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  <title>52 Wochen Spanien</title>
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  <pubDate>Tue, 18 Jun 2013 22:44:20 +0200</pubDate>
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   <title>Leitungsgewirr</title>
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        Kabelwildwuchs an Hausw&amp;auml;nden z&amp;auml;hlt zu jenen Ph&amp;auml;nomenen, an denen sich im Spanien der Gegenwart nichts ge&amp;auml;ndert hat. Auf Reisen in andalusische D&amp;ouml;rfer des S&amp;uuml;dens fallen sie mir ebenso auf wie in St&amp;auml;dten des Nordens und selbst beim Austritt aufs Pflaster &amp;uuml;ber unserer eigenen Haust&amp;uuml;r: Rohrleitungen kreuz und quer &amp;uuml;ber den Fassaden, Strom und Gas, ein Irrgarten, teils in fragilem Zustand. Manche Str&amp;auml;nge verlaufen halbdutzendfach parallel in zarter Symmetrie, andere sind ineinander verdreht und entsprechen der Kunst filigraner Flechtbandornamentik, wieder andere stehen bedrohlich ab und werfen wildeste Kreise und Schlangenmuster in die Luft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t52_180px.jpg&quot; alt=&quot;t52_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Kabel von links oben und links unten&lt;br /&gt;direkt in die Wohnung hinein, der&lt;br /&gt;Rest ist W&amp;auml;scheleine und Rolloschnur -&lt;br /&gt;Fassadendetail in Granada&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Statt unter Putz oder im Boden versteckt, trotzen die Leitungen seit unbestimmten Zeiten der Witterung und ziehen sich mancherorts dank abenteuerlicher St&amp;uuml;tzhilfen auf H&amp;ouml;he der obersten Geschosse auf die andere Seite der Stra&amp;szlig;e. Alleine vier solcher Leitungsgebilde schweben &amp;uuml;ber die Altstadtgasse, in der wir wohnen. Ich habe heute extra nachgez&amp;auml;hlt und nebenbei bemerkt, dass es irgendeinem Witzbold gelungen ist, ein Paar Schuhe an einen Strang hinaufzuschleudern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Sieht das immer so aus hier?&amp;laquo;, fragen mich G&amp;auml;ste, die ich gelegentlich durch die Stadt f&amp;uuml;hre, und bringen Erinnerungen an vergleichbare Panoramen in Thailand und der Karibik ins Spiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ach, manches ist nur provisorisch&amp;laquo;, entgegne ich wahrheitsgem&amp;auml;&amp;szlig;, verzichte aber manchmal darauf zu erl&amp;auml;utern, dass ein Provisorium in Spanien ein Menschenzeitalter anhalten kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um kein Missverst&amp;auml;ndnis aufkommen zu lassen: Die Kabelsalate st&amp;ouml;ren mich nicht. Im Gegenteil. F&amp;uuml;r mich sind sie Relikte des guten alten Spanien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich liegt der Vorteil von Freilaufkabeln auf der Hand. Ist irgendwo etwas defekt, l&amp;auml;sst sich der Fehler aufsp&amp;uuml;ren, ohne fl&amp;auml;chendeckend B&amp;ouml;den und W&amp;auml;nde aufbaggern zu m&amp;uuml;ssen. Andererseits scheint mir das &amp;auml;u&amp;szlig;ere Leitungsgewirr ein Spiegelbild des Leitungsgewirrs der dahinter stehenden Versorgergesellschaften zu sein. In mein Ged&amp;auml;chtnis gebrannt bleibt ein Kabel des Stromanbieters &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt;, das &amp;ndash; zumindest gut isoliert &amp;ndash; &amp;raquo;kurz vor&amp;uuml;bergehend&amp;laquo; unter unserem Schlafzimmer im dritten Stock &amp;uuml;ber die Stra&amp;szlig;e hinweg bis zum Haus gegen&amp;uuml;ber baumelte. Ein in der Horizontalen durchh&amp;auml;ngendes Leinengew&amp;auml;chs also, auf dem ich mich im Stadtdschungel zu den Nachbarn auf Besuch h&amp;auml;tte hangeln k&amp;ouml;nnen, gesch&amp;auml;tzte zehn Meter lang. &amp;raquo;Kurz vor&amp;uuml;bergehend&amp;laquo; bedeutete letztlich: ein halbes Jahrzehnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t52b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t52b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Un&amp;uuml;bersehbar Kabelstr&amp;auml;nge,&lt;br /&gt;auch nachts in Frigiliana, Andalusien &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Legt man das Beispiel des Alberto L. zugrunde, der seinem Unmut Ende August in einem Leserbrief an die Zeitung &lt;em&gt;Diario de Navarra&lt;/em&gt; Luft verschaffte, l&amp;auml;sst sich rasches Handeln von &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt; ohnehin nur in Lichtjahren messen. Journalist Alberto hatte sich mit einem Redaktionsb&amp;uuml;ro selbstst&amp;auml;ndig gemacht und brandneue R&amp;auml;umlichkeiten in einem Gewerbegebiet angemietet. Nach Abschluss der Elektroinstallation durch eine autorisierte Firma Anfang Mai fehlte einzig die Freischaltung durch &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt;, eine Formalie. Der Restwonnemonat Mai zog ins Land, der Juni, dann wurde es Sommer &amp;ndash; aber immer noch kein Licht. Albertos Reklamationen prallten im Kundenzentrum und per Telefon an Mauern aus Desinteresse und Selbstherrlichkeit ab. Wen k&amp;uuml;mmerte, dass er ohne Stromzufuhr schwerlich arbeiten konnte? &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt; ist schlie&amp;szlig;lich Monopolist. Mitte September stie&amp;szlig; ich auf einen zweiten Leserbrief von Alberto, voll des untert&amp;auml;nigen Dankes. Nach &amp;uuml;ber vier Monaten hatte sich die Gesellschaft erbarmt und den Hebel umgelegt &amp;ndash; willkommen im Club!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dieser Club ist bis hin zu den Abrechnungsmodi ein ganz besonderer. Die Stromz&amp;auml;hlerst&amp;auml;nde werden von &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt; zwar nur alle zwei Monate abgelesen, aber auch uns flattert jeden Monat eine Rechnung mit wundersam detaillierter Kilowattzahl ins Haus. Des R&amp;auml;tsels L&amp;ouml;sung ist ein kleiner Vermerk, der in ablesefreien Monaten lautet: &lt;em&gt;consumo estimado&lt;/em&gt;, der &amp;raquo;gesch&amp;auml;tzte Verbrauch&amp;laquo;. Dieser ist nicht gerade niedrig angesetzt und wird nach der &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt;&#039;schen Zauberformel mit dem wahren Konsum verrechnet. Von Gutschriften oder R&amp;uuml;ckzahlungen habe ich nie geh&amp;ouml;rt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t52a_180px.jpg&quot; alt=&quot;t52a_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Malerisch in Haro (La Rioja),&lt;br /&gt;w&amp;auml;re da nur nicht&lt;br /&gt;das h&amp;auml;ngende Kabel ...&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Kontakte mit Spaniens Versorgergesellschaften verhei&amp;szlig;en in den wenigsten F&amp;auml;llen Gutes. Die stetig steigenden Nebenkosten werden nat&amp;uuml;rlich stillschweigend abgebucht, doch wehe dem, der sich als Versorgter mit der Beweisf&amp;uuml;hrung gegen Irrt&amp;uuml;mer der Versorger konfrontiert sieht! Die Gasgesellschaft habe ich im Kapitel &amp;raquo;Gasalarm&amp;laquo; ausgiebig gew&amp;uuml;rdigt, &lt;em&gt;Iberdrola&lt;/em&gt; lie&amp;szlig; sich in einem Fall erst nach Intervention einer Verbraucherschutzvereinigung herab, einen Ablesevorgang zu pr&amp;uuml;fen und die Summe leicht nach unten zu korrigieren: nicht 3.010 Euro, wie vom Besitzer f&amp;uuml;r den Energiekonsum in einem leerstehenden Abstellraum gefordert, sondern 6,97 Euro ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;K&amp;uuml;ndigt ein Schreiben der Wasserwerke &amp;raquo;Fortschritte f&amp;uuml;r den Verbraucher&amp;laquo; an, schrillen die Alarmglocken, steht Schlimmes zu bef&amp;uuml;rchten. Als Beispiel m&amp;ouml;ge Beatriz H. herhalten, die in einer Zeitungszuschrift schilderte, wie der f&amp;uuml;r sie als &amp;raquo;kostenlos angek&amp;uuml;ndigte Wechsel des Wasserz&amp;auml;hlers&amp;laquo; ablief. Zun&amp;auml;chst zerlegte der Auftragsklempner einen K&amp;uuml;chenschrank und riss ein kindskopfgro&amp;szlig;es Loch in die Wand, um an eine Zuleitung zu kommen. Als unter seiner Hand der Griff am Wasserzufuhrschalter brach, sagte er: &amp;raquo;War wohl stark &amp;uuml;beraltet. Ab jetzt kannst du alles per Schraubenschl&amp;uuml;ssel &amp;ouml;ffnen und schlie&amp;szlig;en. Ist kein Problem.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beatriz bestand indes darauf, dieses gerade entstandene Problem so schnell wie m&amp;ouml;glich zu beheben: &amp;raquo;Bis heute war alles noch ganz.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Missmutig verabschiedete sich der Klempner mit den Worten: &amp;raquo;Na gut, ich seh&#039; im Lager nach, ob ich so ein Teil finde, und rufe dich dann an.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er dies sprach, war es Juni. Was im Lager passierte, ist nie ans Licht gedrungen, und eine Klempnerleiche wurde bis heute nicht gefunden. Fest steht, dass sich die Stadtwerke in den Monaten nach dem mysteri&amp;ouml;sen Verschwinden weigerten, andere Handwerker zu entsenden, boten Beatriz aber an, sie k&amp;ouml;nne in der Zentrale vorbeikommen und schriftlich eine Reklamation einreichen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf die skeptische Frage &amp;raquo;Die n&amp;uuml;tzt aber ohnehin nichts, oder?&amp;laquo; bekam sie zur Antwort: &amp;raquo;Nein, eigentlich nicht, aber du kannst es trotzdem versuchen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beatriz lehnte dankend ab. Das Loch in der K&amp;uuml;che zementierte sie in Eigenregie zu, auch die Schrankteile f&amp;uuml;gte sie selber wieder zusammen. F&amp;uuml;r den Rest bestellte sie gegen Ende des Jahres auf eigene Kosten einen Installateur.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 20 Feb 2012 08:00:17 +0100</pubDate>
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   <title>Pharaonische Werke</title>
