Aber die neue Forschungsrichtung der Synthetischen Biologie steht noch am Anfang. Vielleicht ergeben sich schon bald neue Möglichkeiten, um ausgestorbene Tierarten wieder zu beleben. Besondere Hoffnungen ruhen auf einem dritten Weg, einer Art Abkürzung zum lebenden Mammut. Eine andere, noch lebende, Tierart könnte Hilfestellung leisten. Am besten ein möglichst naher Verwandter, erklärt Alexei Tikhonov, der Mammut-Experte vom Zoologischen Museum in Sankt Petersburg.

Schuster:


"Wenn wir das entzifferte Mammut-Genom mit dem lebender Elefanten vergleichen. Dann sehen wir, dass der Unterschied sehr gering ist. Also nehmen wir einfach die lebende Zelle eines Afrikanischen oder Indischen Elefanten und ändern die Gene so lange, bis der Elefanten ein Genom besitzt, das absolut identisch ist mit dem eines Mammuts."



An den Methoden zur Mehrfach-Manipulation wird gearbeitet. 


......dass Wissenschaftler eines Tages das ausgestorbene Mammut wiederauferstehen lassen könnten. Doch immer wieder wurden die Hoffnungen enttäuscht. Die gefunden Zellen waren zu schlecht, oder die Methoden nicht ausgereift. Doch nun gibt es einen neuen Weg, auf dem das Mammut schon bald zurückkehren könnte. 



Grundlage für die Auferstehung des Mammuts ist das vollständige Genom: Die Reihenfolge der einzelnen Buchstaben im Erbgut. Mehr als 70 Prozent des Mammut-Erbguts sind seit Ende 2008 bekannt. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde. Und jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes, bis auch der Rest in den Computern der Genforscher fehlerfrei gespeichert ist. Stephan Schuster und sein Team an der Pennsylvania State University haben bereits begonnen, eine zweite, vollständigere Version zu erstellen. Noch im Jahr 2010 soll sie vorliegen. Die stupide Arbeit der Sequenzierung erledigen Automaten und Computer. Unterdessen versuchen die Forscher, die vorliegenden Daten auszuwerten.

Schuster:


"Durch die Daten, die wir jetzt sammeln konnten, haben wir Vergleiche gemacht zu 50 heute bereits sequenzierten Wirbeltierarten, die meisten davon Säugetiere. Und es gibt Regionen, in diesen Genomen, die als ultrakonserviert bezeichnet werden. Das heißt: Diese Bereiche in diesem Genom sind identisch auf Aminosäureniveau in allen untersuchten Tierarten. Und nur im Mammut finden wir jetzt Bereiche, einzelne Aminosäuren, die anders sind."


Das bedeutet: Das Mammut-Genom ist einzigartig und sehr ursprünglich. Besonders interessieren sich die Forscher für die Abweichungen und Übereinstimmungen des Mammuts zu seinen nächsten lebenden Verwandten, den Elefanten. Ist ein Mammut im Grunde ein Elefant mit Fell? Erste genetische Analysen haben ergeben: Elefanten weisen eine hohe genetische Übereinstimmung mit dem Mammut auf. Der Unterschied beträgt nach ersten Schätzungen weniger als ein Prozent. Beim Asiatischen oder Indischen Elefanten etwas weniger, beim Afrikanischen Elefanten etwas mehr. 


Würde man in einem Elefanten-Erbgut alle Unterschiede so verändern, dass sie dem Mammut-Bauplan entsprechen, entstünde aus einem Elefanten ein Mammut. Zunächst ist das nicht mehr als ein Gedankenspiel, an dem sich auch der Molekularbiologe Stephan Schuster gerne beteiligt. 

"Was wir scherzhaft nennen: reverse engineering. Also, dass wir versuchen herauszufinden, welche Veränderungen müssen wir in einen Asiatischen Elefanten einführen, dass er mehr mammutartig wird. Also eine Mammutifizierung eines Indischen Elefanten"


Für viele Wissenschaftler steht fest: Der Weg zum Mammut führt über den Elefanten. Wahrscheinlich ist dessen Mammutifizierung einfacher und sicherer als das Mammut aus künstlich hergestellter DNA neu zu erschaffen.

Schuster:


"Um so etwas mit einem Mammut zu machen, müsste man minimal 400.000 Änderungen durchführen und maximal mehrere Millionen."



Seit den 70er-Jahren können Gentechniker einzelne Gene von einer Art in eine andere verpflanzen. Mit Hilfe von Viren oder kleinen Erbgutringen, so genannten Plasmiden, übertragen sie kleine Erbgutabschnitte aus 1000 oder 2000 Bausteinen. Mit dieser Technik könnte man schon heute eines der über 20.000 Mammut-Gene synthetisch herstellen und in eine andere Art verpflanzen. Aber eben nur ein Gen.

Schuster:


"Also, man kann einfach diese Kopie mit Hilfe der PCR Methode in viele, viele Kopien vervielfachen. Und was dann trivial wäre, das einem Bakterium einzupflanzen. Aber man könnte auch relativ einfach eine transgene Maus machen, die dann die Kopie eines Mammut-Gens trägt."


