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<title>Das unbekannte Königreich - vom Leben in Saudi-Arabien</title> 
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	<updated>2012-08-11T18:59:38+02:00</updated> 
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 <title>Neue Blogeinträge</title> 
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 <updated>2012-08-11T18:59:38+02:00</updated> 
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 Liebe Leser meines Blogs,  es war die letzten Wochen etwas still hier. Ich war viel in Saudi-Arabien unterwegs und bin nicht zum Schreiben gekommen. Ende Juli bin ich f&uuml;r mein Master-Studium nach New York gezogen.  Das hei&szlig;t nicht, dass es hier jetzt gar nichts mehr gibt. In meinen letzten Monaten in Saudi-Arabien habe ich noch gen&uuml;gend Material f&uuml;r etwa zehn bis f&uuml;nfzehn Blogeintr&auml;ge gesammelt.&nbsp;  Ich werde versuchen, sie im Laufe der n&auml;chsten Wochen zu ver&ouml;ffentlichen, wenn auch in unregelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden, da mein Stundenplan sich hier permanent &auml;ndert. Jedenfalls wollte ich darauf hinweisen, dass ich nicht in Saudi-Arabien bin, wenn die n&auml;chsten Blog-Eintr&auml;ge ver&ouml;ffentlicht werden.&nbsp; &nbsp; Vielen Dank f&uuml;r die Geduld!&nbsp; 
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 <title>Kalt gesprenkelt</title> 
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 <updated>2012-05-26T08:10:11+02:00</updated> 
 <summary type="text">Riad, 44 Grad Celsius. Wenn die Sonne abends weg ist: immernoch 38 Grad. Die Klimaanlagen laufen auch Hochtouren. Doch ich scheine nicht der Einzige zu sein, den auf 25 Grad heruntergek&amp;uuml;hlte ...</summary> 
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Allgemein 
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 Riad, 44 Grad Celsius. Wenn die Sonne abends weg ist: immernoch 38 Grad. Die Klimaanlagen laufen auch Hochtouren. Doch ich scheine nicht der Einzige zu sein, den auf 25 Grad heruntergek&uuml;hlte R&auml;ume krank machen oder schlicht nerven. Auch manche Saudis wollen bei ihrem Caf&eacute;-Besuch am Abend lieber drau&szlig;en sitzen.  Damit ihre G&auml;ste einen k&uuml;hlen Kopf bewahren, haben sich die Gastronomen etwas einfallen lassen: Sie besprenkeln ihre G&auml;ste mit feinem Spr&uuml;hregen.  
   &copy; Hinzel   Feiner Spr&uuml;hregen k&uuml;hlt die Luft, ohne die G&auml;ste wirklich nass zu machen. Wird man trotzdem nass, ist es eine willkomene Erfrischung.  
&nbsp; 
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 <id>tag:,2012-04-29:1163</id>
 <title>Sonnenbad zwischen Müll und Beton</title> 
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 <updated>2012-04-29T21:24:40+02:00</updated> 
 <summary type="text"> Wer an Saudi-Arabiens Ostk&amp;uuml;ste baden will, darf nicht zimperlich sein. Am Strand gilt es, zwischen Plastikt&amp;uuml;ten, Dosen und Knochen einen freien Platz f&amp;uuml;r das Handtuch zu finden. ...</summary> 
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Allgemein 
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  Wer an Saudi-Arabiens Ostk&uuml;ste baden will, darf nicht zimperlich sein. Am Strand gilt es, zwischen Plastikt&uuml;ten, Dosen und Knochen einen freien Platz f&uuml;r das Handtuch zu finden.    
   &copy;Hinzel   Bieten Platz f&uuml;r Gro&szlig;familien: Kabinen aus Beton.  
Dammam. Saudische Ostk&uuml;ste. 35 Grad Celcius. Meine Kollegen und ich sitzen im Auto, die Klimaanlage will nicht wirklich ihren Dienst verrichten. Mein R&uuml;cken klebt am Autositz fest. Half Moon Bay hei&szlig;t unser Ziel. Strand, Baden im Arabischen Golf: Das ist unser Ziel. Wir durchqueren Khobar, eine von Saudi-Arabiens noch recht jungen St&auml;dten. Hochh&auml;user und Fast-Food-Restaurants. Heimat vieler Angestellter von Aramco - der Arabian American Oil Company, denn unter Khobars sandigem Boden liegt der Schatz Saudi-Arabiens: Das &Ouml;l. &bdquo;So wie Houston, Texas", beschreibt ein saudischer Freund von mir die Stadt. Irgendwie modern, irgendwie gesichtslos. Aber mit &bdquo;vielen gro&szlig;en tollen Shopping-Malls." Au&szlig;erdem gibt es in Khobar die &bdquo;Corniche", eine lange Uferpromenade.   Ansonsten ist die Stadt aufs Auto ausgerichtet. Zum Durchfahren. Was wir dann auch machen.   
   &copy;Hinzel   Fast kein Strandabschnitt ist kabinenfrei. &Uuml;ber mehrere Kilometer hinweg.  
 Direkt dahinter beginnt die Half Moon Bay.  Auf den romantischen Namen trifft die harte Realit&auml;t:  Strandkabinen aus Beton, angemalt in Gelb, Hellblau und Orange, reihen sich entlang des Strandes auf. Das Meer riecht nicht so frisch, wie es riechen sollte.   
   &copy;Hinzel   Flaschen, T&uuml;ten, Dosen:  M&uuml;ll am Strand scheint  niemanden zu st&ouml;ren.  