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        Es war ein Meilenstein in der Geschichte der Luftfahrt, als an Spaniens Mittelmeerk&amp;uuml;ste der Flughafen von &lt;em&gt;Castell&amp;oacute;n de la Plana&lt;/em&gt; im Beisein von Politikern, Presse und &amp;uuml;ber einer Tausendschaft per Bussen herbeigeschafften Zuschauerstatisten seine feierliche Er&amp;ouml;ffnung erfuhr. Ein brandneuer, auf den modernsten Technikstand gehobener Airport, der bis auf Weiteres eine Rundum-sorglos-Garantie verhie&amp;szlig;, weltweit einzigartig: keine drohenden Fluglotsenstreiks, keine Versp&amp;auml;tungen, keine Bel&amp;auml;stigungen nahegelegener Orte durch Flugl&amp;auml;rm, nicht einmal ein Minimalrisiko f&amp;uuml;r Flugzeugungl&amp;uuml;cke. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t51b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t51b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Beispiel eines pharaonischen Werkes der&lt;br /&gt;Gegenwart, an dem 2011 letzte Hand&lt;br /&gt;angelegt wurde: das Kulturzentrum Oscar Niemeyer&lt;br /&gt;in der nordspanischen Industriestadt Avil&amp;eacute;s.&lt;br /&gt;Die Entw&amp;uuml;rfe soll Brasiliens Jahrhundertarchitekt&lt;br /&gt;Oscar Niemeyer selbst geliefert haben.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Lenker und Denker hatten das Doppelkunstst&amp;uuml;ck vollbracht, den Bau des Flughafens ohne Marktstudien in Auftrag gegeben und zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme keine einzige beh&amp;ouml;rdliche Genehmigung f&amp;uuml;r den Flugverkehr eingeholt zu haben. Kommt Zeit, kommt Flugzeug, irgendwann irgendwoher, dachte man sich &amp;ndash; und nahm mangels Kundschaft alsbald die Schlie&amp;szlig;ung vor. Dann kamen doch noch V&amp;ouml;gel, allerdings keine metallisch gl&amp;auml;nzenden, sondern kleinere, die Nester bauten und sich auf den Terminald&amp;auml;chern erleichterten. Zudem r&amp;uuml;ckten Invasionen von Wildkaninchen an, die hinter den Stacheldrahtz&amp;auml;unen zu Tausenden Zuflucht vor J&amp;auml;gern fanden, sich an Kabelsalaten zu schaffen machten und vermehrten wie die Karnickel. Ein Jahr nach dem Er&amp;ouml;ffnungstermin war immer noch keine Maschine in Sicht, daf&amp;uuml;r stellten die Verantwortlichen ein Karnickelbek&amp;auml;mpfungsprogramm mit Frettchen und Jagdfalken auf die Beine &amp;ndash; und das war mit 100.000 Euro ein Spottpreis gegen den 150 Millionen Euro teuren Flughafen von &lt;em&gt;Castell&amp;oacute;n de la Plana&lt;/em&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t51a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t51a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Historisches Bild von 2008:&lt;br /&gt;auf der Weltausstellung (&amp;raquo;Expo&amp;laquo;) in Zaragoza&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Die &amp;raquo;Manie der gro&amp;szlig;en Gesten, die Er&amp;ouml;ffnungen, die Gedenkfeiern&amp;laquo; &amp;ndash; Antonio Mu&amp;ntilde;oz Molina, einer der brillantesten Gegenwartsliteraten Spaniens, hat sie oft genug angeprangert und zur Debatte gestellt, wie sich &amp;raquo;ein Land von solch mittelm&amp;auml;&amp;szlig;iger Bedeutung soviel Luxus&amp;laquo; erlauben konnte. In einem regelrechten &amp;raquo;Delirium&amp;laquo; sah er die Nation best&amp;auml;ndig &amp;uuml;ber ihre Verh&amp;auml;ltnisse leben und in einem &amp;raquo;Zustand partieller Irrealit&amp;auml;t&amp;laquo; durch die Zeiten taumeln, in denen auch ich mich als teilnehmender Beobachter bewegte und die Resultate staunend zur Kenntnis nahm: ob einst auf den Weltausstellungen in Sevilla und Zaragoza oder bei Besuchen pharaonischer Werke der Moderne, die auf Stararchitekten wie Santiago Calatrava und Peter Eisenman fu&amp;szlig;ten und deren Baukosten ein Vielfaches vom Ursprungsbudget verschlangen. Spontan kommen mir die museale &amp;raquo;Stadt der K&amp;uuml;nste und Wissenschaften&amp;laquo; in Valencia und die &amp;raquo;Galicische Kulturstadt&amp;laquo; &amp;uuml;ber Santiago de Compostela in den Sinn. Die Liste ist lang. Gut, dass in Spanien wenigstens keine Hauptstadt von B nach B verlegt werden musste ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t51_180px.jpg&quot; alt=&quot;t51_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;In der &amp;raquo;Stadt der K&amp;uuml;nste&lt;br /&gt;und Wissenschaften&amp;laquo; in Valencia&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Inwieweit schwingen bei Gro&amp;szlig;vorhaben Stolz und Imagedenken, vielleicht sogar Minderwertigkeitskomplexe der einstigen Weltmacht Spanien mit? Will man den anderen wirklich zeigen, was man (wieder) ist, was man (wieder) kann? Denkt man wirklich so weit? Jes&amp;uacute;s, mein Schwiegervater, Antonio, mein Schwager, &lt;em&gt;Jott-Ze&lt;/em&gt;, mein Quasi-Schwager, glauben, wie zuletzt bei einem Tischgespr&amp;auml;ch, das sich &amp;uuml;ber mehrere Stunden hinzog, eher: Nein. Priorit&amp;auml;t haben in ihren Augen einzig die Provisionen, die Politiker, deren befreundete Bauunternehmer und hohe Beh&amp;ouml;rdentiere heimlich einstreichen. Sind die Gelder aus jedweden Kan&amp;auml;len einmal verteilt &amp;ndash; wen interessieren da Starts und Landungen auf einem Randgebietsflughafen wie &lt;em&gt;Castell&amp;oacute;n de la Plana&lt;/em&gt;? Oder G&amp;auml;ste im Hotel &lt;em&gt;El Algarrobico&lt;/em&gt;. Dieser Megabau schaffte es nicht einmal bis zu seiner Er&amp;ouml;ffnung, da leider illegal im andalusischen Naturpark &lt;em&gt;N&amp;iacute;jar-Cabo de Gata&lt;/em&gt; in die H&amp;ouml;he und Breite gedehnt. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und weitgehender Fertigstellung stand per Gerichtsurteil der Abriss an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In die Gegenwart retten konnte sich hingegen das &amp;uuml;berdimensionierte Zentrum der Zeitgen&amp;ouml;ssischen Kunst in Huarte, dessen Weiterbau lediglich l&amp;auml;nger paralysiert war. Im Hier und Heute spanischer Mentalit&amp;auml;t liegt das Morgen erfahrungsgem&amp;auml;&amp;szlig; Lichtjahre entfernt. Bei der Planung war nicht bedacht worden, dass ein Museum &amp;ndash; einmal eingeweiht &amp;ndash;Personal- und Betriebskosten mit sich bringt, ganz unabh&amp;auml;ngig davon, dass sich kaum Kunstpublikum nach Huarte verirrt, einen blassen Vorort von Pamplona. Als ich zuletzt mit meiner Mutter dort war, machte am Empfang die Nachricht die Runde: &amp;raquo;Besucher aus Deutschland!&amp;laquo; So freudig war ich lange nicht mehr begr&amp;uuml;&amp;szlig;t worden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er&amp;ouml;ffnen, schlie&amp;szlig;en, brandneu dem Verfall entgegen. Diese Praxis hat in Spanien erfolgreich die Runde gemacht und zwischenzeitlich einen zweiten Airport erreicht, den von &lt;em&gt;Ciudad Real&lt;/em&gt;, aber auch ein Heim f&amp;uuml;r psychisch Kranke in Sarriguren. Schade, denn letztgenanntes w&amp;uuml;rde sich vorz&amp;uuml;glich f&amp;uuml;r Zwangseinweisungen von Flughafenplanern eignen.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 13 Feb 2012 10:06:19 +0100</pubDate>
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   <title>Magie der Düfte</title>
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        Briten und Deutsche duschen vergleichsweise wenig, w&amp;auml;hrend in beiden L&amp;auml;ndern gleichlaufend gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Mengen an Deodorant verbraucht werden &amp;ndash; &lt;em&gt;J. C.&lt;/em&gt;, eingedeutscht ausgeschrieben: &lt;em&gt;Jott-Ze&lt;/em&gt;, dem Ewigfreund meiner Schw&amp;auml;gerin Ana, ist diese Statistik im Ged&amp;auml;chtnis geblieben. Vor allem bei Briten w&amp;uuml;rde mich die Hygienepraxis nicht wundern und erkl&amp;auml;ren, wo die Aura herkommt, gegen die sich nicht einmal erfolgreich andeodorieren l&amp;auml;sst. Und auf den Lehrer aus England, der seit Jahren &amp;uuml;ber uns wohnt und tristerweise an einer &lt;em&gt;Opus-Dei-&lt;/em&gt;Schule unterrichtet, schlie&amp;szlig;e ich zudem jede Wette ab, dass sein Wollpulli nicht nur die Ausd&amp;uuml;nstungen von vor Jahren, sondern auch die R&amp;uuml;chlein von &lt;em&gt;Fish&#039;n&#039;chips&lt;/em&gt; vom letzten Aufenthalt in der Altheimat konserviert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spanier hingegen wirken meistens gepflegt, sparen nicht an Duftw&amp;auml;sserchen und duschen laut &lt;em&gt;Jott-Zes &lt;/em&gt;abgespeicherter Statistik au&amp;szlig;erordentlich h&amp;auml;ufig. Wer sich zum Ausgehen verabredet, darf sich in Spanien in 81 Prozent der F&amp;auml;lle auf ein frisch geduschtes Gegen&amp;uuml;ber freuen, habe ich einer Umfrage entnommen, die gleicherma&amp;szlig;en besagte, dass &amp;uuml;ber zwei Drittel der befragten Spanier die Zeit des Duschens zum Nachdenken nutzen und 33 Prozent gelegentlich Selbstges&amp;auml;nge anstimmen, meistens Pop. Im altangestammten Macholand sollen sich &amp;uuml;berdies zunehmend mehr M&amp;auml;nner Haare auf Brust und R&amp;uuml;cken und im Dunstkreis um das Gem&amp;auml;cht entfernen, weshalb ich zuletzt im Sportclub exemplarische Blicke durch Sammelumkleiden und -duschen schweifen lie&amp;szlig;. Es stimmte! Dazu musste ich nicht einmal bis auf Urologenn&amp;auml;he herangehen. Kaum etwas schien so, wie es das Haarwurzelwerk der Natur vorgesehen hatte. An manchem K&amp;ouml;rper herrschte Kahlschlag, nicht einmal Achselb&amp;uuml;sche hatten den Einsatz von Macheten und Klingen &amp;uuml;berlebt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t50b_180px.jpg&quot; alt=&quot;t50b_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Maurisches Badehaus&lt;br /&gt;(11. Jahrhundert),&lt;br /&gt;Granada&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Hygiene und Spanien &amp;ndash; das ist allerdings keine in sich geschlossene Geschichte der Harmonie. &amp;raquo;Viele maurische und j&amp;uuml;dische Quellen beschreiben den unertr&amp;auml;glichen Gestank, der einen Christenmenschen h&amp;auml;ufig umgab&amp;laquo;, hat Peter Hilgard in seinem Buch &amp;raquo;Der maurische Traum&amp;laquo; in R&amp;uuml;ckschau auf das Mittelalter in Spanien geschrieben. An Glauben und Kultur gekn&amp;uuml;pft, zeichneten sich die Mauren ihrerseits durch einen ausgepr&amp;auml;gten Hang zur Sauberkeit aus. Alleine in Granada, dem Zentrum ihres letzten Reiches auf der Iberischen Halbinsel, gab es &amp;uuml;ber zwanzig Badeh&amp;auml;user, in denen man sich zum sozialen Austausch und K&amp;ouml;rperputz traf, Geist und Leib in Einklang brachte. Doch dann r&amp;uuml;ckten die Spanier zur Belagerung der Stadt an. K&amp;ouml;nigin Isabella von Kastilien soll gelobt haben, solange ihr Hemd nicht zu wechseln, bis Granada unterworfen war. Dar&amp;uuml;ber vergingen Jahre ... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob der Monarchin Kleiderwechsel nach der Eroberung 1492 letztlich erfolgte oder nicht &amp;ndash; ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;erer Enthusiasmus f&amp;uuml;r Hygiene blieb alleine aus ideologischen Gr&amp;uuml;nden aus. Eifernde spanische Christen, die die Badeanstalten der Mauren schlossen, da man in ihnen Orte des viehischen Vergn&amp;uuml;gens sah, erhob der Schmutz auf die &amp;raquo;Vorstufe der Heiligkeit&amp;laquo;, so Peter Hilgard, denn: Alles, was mit B&amp;auml;dern und k&amp;ouml;rperlichem Wohlbefinden im Bunde stand, erweckte den Verdacht s&amp;uuml;ndvoller Begierde und Abtr&amp;uuml;nnigkeit, f&amp;uuml;r die im Verdachtsfall die Inquisition zust&amp;auml;ndig war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t50a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t50a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Einst stinkeschmutzig, heute durchaus gepflegt:&lt;br /&gt;die Hauptstadt Madrid, hier die Puerta de Alcal&amp;aacute;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Sp&amp;auml;ter fiel Madrid der Ruf der dreckigsten Hauptstadt Europas zu, in der es dem Reisenden Camillo Borghese Ende des 16. Jahrhunderts den Atem verschlug. Er schilderte Stra&amp;szlig;en voller Schmutz und Morast sowie fehlende Aborte, &amp;raquo;weshalb die Einwohner ihre ganze Notdurft in das Nachtgeschirr entrichten, das sie dann auf die Stra&amp;szlig;en leeren, was einen unertr&amp;auml;glichen Gestank verursacht.&amp;laquo; Heute stinkt es mancherorts eher nach faulem Politsumpf und Korruption.