Statt einer Maus könnte aber auch ein Elefant als Empfänger dienen. Das Ergebnis wäre ein Elefant mit 19.999 Elefanten-Genen und einem Mammut-Gen. So ließe sich zum Beispiel untersuchen, welche konkrete Rolle ein einzelnes Gen im Mammut-Stoffwechsel spielt. Aber mit der Rekonstruktion eines ganzen Tieres hat das natürlich nichts zu tun. Erst nach Genmanipulationen und vielen Generationen entstünde nach und nach ein Mammut.

Schuster:


"Momentan sind wir nicht so weit, dass das technisch möglich wäre. Man kann sich das auf dem Papier überlegen, und es gibt auch inzwischen unter den Kollegen keine Widerstände mehr. Aber es gibt noch mehrere technische Hürden, die überwunden werden müssen, bis es dann letztlich so weit ist."



Man müsste also viele Gene gleichzeitig übertragen, so dass Millionen Erbgutbausteine verändert würden. Auch darüber haben sich Wissenschaftler bereits Gedanken gemacht. Forscher aus Japan und den USA haben bereits vor etwa 20 Jahren künstliche Hefechromosomen entwickelt. Auf diesen so genannten Mikro-Chromosomen lassen sich viele Hundert oder sogar Tausend Gene unterbringen.
Das sind Hunderttausende, manchmal Millionen Erbgutbausteine. Die Mikrochromosomen finden in der Tierzucht Verwendung. Bei der Firma Hematech in South Dakota werden sie genutzt, um Rinder mit einem menschlichen Immunsystem zu züchten. Die Nutztiere sollen so zu Impfstoff-Lieferanten für den Menschen werden. 



"Gentechnische Eingriffe beschränken sich meist auf ein paar Tausend Basenpaare. Aber wir mussten Millionen Basenpaare einschleusen."


James Robl hat sich als Klonexperte für Rinder einen Namen gemacht. Der Universitätsprofessor ist Gründer der Firma Hematech mit Sitz in Sioux Falls in South Dakota. Während er an seinem Schreibtisch sitzt, schaut eine Kunststoff-Kuh über seine Schulter. 



"Wir mussten ein neues Chromosom bauen, das wir zum Rinder-Erbgut hinzufügten. Normalerweise besitzen Kühe 60 Chromosomen. Unsere Rinder haben 61 Chromosomen. Das zusätzliche Chromosom besitzt etwa 25 bis 30 Millionen Basenpaare. Damit ist es ein sehr kleines Chromosom, verglichen mit natürlichen Chromosomen. Aber es reicht aus, um die Erbinformation für über 1000 Gene zu tragen. Das heißt für die heutige Gentechnik ist es riesig. Wir haben dieses Chromosom mit Hilfe von Hefezellen hergestellt. Wichtig ist, dass es alle Elemente besitzt, um sich bei einer Zellteilung zu verdoppeln, so dass nach einer Zellteilung beide Tochterzellen ein Mikro-Chromosom erhalten."



Tatsächlich entwickelten einige Rinder Teile eines menschlichen Immunsystems und produzierten menschliche Antikörper. Die Nachkommen dieser Tiere jedoch hatten diese Fähigkeit wieder verloren. Das künstliche Chromosom war bei der Fortpflanzung verloren gegangen. Nur durch Klontechnik konnten die Forscher weitere Rinder mit zusätzlichen, menschlichen Chromosomen züchten. Der ursprüngliche Plan, Rinder als Impfstoff-Lieferanten für den Menschen zu nutzen, ließ sich bislang nicht verwirklichen, muss James Robl eingestehen. Dennoch äußert er sich auch nach zehn Jahn Forschung optimistisch. 


ff
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  #13  
Alt 02.01.2010, 08:43
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Zitat:
"Die Technik ist nicht gerade einfach. Sie ist extrem kompliziert, auch heute noch. Deshalb arbeiten wir seit einigen Jahren mit dem japanischen Nahrungsmittel- und Pharmakonzern Kirin zusammen. Die Forscher dort in Tokio haben die meisten Erfahrungen mit Mikrochromosomen. Es ist schwierig, die richtigen Gene in einem Chromosom zusammen zu bringen und die entsprechenden Erbanlagen im Empfänger auszuschalten. Aber wir haben es bereits mehrfach geschafft. Einige unserer veränderten Kühe mit künstlichen Chromosomen sind bereits fünf oder sechs Jahre alt."



Die von James Robl gegründete Firma Hematech wurde inzwischen vom japanischen Konzern Kirin aufgekauft. Geforscht wird weiter, aber zu den Erfolgsaussichten, will sich die Kirin-Konzernleitung nicht äußern. Sollte diese Technik eines Tages eingesetzt werden, um ein Mammut zu erschaffen, müssten alle typischen Mammutgene auf einem künstlichen Mikrochromosom vereinigt werden. Gleichzeitig müssten die entsprechenden Gene des Elefantengenoms ausgeschaltet werden. Extrem viel Kleinarbeit, die im Labor von Hand gemacht werden müsste. Ergebnis ungewiss. 


...Der amerikanische Genom-Forscher George Church von der Harvard Medical School in Boston hat zum Thema "Rückkehr des Mammuts" eine eigene Idee. Seine Philosophie lautet: Automatisierung. Und dann konstruiert das Leben sich selbst. 



"Sie können die genetischen Veränderungen gewissermaßen im laufenden Betrieb durchführen. Also, während die Zellen leben und sich teilen. Das ist, als ob man bei seinem Auto neue Teile einbaut, ohne anzuhalten. Das ist die beste Art, um Säugetiere gentechnisch zu verändern."