Am Horizont ragen die T&uuml;rme von Raffinerien in den Himmel.  Wir &uuml;berlegen uns, ob wir unsere Handt&uuml;cher lieber auf den Beton legen oder auf die festgefahrene Reifenspur direkt am Wasser. &Uuml;berall,&nbsp;wo der Sand weich und locker ist, liegen Flaschen, T&uuml;ten, Dosen.  Wir fahren weiter.       Vorbei an Meerwasserentsalzungsanlagen, D&uuml;nen und unz&auml;hligen Baustellen. W&auml;re Sprit nicht so billig, h&auml;tten wir uns vielleicht mit der Half Moon Bay zufrieden gegeben. Aber so geht es weiter und weiter auf der Suche nach einem sauberen Strand. In einem kleinen Ort namens Ukair werden wir f&uuml;ndig.  Auch hier gibt es bunt angemalte Strandkabinen aus Beton. Aber der Strand ist einigerma&szlig;en sauber. Wir breiten unsere Handt&uuml;cher aus und wollen uns in die Sonne legen, als ein Polizist mit seinem Jeep neben uns h&auml;lt. &bdquo;Hier ist die Familien-Sektion. Single-M&auml;nner m&uuml;ssen an einen anderen Strand", sagt er. Aber niemand hat sich bisher beschwert.  All die Familien und Frauen hier sagen nichts. Wir wollen einfach nur baden. &bdquo;Mafi Mushkila" - kein Problem -, erwidern wir.&nbsp; &bdquo;Mushkila Kebir" - gro&szlig;es Problem -, antwortet er. Doch er scheint keine Lust zu haben, sich weiter zu streiten und f&auml;hrt einfach davon.   &bdquo;Nein. Nach zwei Stunden Fahrt lassen wir uns den Strandspa&szlig; jetzt nicht mehr nehmen", denke ich mir.   Ich streife mein T-Shirt ab und setze meinen Fu&szlig; in das seichte Wasser. Aus Richtung der Strandkabinen weht der Wind. Es stinkt nach Kacke. G&uuml;lle. Brechreiz.  Schnell rein ins Wasser. Schnell rein.&nbsp; 
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 <id>tag:,2012-04-26:1158</id>
 <title>Der unvollkommene Demonstrant</title> 
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 <updated>2012-04-26T08:51:14+02:00</updated> 
 <summary type="text"> Er will die saudische Gesellschaft zerst&amp;ouml;ren, damit man sie wieder neu aufbauen kann: Ahmed al-Wassel ist kein Demonstrant, der auf die Stra&amp;szlig;e geht. Seine Waffen sind seine Worte. Doch ...</summary> 
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Allgemein 
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  Er will die saudische Gesellschaft zerst&ouml;ren, damit man sie wieder neu aufbauen kann: Ahmed al-Wassel ist kein Demonstrant, der auf die Stra&szlig;e geht. Seine Waffen sind seine Worte. Doch die lassen sich in Saudi-Arabien leicht verbannen.   Demonstrationen gibt es in Saudi-Arabien selten. Und wenn es sie gibt, werden sie innerhalb von Minuten aufgel&ouml;st. Demonstrant ist hier schon, wer eine eigene kritische Meinung hat und diese laut &auml;u&szlig;ert.  Ahmed Al-Wassel ist nicht laut. Als Aktivist bezeichnet er sich trotzdem. Seine Waffe im Kampf gegen den religi&ouml;sen Wahn und saudische Weltfremdheit sind keine gerufenen Parolen, seine Waffe ist das geschriebene Wort. Normalerweise arbeitet er als Journalist f&uuml;r die Tageszeitung&nbsp; al-Riad . Au&szlig;erdem schreibt er B&uuml;cher. Zum Beispiel &uuml;ber Frauen in der arabischen Welt. Oder &uuml;ber die Gemeinsamkeiten des Hebr&auml;ischen mit dem Arabischen. Mit beiden Themen macht man sich in Saudi-Arabien nicht beliebt.Es ist Mittwochabend, in Riad beginnt jetzt das Wochenende und auf den Stra&szlig;en k&auml;mpfen sich wei&szlig;e Gel&auml;ndew&auml;gen durch den Stau. Ahmed Al-Wassel sitzt vor seinem Laptop auf einem Sessel mit roten, dicken Polstern bei Costa Coffee, einem Coffee-Shop, wie er sich auch in jeder europ&auml;ischen Gro&szlig;stadt findet.Mit ged&auml;mpfter Stimme erz&auml;hlt er von seiner neuen Idee: ein Artikel dar&uuml;ber, warum die Revolution in Saudi-Arabien ausblieb, w&auml;hrend in Bahrein, &Auml;gypten und Tunesien die Menschen auf die Stra&szlig;en gingen.   
   &copy;privat   Autor Ahmed Al-Wassel mit einem seiner wenigen  unzensierten B&uuml;cher auf der Buchmesse von Riad:  "Leute &auml;ndern sich nur, wenn sie es wollen.  Das tun nur wenige hier."  
Er nimmt einen Schluck seiner hei&szlig;en Schokolade, blickt sich um und deutet auf die hintere Ecke des Raumes. Dort sitzt eine Gruppe junger M&auml;nner - ein jeder gekleidet in die traditionelle saudische Kluft, bestehend aus einem wei&szlig;en Gewand, dem Thobe, und dem Schmeach, einem rot-wei&szlig; gemusterten Kopftuch - und unterh&auml;lt sich &uuml;ber Autos. &bdquo;Es geht ihnen zu gut", sagt er. Sein Blick wandert durch den Raum, &uuml;berall sitzen M&auml;nner. Die Frauen und Kinder m&uuml;ssen sich im selben Caf&eacute; in einem anderen Raum treffen: in der Familien-Sektion. &bdquo;Leute &auml;ndern sich nur, wenn sie es wollen", erz&auml;hlt Al-Wassel weiter. Von diesen M&auml;nnern hier sei das nicht zu erwarten. &bdquo;Warum auch? Sie haben die Kontrolle &uuml;ber die Frauen, kriegen Geld vom Staat, m&uuml;ssen nichts leisten", sagt er.Es ist selten, dass ein saudischer Mann die Privilegien, die M&auml;nner hier haben, so offen anspricht. &nbsp;Auch sonst f&auml;llt Al-Wassel aus dem Rahmen. Zwar f&auml;hrt auch er wie so viele hier einen wei&szlig;en Gel&auml;ndewagen, in dem er die Schutzfolie nicht von den Sitzen entfernt hat. Und auch er tr&auml;gt ab und zu traditionelle saudische Kleidung. Die meiste Zeit l&auml;uft er aber in Jeans und Polo-Shirt herum. Au&szlig;erdem ist er unverheiratet. Und das mit 35 Jahren.   Er sieht j&uuml;nger aus mit seinen schwarzen Locken. Eher wie 27. Dazu weiche Gesichtsz&uuml;ge und die geschmeidigen Bewegungen. Er passt nicht in dieses durch und durch maskulin wirkende Land. Als der indische Kellner die zweite hei&szlig;e Schokolade erst nach langer Wartezeit bringt, rollt er genervt mit den Augen. Dann lacht er laut und sagt: &bdquo;Ein Saudi w&uuml;rde noch l&auml;nger brauchen. Aber Saudis machen so etwas wie Kellnern erst gar nicht." Es ist die hier weit verbreitete Einstellung, dass Saudis ein besseres Volk seien, die ihn aufregt. &bdquo;Nur weil wir W&auml;chter der zwei heiligen St&auml;tten des Propheten Mohammed sind, denken wir, wir seien die einzigen wahren Muslime und auch sowieso besser als alle anderen." Seine Landsleute sieht Al-Wassel wie Ameisen: Sie f&uuml;hren aus, denken nicht, hinterfragen nicht und sind den Religionsgelehrten h&ouml;rig.Warum er nicht auch so geworden ist? Ahmed Al-Wassel lacht wieder, dann spricht er noch leiser als zuvor, als solle ihn niemand h&ouml;ren. Er liebe die Kunst zu sehr. Doch die Religionspolizei verbiete fast alles: Kinos, Theaterst&uuml;cke. All das gelte als unislamisch. In ihm l&ouml;se dieses Verbot Trotz aus. Am liebsten s&auml;he er die saudische Gesellschaft komplett zerst&ouml;rt und ihrer Religion beraubt. Dann k&ouml;nnte man sie wieder neu aufbauen. Er seufzt. &bdquo;Es ist ein zu gro&szlig;er Kampf f&uuml;r mich", sagt er. Dann lacht er wieder. &bdquo;Aber es gibt sonst ja sowieso nichts zu tun hier, also mache ich weiter", begr&uuml;ndet er seine Motivation.   "Kultur? Welche Kultur?"   Es nervt ihn, als Journalist nicht alles schreiben zu k&ouml;nnen. Das Staatssystem aus K&ouml;nigshaus und Religionsgelehrten infrage stellen? Ein Tabu. Was bleibt, ist Kultur. Dar&uuml;ber schreibt er gut. So gut, dass er Preise bekommt - wie im M&auml;rz, auf der Buchmesse von Riad. Ausgezeichnet von den Leuten, die f&uuml;r das System arbeiten, welches er eigentlich kritisieren will. Schon wieder lacht er. &bdquo;Welche Kultur? Ich schreibe eigentlich &uuml;ber nichts. Theater und Kino, alles verboten." Auf die Stra&szlig;e gehen w&uuml;rde er nie. Er w&auml;re alleine dort und gleich von der Polizei aus dem Weg ger&auml;umt. So helfe er niemandem. Stattdessen hofft Al-Wassel, durch seine Gedichte und B&uuml;cher die Menschen zum Denken anzuregen.   