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Ehrenrettung Madrids sei gesagt, dass bereits Richard Twiss in seinen &amp;raquo;Travels through Portugal and Spain, in 1772 and 1773&amp;laquo; von solch sauberen Gassen sprach, wie er sie niemals vorher gesehen hatte, &amp;raquo;selbst nicht in den holl&amp;auml;ndischen St&amp;auml;dten.&amp;laquo; F&amp;uuml;r das Hauptstadtvolk gab es im 19. Jahrhundert knapp zwanzig Badeh&amp;auml;user, von denen manche nur im Sommer &amp;ouml;ffneten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t50_180px.jpg&quot; alt=&quot;t50_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Duschsymbol &amp;uuml;ber dem Zugang des&lt;br /&gt;&amp;ouml;ffentlichen Dusch- und Badehauses&lt;br /&gt;in der Altstadt von Pamplona&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Wer jedoch w&amp;uuml;rde f&amp;uuml;r m&amp;ouml;glich halten, dass hier und heute vereinzelt noch ein &amp;ouml;ffentliches Dusch- und Badehaus, &lt;em&gt;Casa de Ba&amp;ntilde;os&lt;/em&gt;, existiert ...? So wie im Madrider Stadtteil &lt;em&gt;Tetu&amp;aacute;n&lt;/em&gt;, wo viele Immigranten leben und jede neunte Wohnung keine vierzig Quadratmeter gro&amp;szlig; ist. Eine andere &lt;em&gt;Casa de Ba&amp;ntilde;os&lt;/em&gt; liegt zehn Gehminuten von meinem eigenen Bad entfernt in Pamplona, wobei mein Selbstversuch nicht soweit ging, als dass ich mich zuletzt dort gereinigt h&amp;auml;tte, obwohl es keineswegs unangenehm roch und alles hell und einladend wirkte. Hinter der mit einem Duschsymbol versehenen Ziegelfront, die sich in einen modernisierten Wohnblock der Altstadt f&amp;uuml;gte, lag der Empfangsschalter, daneben hing die Preisliste aus: einmal duschen 1,05 Euro, Vollbad 3,10 Euro, Handtuchmiete 40 Cent, ein Seifenst&amp;uuml;ck ebenfalls 40 Cent. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;F&amp;uuml;r Obdachlose mit Nachweis ist die Nutzung umsonst, aber hier kommen nicht nur Obdachlose hin&amp;laquo;, kl&amp;auml;rte mich die freundliche, junge Empfangsdame auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Sondern?&amp;laquo;, hakte ich nach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Es gibt immer Arbeiter, Durchreisende. Oder Einwanderer, die sich irgendwo nur ein Zimmer mieten&amp;laquo;, sagte sie. &amp;raquo;Oder Nachbarn, bei denen gerade das Bad renoviert wird. Oder alte Leute, die sich zuhause nicht mehr alleine in die Badewanne trauen. Hier haben sie Wannen mit Griff.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann f&amp;uuml;gte sie, mit etwas leiserer Stimme, zum Querschnitt der Klientel hinzu: &amp;raquo;Wei&amp;szlig;t du, au&amp;szlig;erdem gibt es immer noch Alte hier im Viertel, die haben &amp;uuml;berhaupt keine Wanne und keine Dusche. Das ist schwer zu glauben, aber es ist so.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mit einem von Neugier getriebenen Besuch in einem spanischen Dusch- und Badehaus begann, sei hiermit als Zeitzeugnis des 21. Jahrhunderts festgehalten.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 06 Feb 2012 11:57:15 +0100</pubDate>
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   <title>Toxikologische Gefahren, ein weiter Weg zur nächsten Lücke und kein Gruß von der Gebühreneinzugszentrale</title>
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        Dieser impertinente Gestank &amp;auml;tzt sich durch meine Nase in den Brustkorb. Wer ihn einmal eingeatmet hat, wei&amp;szlig;, was ich meine, dahinter steckt Vergiftungsgefahr von &amp;ndash; &lt;em&gt;lej&amp;iacute;a&lt;/em&gt;. Und wer, wie &amp;Uuml;bersetzer, &lt;em&gt;lej&amp;iacute;a&lt;/em&gt; einfach als &amp;raquo;Lauge&amp;laquo; bezeichnet, handelt grob fahrl&amp;auml;ssig. Nein, &lt;em&gt;lej&amp;iacute;a&lt;/em&gt; ist kein landl&amp;auml;ufiges Putzmittel, sondern ein teuflisches Chlorkonzentrat in Form von Kampfstoff, eine Allzweckwaffe, vor dem der Schmutz fast freiwillig fl&amp;uuml;chtet. Meine Schwiegereltern benutzen die Marke &lt;em&gt;Conejo&lt;/em&gt;, was &amp;raquo;Kaninchen&amp;laquo; bedeutet. Ein eben solches hoppelt &amp;uuml;ber das Frontetikett der Flasche, ein blendwei&amp;szlig;es Tier, g&amp;auml;nzlich fell- und augenlos, als h&amp;auml;tte jemand den Inhalt &amp;uuml;ber ihm ausgekippt. Auf des Menschen Kleidung hinterl&amp;auml;sst die Fl&amp;uuml;ssigkeit bei unvorsichtiger Handhabe keine &amp;raquo;garantierte Desinfektion&amp;laquo;, wie die Werbeaufschrift verhei&amp;szlig;t, sondern &amp;uuml;belste Flecken. Im Kontaktfall mit Augen und Haut seien umgehend gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Mengen an Wasser zu benutzen, entnehme ich dem Warnhinweis auf dem R&amp;uuml;cketikett von &lt;em&gt;Conejo&lt;/em&gt;. Vorsorglich abgedruckt ist &amp;uuml;berdies die Telefonnummer eines Toxikologischen Dienstes in Madrid ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t49_180px.jpg&quot; alt=&quot;t49_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;182&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;In Pose auf einen Balkon gestellt: fregona&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Lej&amp;iacute;a&lt;/em&gt; z&amp;auml;hlt zu den Bahn brechenden Erfindungen, die ebenso im spanischen Leben verankert sind wie Stangenwei&amp;szlig;brot, Siesta, Oliven&amp;ouml;l, luftgetrockneter Schinken und Kartoffelomelette. Nicht immer ist der Erfinder gel&amp;auml;ufig, im Falle des spanischen Wischmopps schon, zumindest nach einem Juristenmarathon bis ins laufende Jahrtausend hinein. Manuel Jal&amp;oacute;n Corominas hie&amp;szlig; der Ingenieur, der in den 1950er Jahren die &lt;em&gt;fregona&lt;/em&gt; entwickelte und als Massenware zu produzieren begann, ein mit breiten Aufwischfransen ausstaffiertes Schrubbermodell, zu dem ein Plastikeimer mit speziellem Auswringeinsatz geh&amp;ouml;rt. Die &lt;em&gt;fregona&lt;/em&gt; erhob, wie es seinerzeit hie&amp;szlig;, &amp;raquo;die spanische Frau von der Erde&amp;laquo;. Bei der ihr zugedachten Drecksarbeit brauchte sie fortan also nicht mehr auf Knien in die Ecken zu rutschen, sondern konnte beim Bodenscheuern dank des Langstielers aufrecht stehen und ihre Knochen schonen. Ob daher die hohe Lebenserwartung der Spanierinnen kommt? Oder doch vom Oliven&amp;ouml;l? Egal, der gesellschaftliche Wandel hat mit sich gebracht, dass heute selbst spanische M&amp;auml;nner die &lt;em&gt;fregona&lt;/em&gt; &amp;raquo;ohne sich zu sch&amp;auml;men&amp;laquo; benutzen, wie ich einem Nachruf auf Manuel Jal&amp;oacute;n Corominas entnahm. Zu den Schamfreien z&amp;auml;hlt mein Schwiegervater, der es mit R&amp;uuml;cksicht auf seine Gattin zwar weitgehend vermeidet, bei der Hausarbeit in die Quere zu kommen, die Schwing- und Wringbewegungen beim Einsatz der &lt;em&gt;fregona&lt;/em&gt; jedoch in eine formvollendete harmonische Einheit zu bringen versteht. Ohne Knurren beseitigt er sogar die Spuren meines Schwiegerhunds, der leider inkontinent geworden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t49a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t49a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Die Schwebef&amp;auml;hre in einem Vorort von Bilbao&lt;br /&gt;wird ebenfalls als spanische Erfindung angesehen&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Wer &amp;raquo;spanische Erfindungen&amp;laquo; googelt, st&amp;ouml;&amp;szlig;t auf den Federkiel, das dampfgetriebene U-Boot, den Wasserz&amp;auml;hler, die Schwebef&amp;auml;hre, das Tischfu&amp;szlig;ballspiel, Dauerlutscher (&amp;raquo;&lt;em&gt;Chupa Chups&lt;/em&gt;&amp;laquo;), Pulverminen. Improvisierte Brands&amp;auml;tze, die sp&amp;auml;ter als Molotowcocktails weltweit Erfolge bei Demonstrationen und Kriegen feierten, sollen ihren Ursprung ebenfalls in Spanien haben, w&amp;auml;hrend das Terrain spanischer Mixgetr&amp;auml;nke &amp;uuml;bel vermint ist. Da kommt mir die in Restaurants oft ungenie&amp;szlig;bare Sangria in den Sinn, der mit wei&amp;szlig;er Limonade gepanschten &amp;raquo;Sommerrotwein&amp;laquo; &lt;em&gt;tinto de verano&lt;/em&gt; und die Melange aus Rotwein und Cola, &lt;em&gt;calimocho&lt;/em&gt;, die im Zuge von Volksfesten mit dem Befund von schwer heilbarer Sch&amp;auml;delschwere einhergeht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Je besser der Wein, desto besser der &lt;em&gt;calimocho&lt;/em&gt;&amp;laquo;, stie&amp;szlig; einst ein spanischer Freund von uns in geradezu philosophischer Ekstase aus. Vor langem hat uns das Schicksal voneinander getrennt, was weniger mit dem &lt;em&gt;calimocho&lt;/em&gt;, als seiner Sympathie zur christlichen Mafia &lt;em&gt;Opus Dei&lt;/em&gt; zusammenh&amp;auml;ngt. Ob er weiter trinkt, wei&amp;szlig; ich nicht. Ob er sich hinter verschlossenen T&amp;uuml;ren im Dienste des Glaubens bis zum Delirium gei&amp;szlig;elt, bleibt spekulativ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blicke ich auf immaterielle Erfindungen zur&amp;uuml;ck, haben Regelwerke die Landesgeschichte gepr&amp;auml;gt: eines zum Blutfluss in mehreren Akten (Stierkampf), ein anderes zur sogenannten &amp;raquo;Blutreinheit&amp;laquo;, die w&amp;auml;hrend der Inquisition mit der Verfolgung Andersdenkender sowie Einheit und Machterhalt von Staatsgewalt und Kirche im Bunde stand. W&amp;auml;hrend Inquisition und Glaubenseinheit die Zeiten nicht &amp;uuml;berdauert haben, greifen bis in die Gegenwart Erfindungen um sich, deren Urspr&amp;uuml;nge in der Fremde liegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t49b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t49b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;285&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Wer hat eigentlich&lt;br /&gt;Spaniens luftgetrocknete Schinken erfunden ...?&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&amp;nbsp;Steuern und Geb&amp;uuml;hren, die in Mitteleuropa lange bekannt waren, schafften es schlie&amp;szlig;lich mit Erfolg &amp;uuml;ber die Pyren&amp;auml;en. Als Spanien von einer Novit&amp;auml;t namens geb&amp;uuml;hrenpflichtigem Anwohnerparken erfuhr, das sich als B&amp;uuml;rgerservice etikettieren lie&amp;szlig;, erwachten Amtsschreibtischt&amp;auml;ter aus dem Schlaf. An h&amp;ouml;here Mathematik war die &amp;Uuml;bernahme derlei Geb&amp;uuml;hreneintreibwesens nicht gekn&amp;uuml;pft, sondern endete im chronischen &lt;em&gt;Overbooking&lt;/em&gt;. In dem Stadtviertel, in dem ich lebe, &amp;uuml;bersteigt die Zahl der j&amp;auml;hrlich ausgegebenen Anwohnerparkausweise &amp;raquo;&lt;em&gt;Zone A&lt;/em&gt;&amp;laquo; die der vorhandenen Pl&amp;auml;tze um etwa das Sechsfache, weshalb man gn&amp;auml;digerweise ohne Aufpreis au&amp;szlig;erhalb parken darf. Oft liegt die n&amp;auml;chste L&amp;uuml;cke in &amp;raquo;&lt;em&gt;Zone B&lt;/em&gt;&amp;laquo; zehn bis zwanzig Minuten Fu&amp;szlig;marsch von der Wohnung entfernt, &amp;Auml;ltere und Gehbehinderte brauchen etwas l&amp;auml;nger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vers&amp;ouml;hnlich stimmt, dass es wenigstens eine Erfindung bislang nicht in meine Wahlheimat geschafft hat: Fernsehgeb&amp;uuml;hren. Spanien ist dahingehend ein Paradies, es gibt keinen Gru&amp;szlig; der Geb&amp;uuml;hreneinzugszentrale. Ich wei&amp;szlig;, es ist ungerecht, aber ich empfange auch &amp;uuml;ber drei&amp;szlig;ig deutsche Fernsehprogramme &amp;ndash; und genie&amp;szlig;e nicht nur den Basiszustand des Nulltarifs, sondern zappe mich eifrig durch. Denn was w&amp;auml;re die Welt ohne Supertalente und ohne Freizeitbetreuer wie Thomas, G&amp;uuml;nther, J&amp;ouml;rg und Harald? Und was w&amp;auml;re ein Leben ohne Dschungelcamp, Winnetoukonserven und ewigjunge S&amp;auml;ngerinnen und S&amp;auml;nger, die den Auslauf in ihren Geriatrischen Zentren zu Auftritten bei Festen der Volksmusik nutzen ...&lt;br /&gt;