Fiktiv: Mammut-Nachrichten. In aller Kürze. Genetiker der Harvard Medical School in Boston stellen im Fachblatt "Nature" eine neue Methode der Genmanipulation vor. Das Team um George Church hat eine Methode entwickelt, mit der sich viele Hundert genetische Veränderungen parallel durchführen lassen. Ihr Verfahren nennen sie Multiplex-Genom-Technik. Sie haben es zunächst an Bakterien der Art Escherichia coli erprobt. Nach Angaben des Entwicklers George Church lässt sich die gleiche Methode auf Säugetierzellen übertragen. So sei es nun prinzipiell möglich aus der Zelle eines Elefanten eine Mammutzelle zu machen, erklärte Church gegenüber der New York Times.


George Church ist einer der Stars einer neuen Forschungsrichtung: der Synthetischen Biologie. Fast so etwas wie ein Guru. Er äußert sich häufig zu theoretischen Fragen der Wissenschaft, denkt über neue Methoden nach, und wie sie die Welt verändern könnten. Er wirkt stets ruhig und gelassen. Nur gelegentlich genießt er es, zu provozieren. 



"Wir haben eine Methode entwickelt, die mehrere Hundert genetische Veränderungen parallel durchführt. Die DNA-Erbmoleküle, die so entstehen, sind nicht wirklich synthetisch. Wir könnten jetzt Gensequenzen vom Elefanten nehmen und automatisch verändern. Danach ist es keine Elefanten-DNA mehr, sondern irgendetwas anderes. Was immer Sie wollen. Das Erbmaterial verpflanzen Sie in eine Elefanten-Stammzelle, aus der wird ein neues Tier. Aus einer einzelnen Zelle können sie dann ein ganzes Mammut machen."


Das Geheimnis steckt in einem unscheinbaren Apparat auf einer Laborbank im Raum neben George Churchs Büro. Das Gerät ist nicht größer als ein Laser-Drucker. Mehrere Dutzend dünne Schläuche verbinden verschiedene Reaktionsgefäße. Nichts bewegt sich, nur manchmal leuchtet ein rotes oder weißes Signal. Daran angeschlossen ein gewöhnliches Notebook. Damit lässt sich der Wunderkasten steuern.

Church:


"Der ganze Prozess ist automatisiert. Die DNA befindet sich auf einem Chip. Es handelt sich nicht um ein paar Hundert Basenpaare sondern um 100.000. Die Erbinformationen werden nach und nach so verändert, wie der Computer es vorgibt. Dann geben wir diese veränderte DNA in eine Elefantenzelle - mit den Standardmethoden der Gentechnik. Das machen wir mehrfach und langsam wird aus der Elefantenzelle eine Mammutzelle."


Das hört sich so an, als könne man das Erbgut eines Elefanten einfach umändern, wie einzelne Buchstaben bei der Textverarbeitung im Computer. Man streiche ein G und setze stattdessen ein C. Für George Church - alles kein Problem. Wie der Apparat die Änderungen stets an den richtigen Stellen durchführt, bleibt unklar. Auch eine andere Schwierigkeit erwähnt er nur im Nebensatz: Um aus einer einzelnen Zelle einen ganzen Elefanten zu machen, muss diese Zelle embryonale Eigenschaften besitzen. Sie muss totipotent sein. Das heißt: Die biologischen Schalter im Erbmaterial müssen so eingestellt sein, dass aus der Zelle ein ganzes Lebewesen entstehen kann. Nur wenige Zellen besitzen diese Eigenschaft. Befruchtete Eizellen, aber auch embryonale Stammzellen. Neuerdings gibt es noch einen weiteren Zelltyp,der in Frage kommt: Reprogrammierte Körperzellen, so genannte IPS-Zellen. 


Mammut-Nachrichten. In aller Kürze. Chinesische Forscher erschaffen erstmals Mäuse aus umprogrammierten Körperzellen. Die Herstellung dieser sogenannten IPS-Zellen hatte im Jahr 2007 Euphorie ausgelöst. Wissenschaftler der Universität Kyoto hatten durch das Einschleusen genetischer Faktoren aus Hautzellen neue Zellen gemacht, deren Eigenschaften denen embryonaler Stammzellen ähnelten. Nun konnten daraus erstmals lebensfähige Tiere hergestellt werden. Die erste durch diese Methode erzeugte Maus erhielt den Namen: Xiao Xiao. Das bedeutet winzig.



George Church spricht so, als ginge es bei seiner Forschung bereits um die Wiedererschaffung des Mammuts. Dabei hat er nie mit Elefantenzellen gearbeitet. Die an seinem Labor entwickelten Techniken wurden ausschließlich an Bakterien ausprobiert. Dennoch ist George Church überzeugt, dass sein Verfahren den Weg aufzeigt zur Rückkehr der Eiszeitriesen. Gerne lässt er sich mit einem "synthetischen" Mammut aus Plüsch fotografieren. Keine Frage: Church selbst freut sich auf die Rückkehr des Mammuts. 



"Es könnte sein, dass wir zuerst einen kleinen Testlauf machen. Wie wäre es mit einem Elefanten mit längeren Stoßzähnen und ein wenig Haarwuchs. Dann werden wir sehen, wie die Öffentlichkeit auf dieses Tier reagiert. Ich glaube, dass die ersten Tiere, die so entstehen, in Zoos leben werden. Aber wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir sie auswildern können. Nur so werden wir ausgestorbene Arten wirklich zurückbringen."