Das geschriebene Wort ist sein Aktivismus.Er bezahlt seine zwei hei&szlig;en Schokoladen und steht auf. In einer Duftwolke aus Parf&uuml;m l&auml;uft er zu seinem Yukon XL. Dort liegt eines seiner B&uuml;cher im Handschuhfach.Es ist eine der wenigen Ausgaben, die es nach Saudi-Arabien geschafft hat. Ein Freund hat es f&uuml;r ihn aus Beirut mitgebracht. Al-Wassels B&uuml;cher sind in Saudi-Arabien fast alle verboten. Der harmlose Kulturjournalist von&nbsp; al-Riad &nbsp;hat seine gro&szlig;e Abrechnung mit dem der saudischen Gesellschaft in B&uuml;cher verpackt, die nur im Ausland gelesen werden. Es sind Worte, die hier niemanden erreichen.Er bleibt ein unvollkommener Demonstrant.  Ein Demonstrant, den niemand h&ouml;rt.&nbsp;   Dieser Beitrag erschien zuvor auf   www.soukmagazine.de&nbsp;  
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 <title>Kleine saudische Stammeskunde</title> 
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 <updated>2012-04-19T12:09:35+02:00</updated> 
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  Saudi-Arabien ist eine konservative Stammesgesellschaft. So kann man es in fast jedem Text oder Artikel &uuml;ber das Land lesen. F&uuml;r jemanden aus einer westlichen, individualisierten Gesellschaft bleibt der Stammesbegriff erst einmal abstrakt. Das System ist hochkomplex und schwierig zu durchschauen. Vor allem kann nicht jeder Stamm mit jedem. Aber was bedeutet das im Alltag?   Muhammed* will heiraten. Er ist jetzt 25 Jahre alt. Das hei&szlig;t, er braucht innerhalb der n&auml;chsten zwei Jahre eine Frau, sonst wird die Familie ungeduldig. &bdquo;Kann das auch eine Ausl&auml;nderin sein?", frage ich ihn. Er z&ouml;gert. &bdquo;Ja, ich kann eigentlich jede heiraten, solange sie Muslima ist", antwortet er. &bdquo;Aber eine Indonesierin geht eigentlich nicht. Es w&auml;re besser, wenn sie aus einem arabischen Land kommt, am besten aus Saudi-Arabien. Noch besser w&auml;re es, wenn sie aus dem gleichen Stamm kommt.", erg&auml;nzt er nach einer kleinen Pause. Muhammed geh&ouml;rt dem Othaibi-Stamm an, einem der gr&ouml;&szlig;ten und wichtigsten St&auml;mme in Saudi-Arabien. &bdquo;Eine aus dem Qahtani-Stamm w&uuml;rde noch gehen."   Die Qahtanis und die Othaibis haben eine Sache gemeinsam: sie sind beduinische St&auml;mme. Die leben heutzutage zwar auch meistens in normalen H&auml;usern in St&auml;dten, sind aber einst als Nomaden durch die W&uuml;ste gezogen. &bdquo;Es ist wichtig, dass meine Frau eine &auml;hnliche Kultur hat, sonst kann sie sich nicht in die Familie einf&uuml;gen", sagt Muhammed. Auch wenn er selbst kein Problem mit einer Frau aus einem anderen Stamm oder gar einem anderen Land h&auml;tte, letztendlich hat er sowieso nichts zu entscheiden. Seine Familie wird die Frau f&uuml;r ihn aussuchen.  &Uuml;ber 400&nbsp; St&auml;mme gibt es in Saudi-Arabien. Zu den wichtigsten und gr&ouml;&szlig;ten St&auml;mmen z&auml;hlen die Otaibis und die Qahtanis. Wie gro&szlig; sie tats&auml;chlich sind, ist unsicher. Zahlangaben variieren zwischen 100 000 und zweieinhalb Millionen. Weitere gro&szlig;e St&auml;mme hei&szlig;en Harb, Bani Khalid, Al Murrah, Anayzah und Shammar.   Wer zu welchem Stamm geh&ouml;rt, erkennt man h&auml;ufig am Nachnamen: al-Harbi, al Qahtani, al-Otaibi, al-Shammari.     Beduine oder K&uuml;stenbewohner - der kulturelle Unterschied kann erheblich sein    Auch wenn sie alle ihren festen Ursprungsort innerhalb Saudi-Arabiens haben, wo auch heute noch die meisten der jeweiligen Stammesmitglieder leben, sind viele mittlerweile &uuml;ber das ganze Land verteilt. Schnell verliert man den &Uuml;berblick, zumal sich einige St&auml;mme in Clans unterteilen lassen oder sich gar als Stamm aufspalten wie die Qahtanis mit einer gro&szlig;en Gruppe im S&uuml;den und einer Gruppe im S&uuml;dwesten von Riad. Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist der Grad der Religiosit&auml;t. St&auml;mmen aus der Region Qassim im Norden von Riad sagt man nach, besonders religi&ouml;s und konservativ zu sein. Man sieht die Unterschiede auch in der Kleidung. Angeh&ouml;rige konservativer St&auml;mme tragen eher die traditionelle saudische Kleidung. F&auml;hrt man an die liberaleren K&uuml;stenregionen, kann man viele Saudis in westlicher Kleidung, teilweise mit kurzer Hose und Flip-Flops sehen, die ihre saudische Kleidung nur zu Festanl&auml;ssen anziehen. Aber nat&uuml;rlich gibt es auch hier keine final g&uuml;ltigen Zuschreibungen.   Viele wechseln auch nach Lust und Laune zwischen saudischem Thobe (das wei&szlig;e Gewand) und westlichem T-Shirt.&nbsp; Auch eine Aufteilung in schiitische oder sunnitische St&auml;mme ist schwierig. In einigen St&auml;mmen gibt es Gl&auml;ubige beider Konfessionen.   Zwar vermischen sich die Angeh&ouml;rigen der verschiedenen St&auml;mme im Alltag - in der modernen Arbeitswelt k&ouml;nnen nat&uuml;rlich nicht alle Saudis in ihrem Heimatort bleiben - Differenzen oder Vorurteile zwischen St&auml;mmen bleiben aber h&auml;ufig bestehen.&nbsp;    Heiraten? Nur innerhalb des eigenen Stammes!    &bdquo;Nie w&uuml;rde ich meine Tochter einen Othaibi heiraten lassen", erz&auml;hlt mir Hassan. &bdquo;Das sind Beduinen, die sind zu konservativ. Die behandeln ihre Frauen nicht gut. Frauen d&uuml;rfen dort gar nichts." Hadi kommt aus dem S&uuml;den Saudi-Arabiens, aus einem Dorf am Faifa Berg in der N&auml;he der jemenitischen Grenze. Faifa, so hei&szlig;t auch sein Stamm, ein kleiner Stamm mit etwa 15.000 Personen. &bdquo;Ich muss doch die Familie kennen, in die ich meine Tochter gebe." Wenn in seinem Stamm jemand eine Schandtat begehe, w&uuml;rde sich das rumsprechen. Dann wisse man, dass der Kerl als Ehemann nicht geeignet sei und suche weiter. Irgendwer erz&auml;hlt immer etwas. Umgekehrt h&ouml;re man aber auch von guten und ehrenhaften M&auml;nnern. Zu den Othaibis habe er aber &uuml;berhaupt keinen Bezug. Da die Tochter nach der Hochzeit bei der Familie des Ehemannes leben w&uuml;rde, h&auml;tte der Vater fast gar keinen Zugang mehr zu ihr, wenn der Ehemann einem anderen Stamm angeh&ouml;rt. Innerhalb eines Stammes, zumal einem kleinen wie dem Faifa-Stamm, w&uuml;rden sich die Familien aber fast alle kennen.     Stammesloyalit&auml;t oder schon Rassismus?    &bdquo;Das Stammessystem ist rassistisch!", sagt Sarah. Sie ist 22 Jahre alt, lebt in Riad und muss auf die Frage, welchem Stamm sie angeh&ouml;rt, erst einmal nachdenken. &bdquo;Ganz ganz urspr&uuml;nglich al-Ahsa", sagt sie. Aber es ist ihr egal. Den Anderen sollte es auch egal sein, findet sie. &bdquo;Manche Saudis, insbesondere im Najd (die Region, in der Riad liegt) und in Qassim (Provinz n&ouml;rdlich von Riad) sind besessen von ihrem reinen Blut. Die k&ouml;nnen ihre Familiengeschichte bis zu 300 Jahre zur&uuml;ckverfolgen. Die lassen niemanden mit fremdem Blut einheiraten. Nicht-Saudis schon gar nicht. Glaube mir, meine Familie kommt aus Qassim."    