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   <link>http://www.geo.de/blog/geo/52-wochen-spanien/allgemein/erfindungen</link>
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 30 Jan 2012 17:36:56 +0100</pubDate>
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   <title>Haufenweise Würstchen und ein paar klebrige Denkzettel</title>
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        &lt;em&gt;Chorizo&lt;/em&gt;, das ist die typisch r&amp;ouml;tliche Wurst, die auf einer Mixtur aus geschredderten bis p&amp;uuml;rierten Schweineteilen, Knoblauch und Paprikapulver basiert. Hauptsache, gut gew&amp;uuml;rzt und ohne erkennbare Augen, Borsten, Knochen oder gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Knorpelst&amp;uuml;cke. Je nach Variante kommt sie entweder kalt auf mein Brot oder wandert in den Eintopf und garantiert ein in unregelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Abst&amp;auml;nden aus den K&amp;ouml;rpertiefen wiederaufsteigendes Aroma. &lt;em&gt;Chorizo&lt;/em&gt; bedeutet auf Spanisch aber auch Dieb oder Gauner. Und solch ungenie&amp;szlig;bare W&amp;uuml;rstchen wursteln sich in &amp;Uuml;berf&amp;uuml;lle durch die Politlandschaft, g&amp;auml;nzlich unabh&amp;auml;ngig von Parteien, Funktionen, Geschlecht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t48_300px.jpg&quot; alt=&quot;t48_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Haufenweise W&amp;uuml;rstchen -&lt;br /&gt;in einer Gesch&amp;auml;ftsvitrine in Oviedo, Asturien&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Verbreitet sind die g&amp;auml;ngigen Symptome, die quer durch National- und Lokalschichten h&amp;ouml;chste Ansteckungsgefahr verhei&amp;szlig;en: krankhafte Habgier, Verschleudersucht &amp;ouml;ffentlicher Gelder und ein ausgekochter Instinkt f&amp;uuml;r alle Arten von Vorteilsnahme. Manchmal gesellt sich bei den W&amp;uuml;rstchen das Potenzial grobschl&amp;auml;chtiger Beschr&amp;auml;nktheit hinzu, so wie beim Exb&amp;uuml;rgermeister des andalusischen Ortes Valverde del Camino, der aus Gemeindes&amp;auml;ckeln eine Art Unterst&amp;uuml;tzungsfonds f&amp;uuml;r Betriebsst&amp;auml;tten des Rotlichtmilieus unterhielt. Hormonelle Entlastungen in Sevilla pflegte er mit der Kreditkarte seines Rathauses zu begleichen, bedauerlicherweise kam sein Dreck am Stecken heraus (hier dr&amp;auml;ngen sich Parallelen zur vorangegangenen Episode auf). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fern von Bewegungs&amp;uuml;bungen lag der Fall der Stadtverordneten Itziar G., denn die hauptberufliche, sattsam entlohnte Politikerin konnte sich vor&amp;uuml;bergehend nicht mehr so recht bewegen. Ein Sportunfall hatte sie eine Zeit au&amp;szlig;er Gefecht gesetzt, der Arzt sie krank geschrieben. W&amp;auml;hrend ihrer monatelangen Rekonvaleszenz gab sie die Aufopferungsvolle, um in Pamplona an acht Sitzungen teilzunehmen, darunter denen der Wasserwerke, f&amp;uuml;r die ihre Anwesenheit belanglos war. Der Zufall wollte, dass es f&amp;uuml;r die Sitzungen betr&amp;auml;chtliche Sitzungsgelder gab. Bei &amp;uuml;ber zwanzig weiteren Sitzungsterminen zum Nulltarif ward Itziar G. zur Krankschreibungszeit nicht gesehen und sa&amp;szlig; die Kritik ihrer Gegnerschaft aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spaniens Politikerinnen und Politiker arbeiten kontinuierlich und &amp;auml;u&amp;szlig;erst erfolgreich am Gesichtsverlust. Woher die sorgsam in Zeitungspapier gewickelten Scheine stammten, mit denen ein sozialistischer Exminister f&amp;uuml;r 100.000 Euro in bar ein Pferd kaufte, blieb jedoch gleicherma&amp;szlig;en folgenfrei wie die Angabe einer Kongressabgeordneten, die vorgab, gedacht zu haben, die offen gelegten tausend Euro Nebeneink&amp;uuml;nfte w&amp;auml;ren pro Jahr gemeint gewesen. Dass sie weit mehr als diese pro Monat einstrich, war ein kleiner Irrtum, man kennt das, kann passieren. Und dass die Firma einer Senatorentochter f&amp;uuml;r Kurse und Projektausarbeitungen &amp;uuml;ber Jahre hinweg aus der Staatskasse Subventionen in sechsstelliger H&amp;ouml;he abzweigte, d&amp;uuml;rfte eher an den Konstellationen der Gestirne gelegen haben. Inhaltlich ging es um &amp;raquo;wirtschaftliche Entwicklung&amp;laquo;, wahrscheinlich die eigene. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right; float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t48b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t48b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Protestplakate von Wutb&amp;uuml;rgern gegen die&lt;br /&gt;Selbstbedienung von Politikern und B&amp;auml;nkern.&lt;br /&gt;Auch &quot;No hay pan para tanto chorizo&quot; ist&lt;br /&gt;zu lesen. Es gibt halt gar nicht soviel Brot&lt;br /&gt;f&amp;uuml;r soviel Chorizo.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&amp;raquo;&lt;em&gt;Spain is different&lt;/em&gt;&amp;laquo;, lautete irgendwann ein Werbespruch. Dabei ging und geht es in Spanien nicht anders zu als andernorts, gekoppelt an einen doppelten S&amp;auml;ttigungsgrad: ges&amp;auml;ttigt von Geld, aber dauergierig auf neues die W&amp;uuml;rstchen, ges&amp;auml;ttigt von Wut und Ohnmacht das Volk. &amp;Ouml;fter habe ich bei Sozialprotesten Transparente mit der Aufschrift &amp;raquo;&lt;em&gt;No hay pan para tanto chorizo&lt;/em&gt;&amp;laquo; gelesen. Wollte hei&amp;szlig;en: &amp;raquo;Es gibt gar kein Brot f&amp;uuml;r soviel Chorizo&amp;laquo;, womit nicht die r&amp;ouml;tliche Wiederkehrwurst gemeint war. Und vor kurzem war ich in einem St&amp;uuml;ck der exzellenten katalanischen Kindertheatertruppe &amp;raquo;&lt;em&gt;La Pera Llimonera&lt;/em&gt;&amp;laquo;, die sich nicht scheute, ein paar Happen Gesellschaftskritik f&amp;uuml;r die anwesenden Eltern einzuschleusen: &amp;raquo;Soviele &lt;em&gt;Chorizos&lt;/em&gt; &amp;uuml;berall, dieses Land ist eine einzige Metzgerei.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum Trost sei gesagt, dass es in dieser Gro&amp;szlig;metzgerei vereinzelt W&amp;uuml;rstchen an die Pelle gegangen ist, so wie einem einstigen Ministerpr&amp;auml;sidenten der Balearen, dem das gn&amp;auml;dige Schicksal weit unter Marktwert einen Prunkpalast in der Innenstadt von Palma de Mallorca zugespielt hatte. Leider flog das Ganze im Zuge von Korruptionsermittlungen auf. In seinen Kleiderschr&amp;auml;nken stie&amp;szlig;en Fahnder auf &amp;uuml;ber eine Hundertschaft Anz&amp;uuml;ge, ansonsten registrierten sie acht Fernsehger&amp;auml;te, Schmuck, Mobiliar, Markenuhren, Porzellan, Kunstwerke. Apropos Kunstwerk: Alleine der Wert einer herrenlosen Designerklob&amp;uuml;rste, Modell &amp;raquo;&lt;em&gt;Lul&amp;uacute;&lt;/em&gt;&amp;laquo;, wurde auf 350 Euro taxiert ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t48a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t48a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Wie ein Sinnbild f&amp;uuml;r die Furcht in Spanien -&lt;br /&gt;Politiker fahren alles gegen die Wand&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Nehmen Politwutb&amp;uuml;rger die Sache selbst in die Hand, kommt es zum Eklat. Der kochenden Volksseele waren bei einer Versammlung drei leuchtwei&amp;szlig;e Sahnetorten zu danken, die &amp;ndash; ganz wie zu Stummfilmzeiten von &amp;raquo;&lt;em&gt;Dick und Doof&lt;/em&gt;&amp;laquo; &amp;ndash; ihre Ziele durch beherztes Aufdr&amp;uuml;cken fanden: Haupt und Haar einer Regionalpr&amp;auml;sidentin. Klebrige Denkzettel f&amp;uuml;r ein zweibeiniges St&amp;uuml;ck &lt;em&gt;Chorizo&lt;/em&gt;, pers&amp;ouml;nlich fand ich es schade um die Torten. Kurz nach Amtsantritt hatte die Dame selbstherrlich das Projekt einer Schnellzugtrasse vorangetrieben und medienwirksam auf Di&amp;auml;ten f&amp;uuml;r anstehende Sitzungen bei Banken verzichtet, sich im Gegenzug aber ihr Gehalt um ein Drittel erh&amp;ouml;ht. Das Trio der Tortent&amp;auml;ter war bald gefasst, ob es Hinterm&amp;auml;nner gab, nicht sofort klar. &amp;Auml;rztlicher oder geistlicher Beistand schien f&amp;uuml;r das Opfer am Tatort nicht vonn&amp;ouml;ten. Da sich kein Freiwilliger zum Abschlecken fand, sp&amp;uuml;lte sie das Zuckerb&amp;auml;ckerwerk am n&amp;auml;chsten Wasserhahn weg und sprach sp&amp;auml;ter am Rednerpult von einer &amp;raquo;s&amp;uuml;&amp;szlig;en Begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung&amp;laquo;. Eine Politikerin mit Humor!? Nicht ganz. Im Nachhinein verglich sie die Aktion mit einem &amp;raquo;terroristischen Akt&amp;laquo; und verlangte wegen &amp;raquo;Auflehnens gegen eine Autorit&amp;auml;t&amp;laquo; nach jahrelangen Haftstrafen f&amp;uuml;r die Schwerstkriminellen. Ich malte mir aus, wie Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Hausdurchsuchungen auf Butter, Eier, Zucker, ein paar Pfund Mehl, Kochb&amp;uuml;cher und R&amp;uuml;hrst&amp;auml;be sto&amp;szlig;en w&amp;uuml;rden. Gen&amp;uuml;gend Verdachtsmaterial f&amp;uuml;r weitere Attentate. Dabei waren die Torten nur gekauft.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 23 Jan 2012 10:06:53 +0100</pubDate>
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   <title>Sag&#039; mir, wo die Euro sind</title>