Schließlich, so ergänzt er, sei der Mensch für das Verschwinden vieler Arten verantwortlich, da könne er auch einige zurück bringen. 

"Viele ökologische Studien haben gezeigt, wie wichtig die Artenvielfalt für unsere Ökosysteme ist. Wir brauchen so viel Vielfalt wie möglich. Und deshalb sollten wir lernen, alte Arten zurückzuholen oder neue zu erschaffen."


In Berlin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung schüttelt man den Kopf über solche Äußerungen. Viel effizienter wäre es, so viel wie irgend möglich von der heutigen Vielfalt zu erhalten. Dennoch: Das Mammut-Projekt stößt auch hier auf Interesse. 

"Ich denke, es ist ein extrem interessantes Projekt. Und es zeigt sich, dass viele Dinge, die vorher überhaupt nicht denkbar waren hinsichtlich der Gentechnik und der Rekonstruktion des Genoms, heute oder in naher Zukunft realisierbar sind.

"

Thomas Hildebrandt wird häufig zu Hilfe gerufen, wenn in einem Zoo eine schwierige Elefantengeburt bevorsteht. In seinem Büro wimmelt es nur so von Elefanten: Gemalt, fotografiert und als Modell aus Holz, Kunststoff oder Metall. Die meisten sind Geschenke verschiedener Zoos, als Dank für eine erfolgreiche Geburtshilfe. 



"Wenn ein Mammut-Projekt aus der Taufe gehoben wird, dann sind wir dabei, weil wir die Fortpflanzungsspezialisten in der Welt sind."



Thomas Hildebrandt interessiert sich für alle Elefanten, und ein Mammut ist für ihn zunächst ein Elefant. Elefanten unterschiedlicher Arten können sich im Prinzip sogar miteinander paaren. Auch wenn sie so unterschiedlich aussehen wie Asiatische und Afrikanische Elefanten.



"Und es gab auch die erfolgreiche Geburt eines Hybriden, der dann leider zehn Tage später gestorben ist. Also die theoretische Möglichkeit, dass ein Mammut in einem Asiatischen Elefanten ausgetragen werden könnte, die ist da."


Die Wahl würde auf den Asiatischen Elefanten fallen, da der nach neuesten Erkenntnissen etwas enger verwandt ist mit dem Mammut als der Afrikanische. Bei der Genetik, da sieht Thomas Hildebrandt wenig Schwierigkeiten. Doch da wäre noch die Reproduktionsbiologie. Die künstliche Befruchtung hat zwar in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Die meisten der neuen Verfahren wurden jedoch bei Nutztieren oder direkt beim Menschen entwickelt. Ohne Weiteres lassen sie sich nicht bei Elefanten anwenden, so Thomas Hildebrandt. Wenn zum Beispiel ein Mammut-Embryo in einer Elefanten-Leihmutter heranwachsen soll, müsste der Embryo zunächst in deren Gebärmutter verpflanzt werden. Beim Menschen eine erprobte, vielfach eingesetzte Technik, nicht aber beim Elefanten.

Hildebrandt:


"Das ist beim Elefanten extrem schwierig, weil der Embryotransfer in den oberen Abschnitt des Eileiters, in die Spitze des Uterushorns eine ganz andere Herausforderung darstellt als es beim Schaf, beim Rind oder gar beim Menschen wäre. Das Problem, das wir beim Elefanten haben: Die Lunge ist angewachsen bei allen Elefantenartigen. Und das heißt, dass der Druck im Bauchraum extrem hoch ist, und Sie können beim klassischen Vorgehen beim Embryotransfer, wo man Gas in die Bauchhöhle einströmen lässt, um die Gedärme beiseite zu drücken, um Zugang zur Gebärmutter zu bekommen, das kaum beim Elefanten umsetzen."



Schon bei der künstlichen Besamung braucht Thomas Hildebrandt einen sehr langen Katheter. 2,50 Meter muss der lange, dünne Schlauch in die Elefantenkuh eindringen. Ein schwieriges Unterfangen.
Noch eine Fortsetzung
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Alt 02.01.2010, 08:53
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Zitat:
Hildebrandt:


"Wir müssten aber für den Embryotransfer noch mindestens 70 Zentimeter weiter voran gehen, und in den Eileiter kommen. Das ist eine Herausforderung, die bisher extrem schwierig erscheint, weil, der Eileiter hat nur einen Außendurchmesser von vier Millimeter und ein inneres Lumen von 0,1 oder 0,2 Millimeter. Das heißt: Wir müssen auf einer Länge von über drei Metern mit Kathetertechnik operieren, die also fast Haardicke haben, um diesen Embryo dort abzusetzen."



Wenn dann der Embryo nicht abgestoßen wird, sondern sich in der Gebärmutter einnistet, wäre es geschafft. Die Tragezeit, die bei Elefanten etwa 22 Monate dauert, könnte beginnen. Bei der Geburt könnte es allerdings erneut Probleme geben. Denn ein Mammut ist wahrscheinlich schon bei der Geburt größer als ein Elefantenbaby. Im Computer-Tomografie-Raum des Instituts erklärt Thomas Hildebrandt die möglichen Komplikationen bei der Mammut-Geburt. 