Und dennoch: Trotz praktiziertem Rassismus einiger St&auml;mme ist Saudi-Arabien auch ein multi-ethnisches Land. Reist man nach Jeddah am Roten Meer, trifft man dort Saudis mit jemenitischen, &auml;thiopischen, &auml;gyptischen, indonesischen, somalischen, indischen und anderen Einfl&uuml;ssen. Schon seit den Anfangszeiten des Islams war Jeddah der Ankunftshafen vieler Muslime, die nach Mekka pilgern wollten. Einige blieben und vermischten sich mit der lokalen Bev&ouml;lkerung. Die ethnische Vielfalt hat also zumindest in der Region um Jeddah eine lange Geschichte und ist nicht erst durch die vielen Gastarbeiter entstanden, die w&auml;hrend der 60er- und 70er-Jahre auf der Suche nach schnellem Geld massenweise nach Saudi-Arabien str&ouml;mten.    &bdquo;Manche Leute aus dem Najd w&uuml;rden die Menschen am Roten Meer nicht einmal als Saudis bezeichnen. F&uuml;r sie ist nur ein Beduine ein wahrer Saudi", sagt Sarah.  Doch selbst Sarah als saudische Frau mit Wurzeln im konservativen Qassim w&uuml;rde Probleme haben, in solchen Familien einen Mann zu finden, allein weil sie ihren Stammbaum nicht komplett zur&uuml;ckverfolgen kann. Ihr Nachname ist kein Stammesname sondern ein Familienname. Ver&ouml;ffentlicht will sie ihn nicht sehen. Aber das Beispiel zeigt, dass die Sache noch komplizierter wird. Denn zus&auml;tzlich zu den St&auml;mmen spielen noch Gro&szlig;familien - insbesondere in den St&auml;dten wie Riad und Jeddah - eine wichtige Rolle.  Diese Familien haben zwar auch Urspr&uuml;nge in St&auml;mmen, agieren jedoch weitgehend losgel&ouml;st von diesen. Traditionell im Handelswesen verankert, besitzen oder leiten sie heute gro&szlig;e Unternehmen. Die bekanntesten Namen sind al-Qusaibi, Jamjum (Betreiber mehrerer Einkaufszentren), Olayan und: Bin Laden (unter anderem aktiv in der Baubranche).    Die zweifellos bekannteste von allen Familien regiert das Land, ist mit etwa 15.000 Mitgliedern so gro&szlig; wie der gesamte Faifa-Stamm und gibt dem K&ouml;nigreich seinen Namen: die Familie al-Saud.    *Alle Namen ge&auml;ndert.&nbsp; 
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 <title>Alles im Griff - Saudis und ihre Handys</title> 
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 <updated>2012-04-09T22:13:51+02:00</updated> 
 <summary type="text"> Saudis und ihre Mobiltelefone scheinen unzertrennlich zu sein. Zu Recht. Wieso sollte man sein Telefon je ablegen, wenn man damit fast alles regeln kann?    &amp;bdquo;Wir m&amp;uuml;ssen den Studenten ...</summary> 
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 <name>Jan Hendrik Hinzel</name> 
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  Saudis und ihre Mobiltelefone scheinen unzertrennlich zu sein. Zu Recht. Wieso sollte man sein Telefon je ablegen, wenn man damit fast alles regeln kann?    &bdquo;Wir m&uuml;ssen den Studenten noch Bescheid geben, dass sie ihre &sbquo;Warning Letters' beim Studentensekretariat abholen und unterschreiben sollen", sage ich zu meinem saudischen Kollegen. &bdquo;Wenn sie die Ermahnungen &uuml;bermorgen in den H&auml;nden halten sollen, m&uuml;ssen wir ihnen heute Bescheid geben, damit sie ihre E-Mails rechtzeitig lesen k&ouml;nnen." Er schaut mich verwundert an und antwortet: &bdquo;Ruhig, ruhig. &Uuml;bermorgen reicht auch noch." &Uuml;bermorgen? Am Ausgabetag? Ich blicke verwundert zur&uuml;ck und bin kurz davor, ihm vorzuwerfen, allzu arabisch-gelassen zu sein. Seine zusammengekniffenen Augen zerstreuen jeden Gedanken an weitere Nachfragen. &bdquo;Saudische Verwaltung eben", sage ich mir.    Gespannt setze ich mich zwei Tage sp&auml;ter neben meinem Kollegen hinter den Rezeptionstisch. &bdquo;Dann mach mal!", fordere ich ihn auf. &bdquo;Moment, ich muss noch Guthaben aufladen." Er tippt einige Codes in sein IPhone. Sein Daumen bewegt sich hin und her. Fertig. Er hat allen etwa 280 betroffenen Studenten eine SMS geschickt, sie m&ouml;gen doch bitte ihre Briefe abholen kommen. Eine halbe Stunde sp&auml;ter, die zweite Unterrichtsstunde ist gerade zuende, st&uuml;rmen die ersten 40 das Sekretariat und verlangen nach den Briefen.  &bdquo;Siehst du", sagt mein Kollege. Ob wir das in Deutschland nicht so machen w&uuml;rden, fragt er mich anschlie&szlig;end. Ich sch&uuml;ttle mit dem Kopf.    Beim Fahren, Essen, Einkaufen: Das Handy scheint permanent in Gebrauch zu sein   Eigentlich h&auml;tte ich es mir denken m&uuml;ssen. Saudis scheinen sich mit ihren Mobiltelefonen auf eine unzertrennliche Verbindung eingelassen zu haben. Ob beim Autofahren oder beim Essen, ob besch&auml;ftigt oder nicht, st&auml;ndig scheinen sie am Telefonieren, Tippen von Nachrichten oder Anschauen von Bildern zu sein.  Ich habe noch kaum einen Saudi ohne IPhone oder Blackberry getroffen.  Und in den Einkaufszentren sieht man viele M&auml;dchen mit seltsam abgeknickten Handgelenken umherlaufen (in der Armbeuge h&auml;ngt die Handtasche), sodass jeder ihr mit Glitzersteinchen verziertes Telefon auf der nach au&szlig;en zeigenden Handfl&auml;che besonders gut sehen kann. &bdquo;Das sind die M&auml;dchen, mit denen man flirten kann", sagte mir ein saudischer Bekannter neulich in der Mall. &bdquo;Die warten nur darauf, dass man sie &uuml;ber die Bluetooth-Funktion anschreibt." Da mein Handy so alt ist, dass es nicht einmal Bluetooth hat, bleibt der Selbstversuch aus.    Nachrichten bekomme ich trotzdem. Zwar nicht von vollverh&uuml;llten Frauen, daf&uuml;r von der Regierung: &bdquo;Achtung, Sandsturm ab etwa 11 Uhr morgens. Der Sturm kann bis in die Nacht dauern. Bitte fahren Sie vorsichtig und schalten Sie das Autolicht ein."    Anmeldungen f&uuml;r Veranstaltungen, den Status der Visa-Bearbeitung oder Restaurant-Tipps, f&uuml;r fast alles gibt es einen SMS-Service. Bucht man bei Saudi-Airlines einen Flug, gibt es die Buchungsnummer direkt aufs Handy.    Bei all den Service-Meldungen gibt es ab und an aber auch eine unangenehme Nachricht:   &bdquo;Sie sind etwa 30 Km/h zu schnell gefahren und wurden geblitzt. Bitte bezahlen Sie den Betrag von 300 Riyal (etwa 60 Euro) bis zum Datum XY. Mit jeder weiteren Woche, in der Sie nicht zahlen, verdoppelt sich der Betrag. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie Saudi-Arabien nicht verlassen k&ouml;nnen, solange Sie den geforderten Betrag nicht bezahlt haben."    Diesen SMS-Dienst muss man allerdings abonnieren. Um den Strafzettel zu bezahlen, braucht man aber nicht erst zur Bank rennen. Stattdessen geht die &Uuml;berweisung ganz einfach: per SMS.&nbsp;&nbsp; 
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 <id>tag:,2012-03-30:1114</id>
 <title>Werbung ja - aber ohne Gesichter!</title> 
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 <updated>2012-03-30T16:05:47+02:00</updated> 
 <summary type="text">Wie bewirbt man fesche Polo-Shirts und ber&amp;uuml;cksichtigt gleichzeitig das islamische Bildverbot von Personen? Einfach als Kompromiss die Gesichter verpixeln. Bei weiblichen Models au&amp;szlig;erdem ...</summary> 
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 <name>Jan Hendrik Hinzel</name> 
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Allgemein 
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 Wie bewirbt man fesche Polo-Shirts und ber&uuml;cksichtigt gleichzeitig das islamische Bildverbot von Personen? Einfach als Kompromiss die Gesichter verpixeln. Bei weiblichen Models au&szlig;erdem noch die Arme.&nbsp;  
   &copy;Hinzel   Bei M&auml;nnern reicht ein verpixeltes Gesicht. Bei einem Plakat mit weiblichen Models w&auml;ren die Arme wahrscheinlich auch verpixelt. Gesehen in Jeddah.  