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        Es bereitet stets Freude, sich auf anderer Leute Kosten zu bedienen, was nat&amp;uuml;rlich kein rein spanisches Ph&amp;auml;nomen, aber dank der Beziehungstentakel im Land au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlich ausgepr&amp;auml;gt ist und Traditionspflege genie&amp;szlig;t. Seilschaften aus Politik, Wirtschaft, Banken, Justiz, Monarchie, Journalisten, Ehrentiteltr&amp;auml;gern und Kirchenvertretern samt christlicher Mafia &lt;em&gt;Opus Dei&lt;/em&gt; &amp;ndash; irgendwie scheint alles miteinander verkn&amp;uuml;pft. In Verbindung mit &amp;Uuml;bermut und einem grenzenlosen Vertrauen, den Gesetzesschlingen im Fall der F&amp;auml;lle entwischen zu k&amp;ouml;nnen, wuchs auch in Spanien lange ein explosives Gemisch heran, das vielerorts die Kassen sprengte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t47_180px.jpg&quot; alt=&quot;t47_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;312&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Die Rechnung ist einfach:&lt;br /&gt;gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Abzocke, gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Boot.&lt;br /&gt;Eines der dahingehend&lt;br /&gt;fragw&amp;uuml;rdigsten Schaufenster ist&lt;br /&gt;der Hafen von Puerto Ban&amp;uacute;s&lt;br /&gt;in Andalusien&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Dass die Kluft zwischen abgehobener Klasse und weitgehend unm&amp;uuml;ndiger Masse einst in den 1930er Jahren zum Ausl&amp;ouml;serpotenzial des Spanischen B&amp;uuml;rgerkriegs z&amp;auml;hlte, war l&amp;auml;ngst vergessen. Unter dem Deckmantel der Gemeinn&amp;uuml;tzigkeit erwiesen sich Non-Profit-Organisationen pl&amp;ouml;tzlich als &amp;auml;u&amp;szlig;erst profitabel, &amp;uuml;ber Scheinfirmen wurden Gelder nach Lateinamerika geschafft, die Zahl falscher Rechnungen war sogar f&amp;uuml;r &amp;uuml;berforderte Steuerfahnder kaum mehr zu z&amp;auml;hlen. Das &amp;Uuml;bliche also. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach elit&amp;auml;ren Treffpunkten die Zahl der Spitzenrestaurants in Spanien sprunghaft ansteigen lie&amp;szlig;. Und je gr&amp;ouml;&amp;szlig;er die Abzocke, desto gr&amp;ouml;&amp;szlig;er das Boot. Treffende Einblicke gibt der Hafen von Puerto Ban&amp;uacute;s bei Marbella: Protzjacht an Protzjacht, ein Schaufenster der Statussymbole und unver&amp;auml;ndert ein nettes Ausflugsziel in Andalusien ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedienung aus fremden Schatullen durchzieht alle Gesellschaftsebenen und hat Mitglieder des K&amp;ouml;nigshauses ebenso erfasst wie die Angestellten der Radio- und Fernsehanstalt von &lt;em&gt;Kastilien-La Mancha&lt;/em&gt;. Dort ging selbst auf dem Konto des G&amp;auml;rtners ein wundersamer Monatslohn von 6.000 Euro ein. Bedauerlich aus Sicht der Betroffenen ist, dass trotz aller Geheimhaltungsm&amp;uuml;hen manche Eisbergspitze an die &amp;Ouml;ffentlichkeit gedrungen ist. Man m&amp;uuml;sste es in Zukunft halt besser geheim halten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inmitten der Selbstbedienungsmentalit&amp;auml;t geb&amp;uuml;hrt Spaniens Politikern selbstredend ein Ehrenplatz und eine Sonderepisode n&amp;auml;chste Woche, doch B&amp;auml;nker stehen ihnen mit dubiosen Praktiken und Geh&amp;auml;ltern in nichts nach. Mancher Sparkassenchef sprach sich in Eigenspendierlaune einen gener&amp;ouml;sen Mietkostenzuschuss in H&amp;ouml;he von mehreren tausend Euro pro Monat zu, obwohl er vor Ort Hausbesitzer war. Als juristisch schwer anfechtbar gelten weitere Peanuts-Vorteile, die sich Finanzverantwortliche in einem Land, in dem Durchschnittsverdiener mit einem Tausender im Monat gl&amp;uuml;cklich sind, vor drohender Zahlungsunf&amp;auml;higkeit ihrer Sparkassen, anstehenden Fusionen oder sonstwie gew&amp;auml;hrten: Abfindungen in Millionenh&amp;ouml;he, Entsch&amp;auml;digungen, Lebensversicherungen, Pensionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t47a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t47a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;207&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;F&amp;uuml;r die Gr&amp;uuml;npflege gab es bei der Fernsehanstalt&lt;br /&gt;von Kastilien-La Mancha 6000 Euro Monatsgehalt&lt;br /&gt;f&amp;uuml;r den G&amp;auml;rtner, doch dieses Duo,&lt;br /&gt;das gerade den Rasen des Fu&amp;szlig;ballstadions&lt;br /&gt;von Real Madrid pflegt, d&amp;uuml;rfte&lt;br /&gt;zusammen kaum halb so viel verdienen&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Umso lauter erschallten in der Folge die Rufe der angeschlagenen Geldvernichtungsinstitute nach Unterst&amp;uuml;tzung durch die &amp;ouml;ffentliche Hand &amp;ndash; international selbstverst&amp;auml;ndlich nichts Neues, aber mit landeseigenen Nuancen. Das Beispiel eines gewissen Manuel E., Exchef der &lt;em&gt;Caja Segovia&lt;/em&gt;, der seinen Gang in den Vorruhestand von sechs Millionen Euro begleitet sah, um Monate darauf den Unruhestand mit der Gr&amp;uuml;ndung einer Immobilienfirma zu beenden, mag eher gew&amp;ouml;hnlich klingen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Miguel C. hingegen, vormals Pfarrer und sp&amp;auml;ter Bankvorstand (alleine das eine bemerkenswerte Karriere), gelang das Kunstst&amp;uuml;ck, vor seinem Ausscheiden aus der &lt;em&gt;Cajasur&lt;/em&gt; eine Jahresrente in respektabler sechsstelliger H&amp;ouml;he absegnen zu lassen, die im Falle seines Ablebens auf seine Schwestern &amp;uuml;berging, bis die letzte derer vier ihren Atem aushauchte. Die Damen waren &amp;auml;lteren Baujahrs, aber dem Vernehmen nach ziemlich r&amp;uuml;stig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t47b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t47b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Ihre architektonische Struktur ist wie ein Symbol -&lt;br /&gt;der Bau der Torres Kio in Madrid&lt;br /&gt;ging mit Unregelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeiten einher,&lt;br /&gt;auch eine Bank hatte ihre H&amp;auml;nde im Spiel&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
F&amp;uuml;r Geldmanager vom Schlage Manuels und Miguels wurden w&amp;auml;hrend ihrer Aktivzeit vom Sekretariat oft drei R&amp;uuml;ckfl&amp;uuml;ge in der Business Class gebucht. Selbe Person, selber Tag. Das Ende des jeweiligen Meetings war nicht absehbar, so stand man mit der Auswahl auf der sicheren Seite. &amp;Uuml;berdies gab es Lustreisen, wie man sie aus Deutschland als Lohn f&amp;uuml;r verdiente Konzern- und Versicherungsvertreter kennt. Nachweislich bodenst&amp;auml;ndig bei der Lust blieb Pedro F., kein B&amp;auml;nker, sondern in leitender Funktion bei der &lt;em&gt;Sociedad General de Autores y Editores&lt;/em&gt; angestellt, einer urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaft, die viele Gelder einnahm, aber nicht alle an die Berechtigten weitergab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Arbeitstag in Madrid beschloss Pedro gerne mit Investitionen ins Manneswohl. In Etablissements der Hauptstadt ging er der Entspannungstherapie nach, die f&amp;uuml;r eine Verweildauer von mehreren Stunden zwischen 7.800 und 9.500 Euro kostete und den R&amp;uuml;ckschluss zulie&amp;szlig;, dass die Freuden in den H&amp;auml;usern gro&amp;szlig; und intensiv gewesen sein mussten. Seine Schuld beglich er artig mit Kreditkarte, allerdings nicht mit der eigenen, sondern der seines Arbeitgebers. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als die von ihm teils mit &amp;raquo;&lt;em&gt;Autorsex&lt;/em&gt;&amp;laquo; unterzeichneten Besuche herauskamen, rechtfertigte er sich mit den Worten: &amp;raquo;Ich hatte Depressionen.&amp;laquo; Die Frage, ob auch die Benutzung von Kreditkarten anderer therapierbar ist, d&amp;uuml;rfte Psychologen vor neue Herausforderungen stellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sag&#039; mir, wo die Euro sind. Im Zweifelsfall im Eroscenter.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 16 Jan 2012 11:21:00 +0100</pubDate>
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   <title>Bombige Missionen</title>
   <description>
        Der Einspruch meines Verlegers &amp;ndash; obgleich Verweigerer und demzufolge nur bedingt mitsprachetauglich &amp;ndash; ist zwar gewiss, wenn ich das Milit&amp;auml;r pauschal als Auffangbecken Gescheiterter bezeichne und die chronische Desorganisation ins Feld f&amp;uuml;hre, aber ich bleibe dabei: Die Zust&amp;auml;nde, die ich in Deutschland w&amp;auml;hrend meiner Bundeswehrzeit als Beteiligter beobachten durfte, scheinen in Spanien nahtlos ihre Entsprechung zu finden. Zum Gl&amp;uuml;ck habe ich aus meiner unfreiwilligen Praxis weder Folgesch&amp;auml;den davongetragen noch einen weitergehenden Bef&amp;ouml;rderungsgrad, was Gehorsamsverweigerungen und Entfernungen von der Truppe zu danken war. In der sinnentleerten Kasernenwelt, die in mir auf ewig Skepsis und Abscheu ausgel&amp;ouml;st hat, war ich einfach zu nichts zu gebrauchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t46b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t46b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;U-Boot-Vorl&amp;auml;ufer, wie ihn der spanische Ingenieur&lt;br /&gt;Isaac Peral Ende des 19. Jahrhunderts schuf,&lt;br /&gt;zu sehen in Cartagena&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
In Spanien verteilt sich die Last, im milit&amp;auml;rischen Fall der F&amp;auml;lle Mitmenschen auf Befehl jener zu beseitigen, die sich niemals selbst mit Blut beflecken w&amp;uuml;rden, nunmehr auf die Schultern einer Berufsarmee. &amp;raquo;Soldaten sind M&amp;ouml;rder&amp;laquo;, hat der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky treffend geschrieben. Dieser potenziellen Handhabe l&amp;auml;sst sich mit dem Verlust des eigenen Lebens vorbeugen, wovon Spanier gelegentlich Gebrauch machen. &amp;raquo;Fallschirmspringerin st&amp;uuml;rzt bei Man&amp;ouml;ver in Casas de Uceda in den Tod&amp;laquo; und &amp;raquo;Unteroffizier stirbt bei Tauch&amp;uuml;bung vor der K&amp;uuml;ste von Cartagena&amp;laquo;, habe ich an Zeitungsausschnitten aufbewahrt und mich gefragt, ob inmitten soldatischen Unverstands vielleicht untereinander das Equipment verwechselt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bezeichnend auch der Fall eines niederen Dienstgrads, dessen Einsatz auf einem &amp;Uuml;bungsplatz der Provinz Zaragoza endete. Frei von Feind und Notwendigkeit zerfaserte ihn die Explosion einer M&amp;ouml;rsergranate, als er, wie sp&amp;auml;ter verlautbarte, an einer &amp;raquo;Routine&amp;uuml;bung zur Entsch&amp;auml;rfung von Sprengstoff&amp;laquo; teilnahm. &lt;em&gt;Learning by doing&lt;/em&gt;, die beste und bew&amp;auml;hrteste Lektion &amp;ndash; in diesem Fall auch die letzte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Auml;hnliches ereignete sich auf einem Milit&amp;auml;rgel&amp;auml;nde von &lt;em&gt;Hoyo de Manzanares&lt;/em&gt;, Gro&amp;szlig;raum Madrid, wo es im Umgang mit einer Minenz&amp;uuml;ndkapsel gar F&amp;uuml;nf auf einen Streich in St&amp;uuml;cke riss, unter ihnen &amp;raquo;mit die besten Sprengstoffexperten des Heeres&amp;laquo;, vermeldete das Verteidigungsministerium. Nicht auszurechen, was jenen passiert, die zu den schlechteren z&amp;auml;hlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spaniens militaristischer Trumpf war einst die Armada, die 1588, bestehend aus ann&amp;auml;hernd 150 Schiffen und 30.000 Mann und zur &amp;raquo;Unbesiegbaren Kriegsflotte&amp;laquo; hochstilisiert, im Kampf gegen Engl&amp;auml;nder, Naturgewalten und eigene Unf&amp;auml;higkeit die Segel streichen musste. Ebenso gro&amp;szlig; wie die Verluste waren Psychoknick und Ansehensverlust der seinerzeitigen Weltmacht Spanien. Deren Bewohner wurden und werden ungern in ihrem Stolz getroffen &amp;ndash; kein Klischee.