"Ein Kaiserschnitt beim Elefanten hat noch nie funktioniert. Wir hatten fünfzehn Versuche und alle haben tödlich geendet - für beide Seiten. Das heißt: Wir müssen unbedingt versuchen, wenn ein Mammut tatsächlich in einem Asiatischen Elefanten wachsen sollte, dass man dann das Größenverhältnis beachtet, und dem Mammut wirklich die Chance gibt, dass er rauskommt, und nicht zersägt werden muss."


"Ein Kaiserschnitt beim Elefanten hat noch nie funktioniert. Wir hatten fünfzehn Versuche und alle haben tödlich geendet - für beide Seiten. Das heißt: Wir müssen unbedingt versuchen, wenn ein Mammut tatsächlich in einem Asiatischen Elefanten wachsen sollte, dass man dann das Größenverhältnis beachtet, und dem Mammut wirklich die Chance gibt, dass er rauskommt, und nicht zersägt werden muss."


Wie dieses Problem zu lösen ist, da will sich Thomas Hildebrandt noch nicht festlegen. Das Wort "unmöglich" jedenfalls gehört nicht zu seinem Wortschatz. Für ihn steht aber fest, dass die Rückkehr des Mammuts nur mit extremem Aufwand und nach vielen Anstrengungen zu haben ist. Der Wunsch des Menschen, seinem Weggefährten, dem Mammut, wieder zu begegnen, den hält er allerdings für nachvollziehbar. 


"Das Verhältnis zwischen Menschen und den Elefantenartigen ist ein sehr besonderes Verhältnis. Es gab ja diesen Spruch von Schopenhauer, der gesagt hat: Die Idee des Elefanten ist unendlich. Das heißt: Wir Menschen nehmen den Elefanten sogar in unsere philosophische Welt mit hinein, und das Verhältnis der Menschen vor 10.000 Jahren zum Mammut war ein extrem intensives, weil, ein erlegtes Mammut hat das Überleben der Gruppe über den Winter ermöglicht."



Neben den Wünschen des Menschen gibt es natürlich auch die Bedürfnisse des Mammuts. Keiner kann das Mammut fragen, ob es zurückkehren will - und wenn ja, wie es leben möchte.

Hildebrandt:

"Der Elefant - und man kann davon ausgehen, dass es ähnlich beim Mammut ist - ist ein hoch soziales, intelligentes Tier. Wir sehen das in der klassischen Zoohaltung, bis vor zwanzig Jahren, dass Tiere einzeln gehalten wurden, dass diese extrem schwere Depressionen entwickelt haben. Also der Elefant braucht den sozialen Zusammenhang, die Interaktion zwischen den Individuen. Das heißt: Ein Mammut wird wahrscheinlich mental erkranken. Also wir brauchen mindestens drei oder vier Jungtiere, die die Gruppe stimulieren. Das ist eine Herausforderung an die Wissenschaft, die noch komplexer ist als nur ein Tier zurückzuholen."


Selbst der Forschungs-Optimist George Church wird nachdenklich beim Blick auf das kleine, einsame Plüsch-Mammut. Er greift in das Regal und stellt einen indischen Elefanten aus Porzellan daneben. 



"Wenn wir eine Art zurückholen, sind wir auch für deren Wohlergehen verantwortlich. Wir müssen menschlich sein gegenüber den Tieren und dafür sorgen, dass sie sich in ihrem neuen Genom genau so wohl fühlen wie in ihrem alten Genom."


FIKTIV:
Mammut-Nachrichten. In aller Kürze. In der Provinz Jakutien im Nordosten Sibiriens soll die Eiszeit aufs Neue beginnen. Der russische Geologe Sergej Zimov verfolgt seit Jahren das Ziel einen großen unbewohnten Landstrich in eine Eiszeit-Steppe zu verwandeln. Zur Zeit ist die Fläche etwa 40 Mal 40 Kilometer groß. Dort soll nach Zimovs Plänen eine Landschaft entstehen, wie sie bis vor etwa 11.000 Jahren große Gebiete Eurasiens prägte. Viele der damals weit verbreiteten Tierarten sollen dort angesiedelt werden: Rentiere, Bisons, Wisents, Steppenpferde, Wölfe und falls möglich irgendwann auch Mammuts.



Die Mehrzahl aller Tierarten, die jemals auf der Erde lebten, existiert heute nicht mehr. Die meisten sind ausgestorben. Wahrscheinlich machen die heute lebenden Arten weniger als ein Prozent aller jemals von der Evolution hervorgebrachten Arten aus. Für den Berliner Zoologen Alex Greenwood gehört das Aussterben deshalb ebenso zur Natur wie die Entstehung neuer Arten. 


"Die Säugetiere sind verbreitet, weil die Dinosaurier ausgestorben sind. Und dieser Zyklus passiert immer wieder. Wenn wir diesen Prozess beenden und nichts mehr ausstirbt, dann gibt es auch keine Artenentwicklung, denn alle Nischen sind besetzt. Wir kommen nicht zu Evolution."


Ob das Mammut einst durch den Menschen von der Erde vertrieben wurde, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Alex Greenwood vermutet, dass Krankheitserreger damals eine wichtige Rolle spielten. Beim Afrikanischen und beim Asiatischen Elefanten ist das anders. Sie sind eindeutig deshalb bedroht, weil der Mensch ihren Lebensraum zerstört. Das Mammut zurückzuholen, während gleichzeitig andere Elefanten dezimiert werden, ergibt für die Berliner Zoologen Alex Greenwood und Thomas Hildebrandt keinen Sinn.