Wirklich konsequent ist die Zensur allerdings nicht. Bilder vom K&ouml;nig, die so manche Hausfassade zieren, bleiben unverpixelt. Und vor dem einen oder anderen Laden h&auml;ngen dann doch Werbetafeln mit unverpixelten Model-Gesichtern. Logik, System, Regeln? Wer wei&szlig;, nach welchem Muster die Werbung in Saudi-Arabien zensiert wird, darf mich gerne aufkl&auml;ren. 
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 <id>tag:,2012-03-27:1110</id>
 <title>Zensur light - Zu Besuch auf der Buchmesse von Riad</title> 
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 <updated>2012-03-27T17:10:29+02:00</updated> 
 <summary type="text"> Eine Buchmesse in einem Land, das f&amp;uuml;r seine Zensur bekannt ist? Ja. Die Buchmesse von Riad ist eine der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Buchmessen der arabischen Welt. Und es gibt dort keinesfalls nur ...</summary> 
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 <name>Jan Hendrik Hinzel</name> 
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Allgemein 
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 <content type="text" xml:lang="de" xml:base="/blog/geo/das-unbekannte-konigreich-vom-leben-in-saudi-arabien"> 
  Eine Buchmesse in einem Land, das f&uuml;r seine Zensur bekannt ist? Ja. Die Buchmesse von Riad ist eine der gr&ouml;&szlig;ten Buchmessen der arabischen Welt. Und es gibt dort keinesfalls nur religi&ouml;se B&uuml;cher zu sehen.   Sie ist mit &uuml;ber einer Millionen Besuchern eine der gr&ouml;&szlig;ten Buchmessen im arabischsprachigen Raum und eines der j&auml;hrlichen kulturellen Highlights in Saudi-Arabien: Die Buchmesse von Riad. Etwa 600 Verlagsh&auml;user - haupts&auml;chlich aus arabischen L&auml;ndern - pr&auml;sentieren dort ihre B&uuml;cher; Schweden ist das Gastland.  Aber was f&uuml;r B&uuml;cher werden dort &uuml;berhaupt gezeigt? Die Zensoren sind streng in Saudi-Arabien. Autoren, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzten, werden verbannt. Kritik am K&ouml;nigshaus ist tabu, soziale Themen haben es schwer.    
   &copy;hinzel  
Laut der &auml;gyptischen Tageszeitung Al-Ahram hat das saudische Kultur-und Informationsministerium alle Verlage aus Syrien von der Teilnahme ausgeschlossen ebenso wie das irakische Verlagshaus Dar al-Jamal. Der besagte al-Ahram Artikel ist Online in Saudi-Arabien ebenfalls nicht verf&uuml;gbar.  Zus&auml;tzlich zur Zensur warnen religi&ouml;se Gelehrte vor einem Besuch der Messe. Man solle die Veranstaltung boykottieren und dort keine &bdquo;zerst&ouml;rerischen" B&uuml;cher kaufen, so die Al-Ahram.  Bestimmt gibt es dort nur B&uuml;cher &uuml;ber den Islam, denke ich mir. Oder Koranausgaben verschiedenster Art. Ich will trotzdem hin. Schon vor dem Eingang stehe ich im Stau.   Auf dem Parkplatz stehen Busse aus allen m&ouml;glichen St&auml;dten des Landes. &Uuml;ber eine Art Br&uuml;cke geht es in die Messehalle, die kleiner ist als ich sie mir vorgestellt habe: eine einzige Halle von den Ausma&szlig;en einer Stadthalle einer mittelgro&szlig;en deutschen Stadt. Ein Teil ist exklusiv f&uuml;r Frauen und Familien.   Dennoch ist die Geschlechtertrennung im Hauptbereich aufgehoben. Viele der Besucher sind erstaunlich jung und nutzen die Messe gleichzeitig, um zu flirten. Damit es nicht zu wild wird, hat die Ha'ia, die Religionspolizei, ihren eigenen Stand, sitzt dort aber eher gelangweilt rum. Doch selbst unter den strengen Augen der Moralw&auml;chter funktioniert das Flirten.
     
   &copy; Hinzel  
Bei vielen Regalen und Buchst&auml;ndern kann man sich so geschickt hinstellen wie das vollverschleierte M&auml;dchen und der Junge an einem Stand f&uuml;r Medizinb&uuml;cher: Sie steht auf der einen Seite des Regals, er auf der anderen. Den restlichen Besuchern jeweils mit dem R&uuml;cken zugewandt, sehen sie aus, als w&uuml;rden sie einfach nur die B&uuml;cher anschauen. Dass sie miteinander reden, merkt man nur, wenn man daneben steht und tats&auml;chlich B&uuml;cher anschaut.     Buchladen der Missionare    Ich gehe weiter, bis mich ein Mann von der Seite anspricht: Mohammed al-Kalby, Schriftsteller. Ob ich Muslim sei, will er von mir wissen. Nein, sage ich. &bdquo;Sehr gut," erwidert er. "Wenn du mein Buch gelesen hast, wirst du Muslim sein wollen". "Aha. Habe ich aber nicht vor. Wieso sollte ich mir dann das Buch &uuml;berhaupt kaufen." Er murmelt etwas vor sich hin und sagt: &bdquo;Ich gebe es dir kostenlos, wenn du mir versprichst, dass du es liest. Danach wirst du Muslim werden wollen." Eine Frau, die sich von ihm gerade ihr Buch signieren l&auml;sst, blickt mich durch ihren Sehschlitz mit weit aufgerissenen Augen an. &bdquo;Yes. Yes. Insha Alla, so Gott will, wirst du ein Muslim sein, Insha Alla wirst du ein Muslim sein. Insha Alla, Insha Alla." &bdquo;Mhm. Insha Alla", erwidere ich beil&auml;ufig. "Siehst du, er sagt selbst schon Insha Alla" ruft der Schriftsteller begeistert. &bdquo;Er ist ja schon quasi ein Muslim wenn er Insha Allah sagt." &bdquo;Verdammt", denke ich mir, nehme sein Buch mit dem Titel &bdquo;Prophet Muhammad - Last Messenger in the Bible" und gehe weiter.  