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t46_300px.jpg&quot; alt=&quot;t46_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;141&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Zeitungsausschnitte zur Schlagkraft des spanischen Milit&amp;auml;rs&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Folgt man einem Bericht der Zeitung &lt;em&gt;La Gaceta&lt;/em&gt;, schlingert die Armada von heute der Zeit hinterher. M&amp;auml;ngel allerorten, Radarsystem kaputt, Kampfsystem defekt, aktive Beteiligung an bewaffneten Operationen zweifelhaft, mindestens zwei Jahre Reparaturzeit (aber auf Herstellergarantie!). Derart ern&amp;uuml;chternd sah sich die nach Spaniens K&amp;ouml;nig benannte Juan Carlos I beschrieben, das topmoderne &amp;raquo;Kronjuwel der Meere&amp;laquo;, das &amp;raquo;gr&amp;ouml;&amp;szlig;te und teuerste Schiff der Kriegsmarine&amp;laquo; mit &amp;raquo;Design und Fabrikation zu 100 Prozent&amp;laquo; aus spanischer Hand, wie es hie&amp;szlig;. Unter derlei Vorzeichen m&amp;ouml;gen es B&amp;ouml;swillige sehr wohl als Aush&amp;auml;ngeschild des Landes sehen ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Spaniens Streitkr&amp;auml;ften pflege ich gl&amp;uuml;cklicherweise keinen Direktkontakt, einzig mit einem Ehemaligen, meinem Schwager Antonio, der seine Wehrdienstpflicht vordem auf dem Schulschiff der Marine ableisten und feststellen musste, dass unter den Altgedienten mit der Zahl der Jahre und Bef&amp;ouml;rderungen das Gehalt gleichlaufend zum eigenen Armutszeugnis stieg. &amp;raquo;Da kommen nur die voran, die es im richtigen Leben zu nichts mehr bringen k&amp;ouml;nnen&amp;laquo;, so Antonios Fazit zu seinen Landsleuten in Uniform. Dem sei nichts hinzugef&amp;uuml;gt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ebenso wenig repr&amp;auml;sentativ wie der Einblick Antonios war nat&amp;uuml;rlich auch zuletzt mein Besuch im Madrider Seefahrtsmuseum, &lt;em&gt;Museo Naval&lt;/em&gt;, das von der Marine unterhalten wird und im hauseigenen, druckfrisch herausgegebenen Infoheft bereits die falschen &amp;Ouml;ffnungszeiten auff&amp;uuml;hrte ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t46a_180px.jpg&quot; alt=&quot;t46a_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Andreas Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Historischer Milit&amp;auml;rst&amp;uuml;tzpunkt,&lt;br /&gt;aber zumindest mit&lt;br /&gt;Aussicht in die Pyren&amp;auml;en:&lt;br /&gt;die Zitadelle von Jaca (Aragonien) &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Ganze Arbeit scheinen Spaniens Milit&amp;auml;rs andernorts zu leisten, dazu bedarf es nicht einmal der Teilnahme an internationalen Missionen. Das bezeichnendste Beispiel ihrer Schlagkraft ist das, was ich im Buch &amp;raquo;Die Spanier und die Liebe&amp;laquo; gefunden habe. Eines Tages, berichtet Autor Franz Handlos mit dem Verweis auf einen Zeitungsbericht, nahm sich ein Heereskleintrupp unter dem Kommando eines Hauptmanns in der N&amp;auml;he von Zaragoza eine Auszeit aus dem Man&amp;ouml;ver. Die Soldaten fuhren mit einem Panzer davon, suchten und fanden ihr Angriffsziel und parkten geradewegs davor: ein Haus der Freuden. Dieses betraten sie in Kampfanz&amp;uuml;gen, derer sie sich entledigten, um den Sondereinsatz f&amp;uuml;r Volk und Vaterland zu beginnen. Nach ruhmreicher Tat bestiegen sie ihr Fahrzeug, hatten aber im Eifer des Gefechts vergessen, f&amp;uuml;r die Leerung ihrer Depots zu bezahlen. Erst so bekamen Presse und &amp;Ouml;ffentlichkeit Wind &amp;ndash; und das wirbelte weitaus mehr Staub auf als die Panzerfahrt zur&amp;uuml;ck zum &amp;Uuml;bungsgel&amp;auml;nde.&lt;br /&gt;
   </description>
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 09 Jan 2012 10:12:07 +0100</pubDate>
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    <item>
   <title>Du mögest nicht mitklatschen beim Flamenco &amp;amp; weitere wertvolle Tipps</title>
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        Verdaut ist das Silvesteressen und ebenso die Zw&amp;ouml;lferportion &amp;raquo;Gl&amp;uuml;ckstrauben&amp;laquo;, &lt;em&gt;uvas de la suerte&lt;/em&gt;, die ein jeder Bewohner im Lande w&amp;auml;hrend der mittern&amp;auml;chtlichen Glockenschl&amp;auml;ge zum Jahreswechsel verzehrt. Erloschen sind die wenigen B&amp;ouml;ller, die Spanier bei dieser Gelegenheit abfeuern, und die guten Vors&amp;auml;tze von vor 365 Tagen. Das frisch begonnene Jahr gibt nicht nur Ansto&amp;szlig;, sich in K&amp;uuml;rze der Kalorienballung des Dreik&amp;ouml;nigskuchens zu stellen, sondern Ziele und Pl&amp;auml;ne zu erneuern und altbekannte Regeln einzuhalten, um als Ausw&amp;auml;rtiger in Spanien nicht &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig Kulturfrevel zu begehen und eine Abdrift in Fettn&amp;auml;pfchen zu vermeiden. Zu diesem Anlass habe ich die &amp;raquo;Zehn plus zehn Gebote&amp;laquo; als Gedankenst&amp;uuml;tze zusammengestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t45a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t45a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Ist Barcelona (hier: Park G&amp;uuml;ell) nun sch&amp;ouml;ner oder Madrid?&lt;br /&gt;Besser, man enth&amp;auml;lt sich als Au&amp;szlig;enstehender der Stimme&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Erstes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst keine anderen Fu&amp;szlig;ballg&amp;ouml;tter verehren au&amp;szlig;er den spanischen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweites Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst den Namen des spanischen K&amp;ouml;nigs nicht missbrauchen.&lt;br /&gt;&amp;Ouml;ffentlich ge&amp;auml;u&amp;szlig;erte Kritik, so berechtigt sie an der &amp;uuml;berkommenen Erfindung von &lt;em&gt;Royals&lt;/em&gt; sein mag, k&amp;ouml;nnte als Delikt der &amp;raquo;Majest&amp;auml;tsbeleidigung&amp;laquo; interpretiert und mit hohen Gef&amp;auml;ngnisstrafen belegt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drittes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst die Siesta heiligen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viertes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst deinen Vater und deine Mutter in jedwedem Zustand in Ehren halten, selbst wenn du gerade Sangr&amp;iacute;a mit dem Strohhalm aus dem Eimer getrunken hast.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;nftes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst die dir entgegengebrachten Sympathien nicht t&amp;ouml;ten, indem du das Vergangenheitsthema &amp;raquo;Franco-Diktatur&amp;laquo; ausdiskutieren m&amp;ouml;chtest oder ein klares Bekenntnis zu einem der beiden erbitterten Stadtrivalen Madrid oder Barcelona abgibst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sechstes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst nicht ehebrechen.&lt;br /&gt;Falls doch, bezahle im Bordell nicht mit der Kreditkarte deiner Gemeinde oder als gemeinn&amp;uuml;tzig anerkannten Institution. Dar&amp;uuml;ber sind in Spanien schon Pers&amp;ouml;nlichkeiten des &amp;ouml;ffentlichen Lebens gestolpert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Siebtes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst nicht stehlen.&lt;br /&gt;Zumindest nicht im Ort Alm&amp;agrave;ssera, Provinz Val&amp;egrave;ncia. Dort l&amp;auml;ufst du Gefahr, dich des Nachts bei einem grundsoliden Wohnungseinbruch jener Spanierin gegen&amp;uuml;berzusehen, die nicht einmal eine vorgehaltene Pistole erschreckte. Die Dame, jenseits der Siebzig, nahm die Verteidigung ihres Reiches resolut in die Hand. Sie zerkratzte der Einbrecherin das Gesicht, woran sich selbige sp&amp;auml;ter auf der Flucht leicht identifizieren lie&amp;szlig;, und schlug derart mit einer Pfanne auf sie ein, dass die umgangssprachliche Wendung &amp;raquo;jemandem eins &amp;uuml;berbraten&amp;laquo; zu ganzer Bedeutungsschwere gelangte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem N&amp;auml;chsten.&lt;br /&gt;Das ist auch gut so, aber solltest du zu den Ausgewanderten z&amp;auml;hlen, die in Spanien ihre Steuererkl&amp;auml;rung abgeben m&amp;uuml;ssen, darfst du die Wahrheit ein wenig dehnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuntes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst nicht begehren deines N&amp;auml;chsten Weib.&lt;br /&gt;Zumindest nicht, wenn der N&amp;auml;chste zugegen ist.&lt;br /&gt;Da kennen iberische Restmachoknochen keinen Spa&amp;szlig;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zehntes Gebot:&lt;br /&gt;Du sollst nicht begehren deiner N&amp;auml;chsten Tisch.&lt;br /&gt;Zumindest nicht, wenn sich Spanier im Lokal bereits an einen solchen gesetzt haben. Sich dazuzusetzen &amp;ndash; selbst auf Nachfrage &amp;ndash; ist ein Tabu!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t45b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t45b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Nur nicht mitklatschen bei der Flamencoshow!&lt;br /&gt;Und keinen Deostift reichen, weder vor noch nach&lt;br /&gt;dem Spektakel - obwohl es in&lt;br /&gt;manchen F&amp;auml;llen durchaus n&amp;ouml;tig w&amp;auml;re ...&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Nun zu den Bonusgeboten, die da lauten: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erstens:&lt;br /&gt;Buche nie bei einer spanischen Fluggesellschaft. &lt;br /&gt;Es sei denn, du m&amp;ouml;chtest am Boden bleiben, im Terminal auf einer Bank schlafen oder deinem unauffindbarem Gep&amp;auml;ck hinterhertrauern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweitens:&lt;br /&gt;Du m&amp;ouml;gest nicht mitklatschen beim Flamenco. &lt;br /&gt;Die K&amp;uuml;nstler sind keine lustigen Volksmusikanten, die Hansi, Marianne oder Michael hei&amp;szlig;en und darauf angewiesen sind, ihr Gnadenbrot bei den &amp;Ouml;ffentlich-Rechtlichen oder in Festzelten zu fressen.&lt;br /&gt;Selbst wenn dich der Flamencorhythmus erfasst, ist Schunkeln gleicherma&amp;szlig;en zu unterlassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drittens:&lt;br /&gt;Bestehe nicht zwingend darauf, Mallorca als siebzehntes Bundesland anzusehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t45_300px.jpg&quot; alt=&quot;t45_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Im Baskenland und in Katalonien sollte man&lt;br /&gt;als Privatmensch eher davon Abstand nehmen,&lt;br /&gt;spanische Flagge zu zeigen&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Viertens:&lt;br /&gt;Trage in den radikaler gepolten Regionen Katalonien und Baskenland kein T-Shirt mit dem Motiv einer Spanien-Flagge und h&amp;auml;nge eine solche dort ebensowenig auf den Balkon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;nftens:&lt;br /&gt;Halte dich von der Teilnahme bei Stierrennen fern. &lt;br /&gt;Es sei denn, du legst Wert auf ein Hornpiercing von Ges&amp;auml;&amp;szlig; oder Bauchdecke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sechstens:&lt;br /&gt;Bestreite die &amp;raquo;Schlacht des Weins&amp;laquo; Ende Juni in der Rioja nie ohne Taucherbrille. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Siebtens:&lt;br /&gt;H&amp;uuml;te dich vor getrennten Kassen.