Greenwood:

"Ich würde es lieber sehen: Wir behalten unsere Elefanten als dass wir ausgestorbene Elefanten zurückbringen."



Hildebrandt:


"Wenn so viel Geld für eine ausgestorbene Tierart ausgegeben werden soll, möchten wir zuerst einmal etwas mehr Anstrengungen von der Öffentlichkeit sehen, dass sie sich um die Tiere kümmert, die dann möglicherweise in 10.000 Jahren attraktiv sein können."


Eine Weile herrscht Stille. Fragende Blicke Richtung Ranger. Der vergräbt seine Hände noch tiefer in den Taschen. "Stimmt, das war mal ein Elefant," murmelt er. "Aber jetzt ist es ein Mammut. Das haben unsere Wissenschaftler eindeutig bestätigt." Einige Touristen nicken. Andere scheinen nicht überzeugt. Ein Trick? Haben sie ihr Erspartes für eine Illusion ausgegeben?


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Alt 17.08.2010, 07:38
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Jürgen Hambrecht kritisiert die Politisierung komplexer Technologien

Dieses Interview stammt von hier: [url]http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/basf-juergen-hambrecht-es-entstehen-doch-keine-monsterpflanzen-1.988512[/url]

Zitat:
BASF-Chef Jürgen Hambrecht kritisiert die Politisierung komplexer Technologien. Die Vorbehalte gegen die Gentechnik versteht er bei aufgeklärten Menschen nicht.
BASF-Chef Jürgen Hambrecht wirkt angespannt. In wenigen Tagen wird er in den Urlaub gehen, doch in Ferienstimmung ist der Mann noch nicht. Die Energiepolitik der Bundesregierung sei völlig unzureichend, und in der Gentechnik verspiele Deutschland Chancen. Hambrecht sieht den deutschen Industriestandort in großer Gefahr. Nächstes Jahr geht er in Rente. Sein Unbehagen darüber ist spürbar. Doch er habe jede Menge eigene Projekte. Ob er in den Aufsichtsrat wechselt, will er nicht sagen. Es ärgert ihn aber, dass der Gesetzgeber neuerdings eine zweijährige Wartefrist für Ex-Vorstände verlangt.


BASF-Chef Jürgen Hambrecht: "Mich beunruhigt, wie darüber diskutiert wird, aus der Kernenergie in erneuerbare Energien umzusteigen." (© AP)

SZ: Herr Hambrecht, wir würden gerne mit Ihnen über den Industriestandort Deutschland sprechen . .*.

Hambrecht: . . . dann kann ich Ihnen gleich sagen, was mich umtreibt. Es ist die Energiepolitik, die in diesem Land betrieben wird. Die ist völlig unzureichend. Damit gefährden wir den Industriestandort*Deutschland.

SZ: Sie*übertreiben.

Hambrecht: Die Bundesregierung arbeitet an einem Energiekonzept. Meine Zweifel aber wachsen, dass es den Anforderungen einer modernen Industrienation genügen wird. Mich beunruhigt beispielsweise, wie darüber diskutiert wird, aus der Kernenergie in erneuerbare Energien*umzusteigen.

SZ: Darüber gibt es seit dem Jahr 2000 einen politischen Konsens, die Bürger sind gegen die Nutzung der*Kernkraft.

Hambrecht: Das bezweifele ich. Schon heute zahlt der Verbraucher einen stark steigenden Aufschlag für erneuerbare Energien. Wenn wir wie geplant von 2022 an kein Kernkraftwerk mehr in Betrieb haben, hat diese Republik ein Problem. Dann ist die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht mehr*gewährleistet.

SZ: Die Kernkraftwerke liefern etwas mehr als 20 Prozent des deutschen Stroms. Das lässt sich bis dahin ja wohl durch andere Quellen*ersetzen.

Hambrecht: Wir brauchen ein nachhaltiges Energiekonzept, das wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Kriterien genügt. Der Energiemix muss deutlich ausgeweitet werden - auch in Richtung der erneuerbaren*Energien.

SZ: Da sind Sie sogar mit den Grünen einig. Wo ist das*Problem?

Hambrecht: Wir reden in diesem Land gerne über den Einsatz von mehr regenerativer Energie. Aber keiner spricht von den Konsequenzen, beispielsweise der Ausweitung der Stromnetze, die dafür nötig*ist.

SZ: Haben wir etwa keine guten Netze in*Deutschland?

Hambrecht: Doch, aber die reichen nicht, wenn wir auf Windkraft und Sonnenstrom umstellen. Unsere Stromnetze sind darauf ausgerichtet, dass große, eher zentrale Kraftwerke den Strom verteilen. Wir bekommen aber zunehmend ganz neue Anforderungen. Inzwischen gibt es Hunderttausende Solarpaneelen auf den Hausdächern und Windparks, die Strom erzeugen. Diese haben Vorrang bei der Energieeinspeisung in die bestehenden Netze trotz ihrer schwankenden Tages- und Jahresleistung. Das macht den Netzbetrieb und die Netzsteuerung technisch sehr anspruchsvoll und wird zu hohen, nicht wettbewerbsfähigen Kosten*führen.