   &copy;Hinzel  
  Mein Blick f&auml;llt auf ein Buch mit dem Titel &bdquo;2012". Auf dem Cover ist der Kingdom Tower, das Wahrzeichen Riads, aus einem Auto heraus zu sehen. Was mich aber neugierig macht, ist der R&uuml;ckspiegel auf dem Bild. Darin sind die Augen des Fahrers zu sehen, in diesem Fall einer Fahrerin.
   &copy; Hinzel  
  Frauen d&uuml;rfen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren, auch 2012 nicht. Aber gab es nicht letztes Jahr Frauen, die aus Protest... Ich kann meinen Gedanken nicht zu Ende f&uuml;hren. Wieder werde ich von der Seite angesprochen:  &bdquo;Es war die letzten drei Jahre zensiert".   Die mich ansprechende Stimme geh&ouml;rt Fawzi Sadeq, 38-j&auml;hriger Schriftsteller und Journalist aus Dammam, einer Stadt an der als liberal geltenden Ostk&uuml;ste Saudi-Arabiens. In dem Buch f&auml;hrt die frisch geschiedene Souad entlang der K&uuml;stenstra&szlig;e in Dammam und nimmt den Anhalter Adel mit in die Nachbarstadt Khobar. Dieses Ausgangszenario f&uuml;r die Geschichte ist in dreierlei Hinsicht eigentlich undenkbar f&uuml;r Saudi-Arabien: eine geschiedene, also unverheiratete Frau, die Auto f&auml;hrt und einen fremden Mann einfach so mitnimmt.    Fawzi Sadeq lacht. &bdquo;Naja, ist ein Anfang. Das Buch habe ich vor drei Jahren ver&ouml;ffentlicht. Letztes Jahr haben sich einige Frauen aus Protest hinter das Steuer gesetzt. Es geht los.", sagt er. &Uuml;ber die Zukunft schreiben, auch das ist hier ein Tabu, selbst wenn es nur Gedankenspiele sind. Schlie&szlig;lich wei&szlig; nur Allah, was die Zukunft bringt.  Die Meldungen &uuml;ber Zensur klingen aus seinem Mund anders: &bdquo;Es sind dieses Jahr viel mehr B&uuml;cher zugelassen als zuvor. Wir k&ouml;nnen unsere Selbstisolation nicht mehr ewig durchziehen.   
   &copy;Hinzel   Entwirft in seinen B&uuml;chern Zukunfts- szenarien f&uuml;r Saudi-Arabien:  Schrifsteller Fawzi Sadeq  
Das verstehe langsam auch die Regierung, sagt er. &bdquo;Sie k&ouml;nnen uns nicht in eine Box stecken und diese einfach zu machen." Nat&uuml;rlich werde weiter zensiert, aber es seien auf der Buchmesse viele B&uuml;cher zugelassen, die sonst in Saudi-Arabien verboten sind. F&uuml;r begrenzte Zeit wird die Zensur gelockert.       Dass die saudische Gesellschaft sich ver&auml;ndert, macht er auch am Lesegeschmack der Saudis fest: Fr&uuml;her h&auml;tten sich alle nur f&uuml;r Poesie interessiert. Heute sei die Buchmesse hingegen voll von Romanen. Als er auf Buchmessen in anderen L&auml;ndern zu Besuch war, seien die Menschen &uuml;berrascht gewesen, dass es &uuml;berhaupt Literatur aus Saudi-Arabien gebe. &bdquo;Selbst vielen anderen Arabern war das nicht bewusst.", sagt er.    Seitdem tingelt Fawzi Sadeq von Buchmesse zu Buchmesse, von Talk-Show zu Talk Show und bem&uuml;ht sich um Aufkl&auml;rung: &bdquo;Saudi-Arabien besteht nicht nur aus Kamelen und Sand. Wir sind weder alle reiche Prinzen, noch Terroristen. Auch wir haben intelligente Leute, auch wir haben Schriftsteller.", erz&auml;hlt er. Er kriegt zwar Hass-Mails von Lesern, die seine B&uuml;cher verwerflich finden, das macht ihm jedoch nichts aus. &bdquo;Immerhin setzen sie sich so mit anderen Gedanken auseinander. Das kann nur gesund sein." Er verweist auf die Buchmesse: &bdquo;Hier finden die Leute B&uuml;cher, die sie in den normalen saudischen Buchl&auml;den nicht kriegen k&ouml;nnen. Sie decken sich f&uuml;r das ganze Jahr mit Literatur ein. Sie wollen dazu lernen, sie wollen am Weltgeschehen teilhaben. Schau dir an, wie voll es hier ist."&nbsp;    
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 <id>tag:,2012-03-13:1096</id>
 <title>Viele Sprachen, einmal Chicken</title> 
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 <updated>2012-03-13T22:09:46+01:00</updated> 
 <summary type="text"> Neben den Saudis sorgen Tausende Gastarbeiter aus Indien, Bangladesch, Pakistan und von den Philippinen daf&amp;uuml;r, dass Saudi-Arabien funktioniert. In Riad haben die Saudis ihnen das ehemalige ...</summary> 
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 <name>Jan Hendrik Hinzel</name> 
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Allgemein 
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  Neben den Saudis sorgen Tausende Gastarbeiter aus Indien, Bangladesch, Pakistan und von den Philippinen daf&uuml;r, dass Saudi-Arabien funktioniert. In Riad haben die Saudis ihnen das ehemalige Stadtzentrum nahezu vollst&auml;ndig &uuml;berlassen. Batha hei&szlig;t das Viertel. Ein Nachmittag zwischen Manila-Plaza, Curry-Gerichten und Star Wars.    Es ist einer dieser Kioske: so klein, dass au&szlig;er einer K&uuml;hltruhe f&uuml;r Eis, einem K&uuml;hlschrank f&uuml;r Getr&auml;nkedosen und einem S&uuml;&szlig;igkeitenregal nichts hineinpasst, wenn der Kunde sich noch bewegen k&ouml;nnen soll. Aber neben dem K&uuml;hlschrank brummt noch ein zweiter vor sich hin. F&uuml;nf Regale reihen sich aneinander. Putzmittel steht neben&nbsp; Cornflakes, neben Zahncreme, neben in Folie eingeschwei&szlig;ten Schokocroissants. Daneben ein Stapel rosa Handt&uuml;cher. 
   &copy;Hinzel   Elektronik, Kleidung, Parf&uuml;m: In Batha gibt es fast alles - gef&auml;lscht und echt.  
  Auf der K&uuml;hltruhe liegen Magazine aus. Kein Zentimeter bleibt ungenutzt. Ich nehme eine Cola-Dose aus dem K&uuml;hlschrank. Zwei Riyal. 40 Eurocent. An einem kleinen Tisch mit Kaugummis quetsche ich mich vorbei durch die T&uuml;r und trete vor den Kiosk. Rechts daneben ist noch ein Kiosk. Danach noch einer. Und noch einer. Und noch einer.   
   &copy;Hinzel   Essen kauft man in Batha lebendig...  