&lt;br /&gt;Sich im Restaurant nach gemeinsamem Mahl von der Bedienung die Posten aufschl&amp;uuml;sseln zu lassen und separat zu bezahlen, ist komplizierter als die spanische R&amp;uuml;ckeroberung von Gibraltar. Einfach zusammenwerfen, die Summe teilen, erst drau&amp;szlig;en Details kl&amp;auml;ren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtens:&lt;br /&gt;Vertraue nicht der spanischen Post.&lt;br /&gt;Manche Sendungen an mich stehen seit acht bis zehn Jahren aus. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das Warten geht weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuntens: &lt;br /&gt;Verzichte im Lokal auf Kampfstierfleisch.&lt;br /&gt;Es k&amp;ouml;nnte noch ein Widerhakenspie&amp;szlig; drinstecken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zehntens:&lt;br /&gt;H&amp;uuml;te dich vor Sprachirrt&amp;uuml;mern. &lt;br /&gt;Eine &lt;em&gt;firma&lt;/em&gt; ist keine Firma, sondern die Unterschrift, &lt;em&gt;&amp;eacute;xito&lt;/em&gt; nicht Exitus, sondern Erfolg, ein &lt;em&gt;gimnasio &lt;/em&gt;kein Gymnasium, sondern die Sporthalle, ein &lt;em&gt;mantel&lt;/em&gt; kein Mantel, sondern die Tischdecke, &lt;em&gt;regalo&lt;/em&gt; kein Regal, sondern ein Geschenk, und eine &lt;em&gt;infusi&amp;oacute;n&lt;/em&gt; keine Infusion, sondern ein Teeaufguss.&lt;br /&gt;Und w&amp;auml;ge beim Ausspruch &lt;em&gt;tocar el pito&lt;/em&gt; je nach Umfeld sorgsam ab, ob eher &amp;raquo;Autohupe bet&amp;auml;tigen&amp;laquo; oder &amp;raquo;Zipfel anfassen&amp;laquo; gemeint ist ... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerletztes Zusatzgebot:&lt;br /&gt;Falls du im Business des Wunderheilertums t&amp;auml;tig bist, ver&amp;auml;rgere meine Schwiegermutter nicht, indem du ihr anbietest, sie k&amp;ouml;nne auf mirakul&amp;ouml;se Weise drei&amp;szlig;ig Kilogramm abnehmen.&lt;br /&gt;&amp;raquo;Dann sieht man mich ja gar nicht mehr&amp;laquo;, sagt sie, was ich jedoch bezweifele.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 02 Jan 2012 08:00:20 +0100</pubDate>
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   <title>Oh, wie süß!</title>
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        F&amp;uuml;r eine satte Portion &amp;raquo;Nonnenf&amp;uuml;rze&amp;laquo; braucht es gl&amp;uuml;cklicherweise keine Pr&amp;auml;senz von Klosterschwestern mit abgehenden Winden, sondern: zwei H&amp;uuml;hnereier, zweihundert Gramm Mehl, f&amp;uuml;nfzig Gramm Zucker, eine Zitrone, ein Glas Wasser und &amp;Ouml;l. Die Zubereitung geht schnell. Zucker, Wasser und den ausgepressten Saft der Zitrone in einen Topf kippen, f&amp;uuml;nf Minuten k&amp;ouml;cheln, dann das Mehl unterquirlen. Topf vom Herd nehmen, die Eier schaumig schlagen und hinzugeben, l&amp;auml;nger umr&amp;uuml;hren. Aus der Masse K&amp;uuml;gelchen formen, einer mit reichlich &amp;Ouml;l gef&amp;uuml;llten Pfanne zuf&amp;uuml;hren, frittieren und rundherum gut br&amp;auml;unen. Fertig sind die &amp;raquo;Nonnenf&amp;uuml;rze&amp;laquo;, &lt;em&gt;pedos de monja&lt;/em&gt;, die den an andere K&amp;ouml;rper&amp;ouml;ffnungen angelehnten &amp;raquo;Nonnenseufzern&amp;laquo;, &lt;em&gt;suspiros de monja&lt;/em&gt;, &amp;auml;hneln und in manchen Landesteilen mittlerweile in Superm&amp;auml;rkten packungsweise erh&amp;auml;ltlich sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t44b_180px.jpg&quot; alt=&quot;t44b_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;221&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Ein bisschen Karies gef&amp;auml;llig?&lt;br /&gt;Dann empfehle ich&lt;br /&gt;eine Packung &amp;bdquo;Engelsk&amp;uuml;sschen&amp;ldquo;,&lt;br /&gt;hier die Auslage in einer Vitrine&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Sprachfantasievoll geht es auch bei dem faserigen, goldgelben &amp;raquo;Engelshaar&amp;laquo; zu, &lt;em&gt;cabello de &amp;aacute;ngel&lt;/em&gt;, einer Mixtur aus gekochtem K&amp;uuml;rbis und Zucker, die sich bestens f&amp;uuml;r F&amp;uuml;llungen von Kuchen und Teigtaschen sowie der Entfernung von Gebissen eignet, w&amp;auml;hrend &amp;raquo;Engelsk&amp;uuml;sschen&amp;laquo;, &lt;em&gt;besitos de &amp;aacute;ngel&lt;/em&gt;, auf der Zunge zergehen. Nur nicht mehr auf meiner. Alleine der Anblick erinnert daran, wie sich das Schaumgeb&amp;auml;ck aus gezuckertem Eiwei&amp;szlig;schnee in der Mundh&amp;ouml;hle aufl&amp;ouml;st und in die Zahnzwischenr&amp;auml;ume flie&amp;szlig;t. Und wohin mit dem Eigelb? Zusammen mit Zucker und Wasser l&amp;auml;sst sich im Ofen ein weiteres Klebeprodukt hervorzaubern, das seit dem Mittelalter aus Klosterbackstuben als verl&amp;auml;sslicher H&amp;uuml;ftgoldspender belegt ist: &amp;raquo;Himmelsspeck&amp;laquo;, &lt;em&gt;tocino de cielo&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Auml;hnlich dem altvertrauten &amp;raquo;Zigeunerschnitzel&amp;laquo;, kennt der spanische &amp;raquo;Zigeunerarm&amp;laquo;, &lt;em&gt;brazo de gitano&lt;/em&gt;, keinen ethnischen Unterschied zwischen Sinti und Roma. Vorausgesetzt, er ist nicht beim ureigenen Besitzer angewachsen oder soeben im Krankenhaus von ihm entfernt worden, bezeichnet der &amp;raquo;Zigeunerarm&amp;laquo; eine Biskuitrolle, die rezeptabh&amp;auml;ngig einen schokobraunen oder puderzuckerwei&amp;szlig;en Teint tragen kann. Ebenfalls cremig sind die &amp;raquo;Seelen des Fegefeuers&amp;laquo; (&lt;em&gt;&amp;aacute;nimas del purgatorio&lt;/em&gt;), w&amp;auml;hrend die &amp;raquo;Zigarren&amp;laquo; (&lt;em&gt;cigarros&lt;/em&gt;) genannten Waffelst&amp;auml;bchen aus den Ohren stauben und Bl&amp;auml;tterteig-&amp;raquo;Krawatten&amp;laquo; (&lt;em&gt;corbatas&lt;/em&gt;) aus dem kantabrischen Unquera schwerste Kr&amp;uuml;melspuren hinterlassen. &amp;raquo;Dachziegel&amp;laquo;, &lt;em&gt;tejas&lt;/em&gt;, aus Schokolade und Mandeln erschlagen ebenso durch Preise und N&amp;auml;hrwert wie &amp;raquo;Heiligenknochen&amp;laquo;, &lt;em&gt;huesos de santo&lt;/em&gt;, R&amp;ouml;llchen aus Marzipan, die allemal appetitlicher wirken als echte Knochen eines Heiligen wie Johannes vom Kreuz (1542-1591).&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t44_300px.jpg&quot; alt=&quot;t44_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;222&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Vielleicht etwas flachbr&amp;uuml;stig, aber&lt;br /&gt;es sind ja nur Pl&amp;auml;tzchen:&lt;br /&gt;&amp;bdquo;Nonnenbr&amp;uuml;stchen&amp;ldquo;, tetillas de monja&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Besucht man dessen Sterbekloster im andalusischen &amp;Uacute;beda, f&amp;auml;llt in einer Vitrine der Blick auf ein Fingerpaar der rechten Hand, das dank des getrockneten Resthaut&amp;uuml;berzugs eher wie br&amp;auml;unlich verschrumpelte Pilzst&amp;auml;ngel aussieht. Dann lieber Zuckerb&amp;auml;ckerwerk und ein letzter Tipp: Wer sich vor knackigem Dr&amp;uuml;senzubiss nicht scheut, ist mit &amp;raquo;Nonnenbr&amp;uuml;stchen&amp;laquo;, &lt;em&gt;tetillas de monja&lt;/em&gt;, gut beraten, wie ich sie unl&amp;auml;ngst &amp;ndash; nein, nicht in der Klostersauna, sondern: &amp;ndash; als Geschenkpackung in einer Konditoreivitrine gesehen habe, eine lokale Speziali&amp;auml;t aus der Gegend um Santo Domingo de la Calzada. Die Begleitillustration auf der Packung zeigte im &amp;Uuml;brigen eine Ordensfrau mit reichlich aufgetragenem Lippenstift, leicht ge&amp;ouml;ffnetem Mund und verf&amp;uuml;hrerischem Augenschlag. Einfach zum Anbei&amp;szlig;en, sollte das wohl bedeuten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t44a_180px.jpg&quot; alt=&quot;t44a_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Ausgesprochen s&amp;uuml;&amp;szlig;: Eine&lt;br /&gt;Schokoladenkaskade im&lt;br /&gt;Schokoladenmuseum in&lt;br /&gt;Barcelona&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Nonnenbusen, Heiligenknochen, Nonnenf&amp;uuml;rze &amp;ndash; derlei Kostbarkeiten entsteigen Spaniens K&amp;uuml;chen allerdings nicht allzu oft. Spanier verleiben sich zwar gerne und &amp;uuml;berreichlich S&amp;uuml;&amp;szlig;es ein, doch aus Bequemlichkeitsgr&amp;uuml;nden ist das Meiste nicht hausgemacht, sondern schlichtweg gekauft, vor allem zur Weihnachtszeit, die sich &amp;uuml;ber den Jahreswechsel hinaus bis zum Dreik&amp;ouml;nigsfest dehnt. Landesweit typisch in diesen Tagen sind &lt;em&gt;Turrones&lt;/em&gt;, Nougatplatten jedweder Konsistenz und Geschmacksform, bei denen ich zwischen Massenproduktion und Lobbyarbeit der Dentistenvereinigung einen gewissen Zusammenhang ausmache. Im Hause meiner Schwiegereltern kommen &lt;em&gt;Turrones&lt;/em&gt; derzeit als Festnachtisch auf einem roten Riesentablett auf die Tafel. Fein sortiert und zerteilt, liegen mandelharte und weiche St&amp;uuml;cke dort ausgebreitet, dazu &lt;em&gt;Turrones&lt;/em&gt; mit bunten Inhaltsklumpen, die Fr&amp;uuml;chte vort&amp;auml;uschen, und jene &lt;em&gt;Turrones&lt;/em&gt; voll Schokolade, auf die sich mein spanischer Clan selbst nach vorherigem Men&amp;uuml;exzess wie von Sinnen st&amp;uuml;rzt, doch den merkw&amp;uuml;rdigen Deutschen in der Familie lieber zu einer Mandarine greifen lassen. Na ja, oder zu den harten &lt;em&gt;Turrones&lt;/em&gt;, aber nur denen ...&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Nougatdi&amp;auml;t f&amp;uuml;r alle habe ich bedauerlicherweise nur an einem einzigen Weihnachtsfest erlebt, nachdem es meinem Schwiegerhund dank seiner langen Schnauze gegl&amp;uuml;ckt war, unbemerkt die T&amp;uuml;r des Zwischenlagerraums zu &amp;ouml;ffnen. Das dort abgestellte Megatablett mit den &lt;em&gt;Turrones &lt;/em&gt;erklommen, feierte er Christi Geburt auf seine Art, probierte die Sorten wahllos durch und b&amp;uuml;&amp;szlig;te mit einer ausgiebigen Dackelmagenverstimmung f&amp;uuml;r die Uners&amp;auml;ttlichkeit. Seither bin ich mir nicht sicher, ob in &amp;Uuml;berflussgesellschaften Mensch oder Tier die Gabe besitzt, sich an Weihnachten st&amp;auml;rker &amp;uuml;berfressen zu k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 26 Dec 2011 08:00:25 +0100</pubDate>
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   <title>Wartezeiten</title>