SZ: Halten Sie den Einsatz von Wind oder Sonnenkraftwerke etwa für*falsch?

Hambrecht: Nein. Aber wir brauchen für die zusätzliche regenerative Energie neue Überlandleitungen, schon heute fast 1000 Kilometer. Davon sind erst 58 Kilometer*gebaut.

SZ: Die Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energie*fördern.

Hambrecht: Ich sehe da Unstimmigkeiten. Die Energiepolitik, die ja auch Klimaschutzpolitik umfasst, wird faktisch von zwei Ministerien verantwortet, dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium. Die Bundesregierung muss sich aber klar zu einem Politikansatz bekennen. Sie muss sagen, welche Energieträger sie*will.

SZ: Sie wollen neue Atomkraftwerke in Deutschland*bauen?

Hambrecht: In Frankreich, Großbritannien und Skandinavien werden neue Kernkraftwerke geplant und zum Teil bereits gebaut. Auf jeden Fall muss die Laufzeit der vorhandenen Meiler in Deutschland verlängert werden. Wir müssen Zeit gewinnen, bis genügend neue Energien zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten bereit*stehen.

SZ: Die Deutschen lehnen die Kernkraft mehrheitlich ab. Ist Deutschland*technikfeindlich?

Hambrecht: Nein, Deutschland ist nicht technikfeindlich. Wenn es etwas Neues im Auto gibt, wird es sofort akzeptiert. Das gleiche gilt für mobile Geräte wie iPhone oder iPad. Aber es gibt komplexe Technologien, die etwas weiter weg sind vom Verbraucher. Die werden schnell von Interessengruppen politisiert und ins Zentrum der Kritik*gestellt.

SZ: Sprechen Sie von der Gentechnologie - ein wichtiges Feld für*BASF?

Hambrecht: Das ist ein Beispiel dafür. Wir haben bei der medizinischen Gentechnologie, die wir rote Gentechnologie nennen, gesehen, wie die politisch geschürte Skepsis der Bevölkerung ein ganzes Unternehmen erschüttert*hat.
Jürgen Hambrecht wurde am 20. August 1946 in Reutlingen geboren. Er studierte an der Universität Tübingen Chemie und promovierte 1975 in organischer Chemie. Hambrecht ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender von BASF. Davor war er fast 30 Jahre lang in unterschiedlichen Aufgabengebieten für das Unternehmen weltweit tätig. Unter seiner Führung wurde der weltweit größte Chemiekonzern Ende 2007 in die sechs Teilbereiche Chemicals, Plastics, Functional Solutions, Performance Products, Agricultural Solutions und Oil & Gas geordnet. In seiner Amtszeit baute Hambrecht auch die Spezialchemie durch Zukäufe aus.

SZ: Sie meinen die Hoechst AG und die Kämpfe mit dem damaligen hessischen Umweltminister Joschka*Fischer.

Hambrecht: Ja, Hoechst gibt es nicht mehr, die rote Gentechnik dagegen ist allgemein akzeptiert, weil es einen unmittelbaren Nutzen für die Menschen*gibt.

SZ: Aber die Menschen haben nach wie vor Unbehagen vor der Manipulation von Pflanzen. Können Sie das*verstehen?

Hambrecht: Es gibt ein Unbehagen, das mit wissenschaftlichen Fakten nicht in Einklang zu bringen ist. Bei aufgeklärten Menschen kann ich die Vorbehalte gegen die Gentechnologie nicht verstehen. Aber es wird auch Angst*geschürt.

SZ: Das ist eine Koalition, die von den Grünen bis zur bayerischen CSU*reicht.

Hambrecht: Wir sind froh, dass sich die Bundesregierung zur grünen Gentechnologie bekannt hat. Ich bin aber enttäuscht über das, was in einigen Ländern der EU, aber auch in manchem Bundesland geschieht. Die Genehmigungsverfahren sind oft zu*langsam.

SZ: Sie wollen mit genveränderten Pflanzen wie der Kartoffel Amflora in Zukunft Gewinne machen. Brauchen wir diese Technologie*wirklich?

Hambrecht: Auf jeden Fall. Auch wenn wir hier in Europa im Vergleich zu anderen Regionen keine reale Not kennen. Aber in Asien oder Afrika stellt sich sehr wohl die Frage, wie die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden soll. Dafür brauchen wir Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen, die auch auf schlechten Böden wachsen*können.

SZ: Fachleute sagen, die Welternährung sei ein Problem der Verteilung. Es gebe genug Nahrungsmittel für*alle.

Hambrecht: Das stimmt zum Teil. Es ist auch ein Problem der Lagerung von Ernten. Viele Früchte oder Getreide verrotten oder verschimmeln in Asien oder Afrika wegen falscher Lagerung. Aber es ist auch ein Problem der zu geringen Verfügbarkeit von Land und Wasser sowie zunehmender Trockenheit. Deshalb wollen wir die grüne Gentechnik in Deutschland weiterentwickeln und den Landwirten weltweit zur Verfügung*stellen.

SZ: Aber es besteht die Gefahr, dass bei der Manipulation von Pflanzen etwas aus dem Ruder läuft, was nicht mehr zurückgeholt werden*kann.

Hambrecht: Nein, durch die genetische Verbesserung entstehen doch keine Monsterpflanzen. Auch die Angst, durch genveränderte Nahrungsmittel zu erkranken, ist unbegründet. Dafür gibt es keinen wissenschaftlich begründeten*Nachweis.