Willkommen in Batha, einem der wenigen Viertel in Riad, wo Menschen sich nicht nur mit dem Auto auf der Stra&szlig;e fortbewegen, sondern laufen. Doch nur wenige hier scheinen Saudis zu sein. Statt M&auml;nner in wei&szlig;en Gew&auml;ndern und Kopft&uuml;chern dominieren M&auml;nner mit geb&uuml;gelten Hemden und Schnauzer das Bild. Batha gilt als das Inder-Viertel Riads. Nur noch einige verfallene Lehmbauten und von Abgasen geschw&auml;rzte Prunkbauten erinnern daran, dass Batha einst das Stadtzentrum des saudischen Riads war. Und auch in den sandfarbenen, mehrst&ouml;ckigen 70er-Jahre-Bauten, die das Stra&szlig;enbild dominieren, m&ouml;chten nur wenige Saudis leben. Wer es sich leisten kann, baut ein gro&szlig;es Haus mit Mauer in einem der neueren Stadtviertel.   In Batha sehe ich nur wenige Mauern. Wer hier unterwegs ist, darf keine Angst vor K&ouml;rperkontakt haben. In den Stra&szlig;en dr&auml;ngen sich die Menschen.   Statt im Supermarkt kauft man das Gem&uuml;se hier auf der Stra&szlig;e.   Elektronikl&auml;den und Parf&uuml;mshops und Teppichgesch&auml;fte nehmen die unteren Stockwerke der Geb&auml;ude ein. Restaurants preisen ihre Gerichte auf Fotos &uuml;ber dem Eingang an: &Uuml;berall ganz viel H&uuml;hnchen und Lamm.   Und immer schl&auml;gt mir hei&szlig;e Luft aus den vielen W&auml;schereien entgegen, welche die 30 Grad Au&szlig;entemperatur durch die B&uuml;gelhitze auf gef&uuml;hlte 40 Grad erh&ouml;hen. Neben blumigem Waschmittelduft dringt der Geruch von Chlor und Schwei&szlig; in meine Nase. Zwei Schritte weiter riecht es nach Bratfett. Drei Schritte weiter nach Curry, Abgasen und Kacke.    Von einer Hausecke rinnt Urin &uuml;ber den Gehweg. Am Bordstein bildet er mit Ausl&auml;ufern einer &Ouml;lpf&uuml;tze ein braun-gelb-schwarzes Geschmiere. Nur ein paar Meter entfernt verkauft ein alter Mann auf dem Boden sitzend N&uuml;sse.
   &copy;Hinzel   ...oder doch tot.  
   Ja, es ist versifft hier. Es ist laut und es stinkt. Trotzdem mag ich Batha. Hier ist Riad irgendwie menschlicher, greifbarer.   Hier zeigt sich Riad international. Die Inder dominieren das Viertel vielleicht zahlenm&auml;&szlig;ig, aber je nach Seitenstra&szlig;e und angrenzenden Stadtteilen vermischen sie sich mit anderen Nationalit&auml;ten. Haupts&auml;chlich Pakistaner, Philippiner, Bangladescher, Thais, Chinesen und Afghanen. Ein Stra&szlig;enblock scheint fest in philippinischer Hand zu sein. Rund um die Manila-Plaza, ein altes Kaufhaus mit stillstehenden Rolltreppen und einem durch Ziegelsteine blockiertem Treppenhaus, gibt es philippinische Gesch&auml;fte und Gerichte wie Balut: ein angebr&uuml;tetes&nbsp; gekochtes Ei.   
   &copy;Hinzel   Chicken? Nein. Die eigentliche Frage lautet:  mit Reis oder mit Brot?  
Au&szlig;erdem bewegen sich in diesem Gebiet viele Frauen auf der Stra&szlig;e. Denn sonst nehmen in Batha haupts&auml;chlich M&auml;nner den &ouml;ffentlichen Raum ein, Frauen sehe ich nur vereinzelt. Ein Kollege sagte zu mir neulich: &bdquo;Diese Philippinerinnen wehren sich besonders gegen das Kopftuch und andere Einschr&auml;nkungen. Die sind resolut und lassen sich nichts verbieten."    Afghanistan? Pakistan? Oder doch Indien?    Nur ein paar Stra&szlig;en weiter ist das Bild wieder anders. Keine einzige Frau. &Uuml;berall M&auml;nner in weiten Gew&auml;ndern. Mit ihren &uuml;ber die Schulter geworfenen T&uuml;chern und Decken erinnern sie mich an die Jedi-Ritter aus Star Wars. Ihre Haut ist eher hell, viele von ihnen haben schwarze oder rotbraune Haare und blaue Augen. &bdquo;Afghanen?", denke ich mir, komme mir schlau vor und beobachte, wie zwei von ihnen sich mit zwei Indern - ich nehme an &uuml;ber ein Auto - unterhalten. Aber wieso sprechen sie die gleiche Sprache wie die Inder? Dass ich falsch gedacht habe, erfahre ich, als einer von ihnen mich entdeckt und auf Arabisch anspricht. Wo ich herkomme? Aus Deutschland. Und selbst? &bdquo;Pakistan." Die dunkelh&auml;utigen Inder, mit denen er gesprochen hatte, waren keine Inder, sondern ebenfalls Pakistaner. Gesprochen haben sie auf Urdu. Seine Muttersprache ist eigentlich Paschtu, denn er ist Paschtune, aus der Grenzregion zu Afghanistan. Aber hier in Batha, hier vermischt sich alles. Ob Arabisch, Bengali, Urdu oder Paschtu. Dazu noch ein paar Brocken Englisch und man kommt durch. Dass es trotz all der unterschiedlichen Sprachen einen gemeinsamen Nenner gibt, zeigt sich beim Essen. Das Hauptgericht in allen Restaurants ist H&uuml;hnchen. Damit alle es bestellen k&ouml;nnen, nennen sie es &uuml;berall gleich: &bdquo;Chicken."     
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 <id>tag:,2012-03-04:1088</id>
 <title>Nähe unter Männern - alternativlos oder schwul?</title> 
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 <updated>2012-03-04T19:05:21+01:00</updated> 
 <summary type="text"> Eigentlich ist Ibrahim nicht schwul. Sagt er. Ein bisschen Kuscheln mit den Kumpels, rumfummeln, rummachen und auch Sex, das gehe schon. Dennoch stehe er auf M&amp;auml;dchen. Aber die darf er nicht ...</summary> 
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 <name>Jan Hendrik Hinzel</name> 
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 <content type="text" xml:lang="de" xml:base="/blog/geo/das-unbekannte-konigreich-vom-leben-in-saudi-arabien"> 
  Eigentlich ist Ibrahim nicht schwul. Sagt er. Ein bisschen Kuscheln mit den Kumpels, rumfummeln, rummachen und auch Sex, das gehe schon. Dennoch stehe er auf M&auml;dchen. Aber die darf er nicht treffen. Ihm bleiben nur andere Jungs, um sich auszuprobieren. Abdulrahman hingegen ist tats&auml;chlich schwul und will von M&auml;dchen nichts wissen. Trotzdem m&ouml;chte er sp&auml;ter eine Frau heiraten.      Zwei Begegnungen.    Wir sitzen auf der Couch und schauen  Arab Idol , das arabische Pendant zu  Deutschland sucht den Superstar . Ibrahim sitzt erstaunlich nahe neben mir. Die Araber, die ich bisher kennen gelernt habe, haben ein anderes N&auml;he-Empfinden als die meisten Europ&auml;er: Der k&ouml;rperliche Mindestabstand zum Gegen&uuml;ber ist h&auml;ufig geringer als in Deutschland. Als er dann aber seinen Arm um meine Schulter legt, zucke ich kurz. Dennoch lasse ich ihn erst einmal gew&auml;hren. Schlie&szlig;lich habe ich auch bei &auml;gyptischen Freunden und saudischen Kollegen schon &ouml;fters gesehen, dass sie sich umarmen und st&auml;ndig anfassen oder H&auml;ndchen halten. In Deutschland w&uuml;rde es als schwul gelten, im Nahen Osten ist es einfach nur ein Zeichen von Zuneigung, Freundschaft oder Sympathie.    Ibrahim legt seinen Kopf auf meine Schulter. Ich blicke ihn verwundert an. &bdquo;Was wird das?", frage ich ihn. &bdquo;Nichts, nichts", antwortet er. &bdquo;Ich bin nur m&uuml;de." Sollte das eine Anmache sein, ist sie ziemlich schlecht. Ich lasse seinen m&uuml;den Kopf auf meiner Schulter ruhen und muss innerlich ob der etwas absurden Situation lachen. Es vergehen f&uuml;nf Minuten und ich denke, Ibrahim muss sicher eingeschlafen sein, da sp&uuml;re ich einen Kuss auf meinem Hals. Ich schrecke hoch. &bdquo;Junge! Was machst du da? Lass das!", fahre ich ihn an. Hektisch und erschrocken zieht er sich zur&uuml;ck auf sein Ende des Sofas.     M&auml;nner als Frauenersatz    Er entschuldigt sich tausend Mal, sagt, dass er dachte, das w&auml;re normal und okay. Er wollte nur etwas kuscheln. &bdquo;Bist du schwul?", frage ich ihn. Ein paar unverst&auml;ndliche Worte kommen aus seinem Mund, er ist aufgebracht. &bdquo;Beruhige dich, kein Ding!", sage ich zu ihm. Er sch&uuml;ttelt heftig mit dem Kopf. &bdquo;Nein, nein", sagt er. &bdquo;Ich bin nicht schwul. Das ist alles kompliziert." Laut Ibrahims Erkl&auml;rungen ist in Saudi-Arabien ein Ph&auml;nomen weit verbreitet, das man mit &bdquo;Knastschwulheit" vergleichen kann. Die jungen M&auml;nner werden von den Frauen ferngehalten. &Uuml;berall wachen strenge Augen von M&uuml;ttern, V&auml;tern, Sittenw&auml;chtern oder Sicherheitspersonal, dass sich die verschiedenen Geschlechter nicht zu nahe kommen. Wer mit M&auml;dchen flirten will, muss sich auf Blicke beschr&auml;nken oder er weicht auf Facebook und die Bluetooth-Funktion des Handys aus. Dann gilt es, irgendwie in Caf&eacute;s die eigene Nummer den in der Familienabteilung sitzenden M&auml;dchen zukommen zu lassen. Danach bleibt der Kontakt virtuell. Zum Ausleben der eigenen Triebe und sich ausprobieren m&uuml;ssen m&auml;nnliche Freunde herhalten.  