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        Mein Kumpel Adam, der mit mir die Freuden und H&amp;auml;rten eines Auswandererschicksals nach Spanien teilt, denkt mit gewissem Grausen an die bevorstehende Weihnachts- als Reisezeit. Zu eingebrannt ist seine Erinnerung an eine spanische Fluglinie, deren Namen ich aus Rechtsgr&amp;uuml;nden dezent &amp;uuml;bergehe, auf Anfrage aber gerne an jene weitergebe, die &amp;Auml;hnliches erleben m&amp;ouml;chten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left; float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t43b_300px.jpg&quot; alt=&quot;t43b_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Flughafenhallen - hier in Barcelona - haben ein&lt;br /&gt;spezielles Flair. Nur: L&amp;auml;nger bleiben als n&amp;ouml;tig&lt;br /&gt;m&amp;ouml;chte man eigentlich nicht&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Als Adam noch davon ausging, das Ende des angebrochenen Weihnachtsferientages im Kreise seiner Familie in Bayern zu verbringen, und in Pamplona so fr&amp;uuml;h eincheckte, dass man ihn sogar auf die Verbindung vorher umbuchte, bestieg er frohen Mutes die Maschine zum Umsteigeflughafen Madrid. Allerdings hatte man Adam bei der Abfertigung er&amp;ouml;ffnet, der am Abend abgehende Anschlussflug nach M&amp;uuml;nchen sei &amp;uuml;berbucht, weswegen er ihn in Madrid r&amp;uuml;ckbest&amp;auml;tigen lassen m&amp;uuml;sse &amp;ndash; kein Problem, eine Formalie, er habe ja jetzt ein Plus an Zeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach der Ankunft brauchte er den Serviceschalter der Airline nicht lange zu suchen, da er leicht an den Warteschlangen erkennbar war, die sich durch die Halle wanden: auf beide ge&amp;ouml;ffnete Seiten eines isoliert stehenden H&amp;auml;uschens in der Mitte des Terminals zu. Ebendort hatte ich bei anderen Gelegenheiten ausgeharrt, sah mich in Diskussionen mit den Dienst habenden, unmotivierten, &amp;uuml;bellaunigen Schabracken verstrickt und erntete auf die Fragen nach dem &amp;raquo;Warum?&amp;laquo; und &amp;raquo;Wann genau geht es weiter?&amp;laquo; zu versp&amp;auml;teten oder g&amp;auml;nzlich gestrichenen Fl&amp;uuml;gen Schulterzucken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach anderthalb Stunden Anstehens fehlten Adam etwa f&amp;uuml;nf Meter bis zum Ziel, als er verfolgte, wie sich auf der Gegenseite der aufgestaute Unmut einiger G&amp;auml;ste lautstark entlud. Da der Schalter nach bew&amp;auml;hrter Manier mit Damen besetzt war, die den Dienst am Kunden auf eigene Weise interpretierten, lie&amp;szlig;en sie von innen krachend die Rolll&amp;auml;den herunter. Ob sie angesichts der tumultartigen Szenen, die nun entbrannten, einen Sturm auf die Festung erwarteten und Eimer mit Unrat und gl&amp;uuml;hendem Pech zur Feindesabwehr vorbereiteten, entzog sich Adams Blickfeld, doch die Konsequenzen bekam er gleich zu sp&amp;uuml;ren, da sich der Menschenauflauf ungez&amp;uuml;gelt auf seine Seite zu dr&amp;auml;ngeln begann, wo die Kolleginnen zum Gl&amp;uuml;ck die Jalousien offen hielten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann war Adam an der Reihe, bekam seine Best&amp;auml;tigung und atmete auf &amp;ndash; aber nur solange, bis er der Tafel f&amp;uuml;r den Weiterflug den Hinweis &amp;raquo;Versp&amp;auml;tet&amp;laquo; entnahm. Ein solches, bei der betreffenden Fluglinie angek&amp;uuml;ndigtes &amp;raquo;Versp&amp;auml;tet&amp;laquo; l&amp;auml;sst sich meiner Erfahrung nach nicht an internationalen Ma&amp;szlig;st&amp;auml;ben messen, sondern die Alarmglocken schrillen. An Streiktagen ist es ohnehin hoffnungslos, aber es war kein Streiktag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Wir fliegen heute sicher nicht mehr&amp;laquo;, sagte eine Mitwartende aus Berlin, die von einer dunklen Ahnung befallen oder vorgesch&amp;auml;digt zu sein schien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ach was&amp;laquo;, winkte Adam ab, ein stets optimistischer Mensch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit zweieinhalb Stunden Versp&amp;auml;tung, ihrerseits verbunden mit f&amp;uuml;nfmaligem Wechsel des Boarding Gate, sa&amp;szlig;en die Passagiere um 22.30 Uhr an Bord, bereit zum Abflug nach M&amp;uuml;nchen. Nach drei&amp;szlig;igmin&amp;uuml;tigem Warten erreichten die Humanausd&amp;uuml;nstungen ihre Grenze der Zumutbarkeit, erst dann erbarmte sich das Kabinenpersonal nach Protesten, die L&amp;uuml;ftung einzuschalten. Eine Viertelstunde danach erklang die Stimme des K&amp;auml;pit&amp;auml;ns, der den Wiederausstieg verk&amp;uuml;ndete. Man k&amp;ouml;nne heute nicht mehr fliegen, es sei zu sp&amp;auml;t, Nachtlandeverbot, jetzt m&amp;uuml;sse er vom Bodenpersonal lediglich jemanden erreichen, der die Gangway wieder heranfahre. Keine leichte Aufgabe, wie die neuerliche Wartezeit bewies.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur&amp;uuml;ck an Land, gab ein freilaufender Bediensteter der Airline bekannt: &amp;raquo;Abflug ist morgen um elf Uhr, Sie verlassen den Flughafen, Busse bringen Sie in ein Hotel.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Wir haben Hunger&amp;laquo;, hallte es ihm entgegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz darauf fielen die Hin- und Hergeschobenen auf Kosten der Airline &amp;uuml;ber eine Kantine her, als Adam &amp;ndash; Bierdose und ein Plastiksch&amp;uuml;sselchen Salat in H&amp;auml;nden &amp;ndash; den Bediensteten in einer Menschentraube pl&amp;ouml;tzlich entschwinden sah. Leidlich hechelte er hinterher und schlussfolgerte, dass es sich um die Abfahrt des Busses handelte, kam aber nicht mehr rechtzeitig. Der Bus war voll und mit r&amp;ouml;hrendem Motor startbereit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Es kommen zwei weitere&amp;laquo;, hie&amp;szlig; es.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerRight&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerRight&quot; style=&quot;float: right; float: right;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t43a_300px.jpg&quot; alt=&quot;t43a_300px.jpg&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;226&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Dieser Flug ging zumindest ab, obgleich&lt;br /&gt;- wie fast immer - versp&amp;auml;tet; Blick aus dem Flugzeug&lt;br /&gt;beim Landeanflug auf Pamplona&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
Statt der Busse erschien alsbald erneut ein Chaoskoordinator, der die in den Bus Eingestiegenen zum Ausstieg und alle miteinander aufforderte, zur&amp;uuml;ck ins Terminal zu kommen, es habe sich unvorhergesehenerweise etwas ge&amp;auml;ndert. Adam leerte sein Bier, brachte den Salat durch die Sicherheitsschleuse und sah sich nach Mitternacht im Kreise der gestrandeten Mitflieger vor vollendete Tatsachen gestellt: neue Abflugzeit um f&amp;uuml;nf Uhr in der Fr&amp;uuml;h, ein Hotel lohne angesichts der wenigen verbleibenden Stunden nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Das ist alles ein Riesenchaos, eine Riesensauerei!&amp;laquo;, rief jemand mit bayrischem Akzent in die Halle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Nein, das ist Spanien!&amp;laquo;, kam ein Zwischenruf auf Deutsch mit stark spanischem Einschlag zur&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r eine Massenrevolte waren alle zu ersch&amp;ouml;pft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Morgen nahm Adam ein Foto von der Anzeigetafel auf: &amp;raquo;Boarding Time 03.31 Uhr&amp;laquo;. Dann ging der Flug p&amp;uuml;nktlich ab ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;imgContainerLeft&quot;&gt;&lt;img class=&quot;imgContainerLeft&quot; style=&quot;float: left;&quot; src=&quot;http://www.geo.de/blog/gallery/17/t43_180px.jpg&quot; alt=&quot;t43_180px.jpg&quot; width=&quot;180&quot; height=&quot;254&quot; /&gt;&lt;span class=&quot;credit&quot;&gt;&amp;copy; Cristina Doria-Drouve&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;caption&quot;&gt;Diese Leuchtreklame mit Pfeil weist&lt;br /&gt;den Weg zur n&amp;auml;chsten Apotheke.&lt;br /&gt;Bis eine solche er&amp;ouml;ffnet ist,&lt;br /&gt;k&amp;ouml;nnen Jahre ins Land ziehen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
In Spanien gilt es, sich in Geduld zu &amp;uuml;ben. Da kann man froh sein, nur eine lausige Nacht auf einem Flughafenterminal verbracht zu haben. Anderes zieht sich l&amp;auml;nger dahin, bis die letzte Milde vergl&amp;uuml;ht ist und selbst Galgenhumor nicht mehr tr&amp;ouml;stet, so wie bei Catalina S., Pharmazeutin, die sich in ihrer Stadt den Lebenstraum einer eigenen Apotheke erf&amp;uuml;llen wollte. Nach Zeiten der Suche fand sie ein geeignetes Ladenlokal, wohl wissend, dass es laut Gesetz einen Mindestabstand von 150 Metern zur n&amp;auml;chstliegenden &lt;em&gt;Farmacia&lt;/em&gt; einzuhalten galt. &amp;Uuml;ber die Frage, wie 150 Meter zu messen waren, entbrannte eine Provinzposse, die Deutschland zur Ehre gereichte. W&amp;auml;hrend die Gesundheitsbeh&amp;ouml;rde und Catalinas Konkurrenz beharrlich die Ansicht vertraten, die Distanz sei in Luftlinie zu messen und daher zu gering, kamen ein Polizeigutachten und der zust&amp;auml;ndige Landesgerichtshof zu dem Schluss, die Meterzahl aus der Sicht eines Fu&amp;szlig;g&amp;auml;ngers anzusetzen: nicht als Abk&amp;uuml;rzung quer &amp;uuml;ber einen Platz und eine befahrene Stra&amp;szlig;e, sondern ein St&amp;uuml;ck weiter &amp;uuml;ber den n&amp;auml;chsten Zebrastreifen. So war die Vorgabe zum Mindestabstand erf&amp;uuml;llt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dreieinhalb Streitjahre nach ihrem Erstantrag war es letztlich der Schlenker &amp;uuml;ber den Zebrastreifen, der Catalinas Arbeitsleben rettete. Sie durfte ihre Apotheke er&amp;ouml;ffnen ... &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rekordbrecher meiner Sammlung &amp;raquo;Wartezeiten&amp;laquo; ist Eulogio C. Der Arme hatte sein Auto im St&amp;auml;dtchen Tudela auf einem Parkstreifen abgestellt, der mit orangefarbenen Strichen gekennzeichnet war, die er nicht kannte. Als er wiederkam, klebte auf der Stra&amp;szlig;e ein Zettel mit dem Verweis, dass sein Fahrzeug weg war &amp;ndash; abgeschleppt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im st&amp;auml;dtischen Abstellhof bekam er zu seiner &amp;Uuml;berraschung zu h&amp;ouml;ren, die Zone sei geb&amp;uuml;hrenpflichtig gewesen. Eulogio blieb keine andere Wahl, als sein abgeschlepptes Auto freizukaufen, doch verlangte er nach einem Termin mit dem Chef der Lokalpolizei, um die Sache vor einem offiziellen Beschwerdeweg aus der Welt zu schaffen und sein Geld unb&amp;uuml;rokratisch zur&amp;uuml;ckzubekommen. Denn, so entnahm Eulogio dem Stra&amp;szlig;enverkehrskodex, einzig Blau sei als Kennzeichnung von geb&amp;uuml;hrenpflichtigen Zonen erlaubt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Des Triumphes gewiss, brachte Eulogio zum Termin vorsorglich Fotokopien des Regelwerks mit, die der Polizeichef nicht einmal anr&amp;uuml;hrte, sondern sich selbstgef&amp;auml;llig zur&amp;uuml;cklehnte und behauptete, der Vorgang sei gesetzeskonform verlaufen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daraufhin legte Eulogio im Rathaus von Tudela schriftlich Beschwerde ein, die ohne Angabe von Gr&amp;uuml;nden abgelehnt wurde, bevor er vor Gericht ging. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vier Jahre zogen ins Land, bis er Recht und &amp;ndash; wenngleich zinslos &amp;ndash; seine Auslagen erstattet bekam: und zwar f&amp;uuml;r zwei Abschleppvorg&amp;auml;nge. Zwischendurch hatte er noch einmal an derselben Stelle geparkt ...&lt;br /&gt;
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      <dc:creator>Andreas Drouve</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 19 Dec 2011 14:24:52 +0100</pubDate>
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