SZ: Können Sie das*ausschließen?

Hambrecht: Als aufrichtiger Naturwissenschaftler kann ich überhaupt nichts*ausschließen.

SZ: Und dann wundern Sie sich, dass Ihnen Kritik*entgegenschlägt?
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  #16  
Alt 17.08.2010, 07:42
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Fortsetzung des Interviews aus der süddeutschen Zeitung [url]http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/basf-juergen-hambrecht-es-entstehen-doch-keine-monsterpflanzen-1.988512[/url] von Sibylle Haas und Karl-Heinz Büschemann mit Jürgen Hambrecht von der BASF:

Zitat:
Hambrecht: Der Wunsch, Risiko komplett auszuschließen, greift in Deutschland zunehmend um sich. So kann man keine nachhaltige Zukunft*gestalten.

SZ: Der Ölkonzern BP ist seit der Explosion seiner Bohrinsel im Bestand gefährdet. Sind Risiken heute noch*beherrschbar?

Hambrecht: Es kann Vorfälle geben, die für ein Unternehmen kritisch sind. Deshalb muss man ein Portfolio haben, in dem die Risiken ausgewogen*sind.

SZ: Die Weltwirtschaft erholt sich. Ist die Krise, die uns vor zwei Jahren in die Knie gezwungen hat, schon wieder*vorbei?

Hambrecht: Auch wenn unsere Geschäfte wieder gut laufen, sind die Auswirkungen der Krise noch zu spüren. Dass Deutschland so schnell aus dem Tal gekommen ist, ist auch dem erstklassigen Krisenmanagement der Regierung zu verdanken. Die Politik hat mit den Sozialpartnern Vorzügliches geleistet. Das hat viel Geld gekostet, jetzt muss sich der Staat entschulden, auch das macht die Bundesregierung*richtig.

SZ: Was haben Sie persönlich aus der Krise*gelernt?

Hambrecht: Schnelles Entscheiden und klares Kommunizieren ist wichtig. Besser und schneller entscheiden als der Wettbewerber bringt Riesenvorteile. Und ich habe gelernt, welch enormes Potenzial in unseren Mitarbeitern*steckt.

SZ: Denken Sie heute über einige Dinge anders als vor der*Krise?

Hambrecht: Man darf nie nachlassen, noch besser zu werden. Diese Haltung hat sich in der Krise verstärkt. Zum Beispiel werden wir unseren Cashflow weiter optimieren und die Aufwendungen für Forschung auf hohem Niveau*halten.

SZ: Ein schärferer Blick auf die Zahlen also. Ist das der Grund, warum der Finanzvorstand Kurt Bock im nächsten Jahr Ihr Nachfolger wird und nicht ein*Chemiker?

Hambrecht: Für die BASF haben die Zahlen schon immer eine große Rolle gespielt. Wichtiger aber war, dass wir mehrere Kandidaten hatten, die meine Nachfolge hätten antreten*können.

SZ: Was zeichnet Kurt Bock*aus?

Hambrecht: Kurt Bock ist ein international erfahrener und besonnener Manager, der die BASF aus vielen Facetten*kennt.

SZ: Wo soll Ihr Nachfolger das Unternehmen in zehn oder zwanzig Jahren hingeführt*haben?

Hambrecht: Das wird mein Nachfolger entscheiden. Aber Sie können sicher sein: Die BASF wird noch besser*werden.

SZ: Sie wachsen besonders in der Spezialchemie, haben zuletzt Ciba erworben und wollen Cognis übernehmen.*Warum?

Hambrecht: Weil wir in Deutschland keine billigen Arbeitskräfte haben und auch keine billigen Rohstoffe. Wir können nur über Innovation Punkte machen und gewinnen. Innovation passiert aber dort, wo die Produkte nah am Kunden sind, weil er den unmittelbaren Nutzen sofort erkennt, in der Kosmetik beispielsweise, im Auto oder bei der*Verpackung.

SZ: Ihre Wettbewerber machen das anders: Sie gliedern die Spezialchemie aus oder verkaufen*sie.

Hambrecht: Wir sind breiter aufgestellt. Unser Geschäft mit Spezialchemie zeigt unterschiedliche Konjunkturverläufe. Das macht die BASF insgesamt stabiler und weniger*zyklisch.

SZ: Und trotzdem hat die Krise Sie ganz schön*gebeutelt.

Hambrecht: Wenn alle am Boden liegen und die gesamte produzierende Industrie einbricht, trifft das selbstverständlich auch*uns.

SZ: Was werden Sie denn noch kaufen, um die Abhängigkeit von Konjunkturschwankungen zu*verringern?

Hambrecht: Mit diesem Thema beschäftigt sich die BASF auch in Zukunft, wenn ich nicht mehr an der Spitze*stehe.

SZ: Sie gehen bald in Rente. Können Sie überhaupt*abschalten?

Hambrecht: Ja, ausgezeichnet. Ich habe noch viel zu tun und jede Menge eigene Projekte, die ich voranbringen*will.

SZ: Behalten Sie ein Büro bei*BASF?

Hambrecht: Ich werde der BASF verbunden bleiben, ohne mich ins Tagesgeschäft*einzumischen.
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  #17  
Alt 18.08.2010, 07:34
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komisch, dass das nicht in den Beiträgen der letzten 24 Stunden erscheint!
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