   &copy;Hinzel   M&auml;nner, die H&auml;ndchen halten, sind in Saudi-Arabien nichts Ungew&ouml;hnliches.  Das hei&szlig;t aber noch lange nicht, dass sie schwul sind.  
  Ich erkundige mich bei saudischen Bekannten (die nicht all zu konservativ oder religi&ouml;s sind), ob an der Aussage etwas dran ist. Nach einem zun&auml;chst etwas verst&ouml;rten Blick und einem kurzen verlegenen Lachen beantworten sie die Frage alle mit ja. Ein Bekannter sagt sogar, mindestens die H&auml;lfte aller saudischen jungen M&auml;nner mache homosexuelle Erfahrungen. Studien oder andere Belege gibt es nat&uuml;rlich nicht. Eine Freundin aus Jiddah, die ich w&auml;hrend des Studiums in &Auml;gypten kennengelernt habe, erz&auml;hlt &Auml;hnliches von den Frauen. &nbsp;   Es wirkt schizophren: M&auml;nner und Frauen werden &uuml;berall streng getrennt. Treten sie dennoch in Kontakt, vermutet irgendeine moralische Instanz gleich sexuelles Interesse, als ob es nichts Anderes g&auml;be. Seien es Sittenw&auml;chter, Eltern, Verwandte oder Fremde. Gleichzeitig weichen anscheinend viele Jugendliche aufgrund der Geschlechtertrennung auf sexuelle Handlungen mit Personen des eigenen Geschlechts aus. Dabei gilt dies hier als noch viel verwerflicher. Heterosexualit&auml;t gilt als die Norm, Abweichungen sind nicht geduldet. Werden Homosexuelle erwischt, droht ihnen die Todesstrafe.    Wann gilt H&auml;ndchen halten als Zeichen der Freundschaft, wann gilt es als schwul?    Ich treffe Abdulrahman. Er ist tats&auml;chlich schwul. Nicht bi. Darauf legt er Wert. &nbsp;Wir fahren an einer Starbucks-Filiale vorbei. &bdquo;Hier treffen sich haupts&auml;chlich Schwule", sagt er. Er selbst geht dort nicht hin. &bdquo;Das k&auml;me einem Outing gleich. Zwei Tage sp&auml;ter wei&szlig; es jemand aus deiner Familie." Er sucht lieber anonym im Internet nach Partnern. Mithilfe eines Proxy-Servers &uuml;berwindet er die Zensur und gelangt auf verschiedene Dating-Seiten. Aber auch hier gilt es, vorsichtig zu sein. &bdquo;Wenn Leute deine Bilder speichern, k&ouml;nnen sie dich erpressen. Stell dir vor, sie ver&ouml;ffentlichen Bilder von dir und deine Familie bekommt davon mit!", sagt Abdulrahman. Er vermutet au&szlig;erdem, dass die Religionspolizei sich hin und wieder Fake-Profile anlegt und gezielt junge M&auml;nner anschreibt. Sie arrangieren ein Treffen mit ihnen und nehmen sie dann fest. Durch die Chat-Protokolle h&auml;tten sie gen&uuml;gend Beweismaterial. Doch selbst wenn sie das nicht haben, &bdquo;der Religionspolizei reicht teilweise ein Verdacht, um dir das Leben schwer zu machen", erkl&auml;rt Abdulrahman weiter.&nbsp; Ein anderes Mal m&uuml;ssten es hingegen eindeutige sexuelle Handlungen als Beweis sein. Die Vorgehensweise scheint willk&uuml;rlich. &bdquo;Zur Not konstruieren sie die Beweise einfach", sagt Abdulrahman. &nbsp;Doch ab wann die Grenze vom freundschaftlichen Anfassen &uuml;berschritten wird und etwas &bdquo;sexuell" ist, l&auml;sst sich nicht immer leicht feststellen.   Abdulrahman lacht. &bdquo;Wei&szlig;t du, f&uuml;r mich ist das gut. Ich kann mit Kerlen H&auml;ndchen haltend durch die Gegend laufen und niemand merkt, dass ich schwul bin", sagt er. &bdquo;Hier fassen sich doch alle st&auml;ndig gegenseitig an. Wie will man zwei H&auml;ndchen haltenden Typen nachweisen, dass sie schwul sind, wenn alle M&auml;nner H&auml;ndchen halten?" Eigentlich ist Saudi-Arabien ein Schwulen-Paradies." Aber weil viele junge M&auml;nner einem westlichen Vorbild nacheiferten, gelte mittlerweile auch bei einigen saudischen Jugendlichen H&auml;ndchen halten als schwul. Dass das Paradies auch ohne Religionspolizei zur H&ouml;lle werden kann, wei&szlig; er. Sein Bruder habe ihm neulich erz&auml;hlt, dass er Schwule verachte und dass er froh sei, keinen Schwulen in der Familie zu haben. Den w&uuml;rde er sonst verschlagen, vielleicht sogar t&ouml;ten. Anschlie&szlig;end fragte er Abdulrahman nach seiner Meinung. &bdquo;Ja", habe er geantwortet. &bdquo;Ich will so jemanden auch nicht in der Familie." Seitdem hat er vorerst seine Ruhe. Obwohl er schwul ist,&nbsp; m&ouml;chte er sp&auml;ter heiraten. Eigentlich nur, weil er Kinder will, mindestens sieben. Auch die Vorstellung, eine Ehefrau zu haben, findet er sch&ouml;n. Er will ihr nat&uuml;rlich treu bleiben und sein Schwul-Sein unterdr&uuml;cken. Seine Frau solle dann aber auch den Nikab, den Gesichtsschleier tragen. &bdquo;Es ist Teil unserer Kultur", sagt er. &bdquo;Manche Dinge m&uuml;ssen einfach sein."   
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